Bildungspolitischer Abend 2026

Fachkräfte von morgen brauchen ein zukunftsfähiges Bildungssystem

Wie muss Bildung gestaltet werden, damit junge Menschen erfolgreich ins Berufsleben starten und Unternehmen auch künftig ausreichend Fachkräfte finden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Bildungspolitischen Abends 2026 am 16. Juni, zu dem die Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHK) gemeinsam mit dem Landesverband Thüringen von DIE FAMILIENUNTERNEHMER e.V., der Thüringer Landeselternvertretung sowie dem Verband der Wirtschaft Thüringen e.V. ins Haus der Wirtschaft in Suhl eingeladen hatte.

Unter dem Motto „Ist unser Bildungssystem noch zukunftsfit?“ diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Schule und Elternschaft mit dem Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christian Tischner, über notwendige Reformen im Bildungssystem. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, Herausforderungen und Notwendigkeiten offen anzusprechen und gemeinsam Lösungsansätze für eine nachhaltige Fachkräftesicherung zu entwickeln.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Präsident Torsten Herrmann die große Bedeutung einer leistungsfähigen Bildungslandschaft für die wirtschaftliche Entwicklung des Freistaats. Bildung sei die entscheidende Grundlage für wirtschaftliche Stärke durch Know-how und Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung von Fachkräften. Deshalb brauche Thüringen ein Bildungssystem, das junge Menschen bestmöglich auf Ausbildung, Beruf und zugleich auf gesellschaftliche Verantwortung vorbereite.

Aus Sicht der Südthüringer Wirtschaft seien dafür konkrete strukturelle Verbesserungen erforderlich. Präsident Torsten Herrmann sprach sich für eine stärkere Koordination der Berufsschulnetzplanung durch das Thüringer Bildungsministerium aus, um regionale Interessen besser auszugleichen und langfristige Sicherheit für Unternehmen und Auszubildende zu schaffen. Ebenso müsse die Attraktivität der dualen Ausbildung gestärkt werden. Dazu gehörten finanzielle Unterstützungen bei Fahrt- und Unterkunftskosten sowie der Ausbau und die Modernisierung von Azubi-Wohnheimen, insbesondere in der Fläche. Darüber hinaus warb er für eine dauerhafte Sicherung überbetrieblicher Lehrgänge, die wichtige Ausbildungsinhalte ergänzen und gerade für kleine und mittlere Unternehmen unverzichtbar sind.

In seinem Impulsvortrag machte Felix Carqueville, Landesvorsitzender von DIE FAMILIENUNTERNEHMER Thüringen, deutlich, dass Schulen heute vielfach mit zusätzlichen Inhalten überfrachtet seien, während zentrale Kompetenzen für das spätere Berufsleben zu kurz kämen. Viele Jugendliche verfügten am Ende ihrer Schulzeit nur über geringe Kenntnisse zu wirtschaftlichen Zusammenhängen, Unternehmertum oder den Chancen eigenverantwortlichen Handelns. Schule müsse deshalb stärker Orientierung geben, Praxisbezüge schaffen und junge Menschen befähigen, Verantwortung zu übernehmen.

Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Pieterwas hob hervor, dass Thüringen ein durchlässiges Bildungssystem brauche, das Leistung fördert und Entwicklungschancen eröffnet. Dazu gehöre insbesondere die Einführung eines zusätzlichen Übertrittspunkts zum Gymnasium nach der Klassenstufe 8 für Schülerinnen und Schüler an Regelschulen. Leistungsbereite Jugendliche sollten unabhängig von ihrem bisherigen Bildungsweg die Möglichkeit erhalten, höhere Bildungsabschlüsse zu erreichen und ihre Potenziale auszuschöpfen. Gleichzeitig brauche es eine verlässliche Berufsorientierung, mehr Praxisbezug im Unterricht sowie eine konsequente Stärkung der Grundlagenbildung. Nur wenn junge Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert werden und die unterschiedlichen Bildungswege attraktiv bleiben, lasse sich der Fachkräftebedarf der Thüringer Wirtschaft langfristig sichern.

Der Austausch auf dem Podium machte deutlich, dass insbesondere bei der Berufsorientierung, der Vermittlung von Grundlagenwissen und der Vorbereitung auf die Arbeitswelt Handlungsbedarf besteht. Einigkeit herrschte darüber, dass Schüler frühzeitig Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten und häufiger praktische Erfahrungen sammeln sollten. Ebenso wurden die Förderung von Eigenverantwortung, Medien- und KI-Kompetenz sowie die konsequente Sicherung grundlegender Bildungsstandards als wichtige Aufgaben benannt.

Weitere Schwerpunkte waren die Verringerung von Unterrichtsausfall, der Ausbau der Schulsozialarbeit, die Entwicklung neuer Qualifizierungswege für Lehrkräfte sowie die Vereinfachung und Vereinheitlichung digitaler Strukturen im Bildungsbereich. 

Der Bildungspolitische Abend unterstrich erneut seine Bedeutung als Plattform für den konstruktiven Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen. Ein gemeinsames Anliegen aller Beteiligten war es, Bildung stärker an den Anforderungen der Zukunft auszurichten und jungen Menschen bessere Chancen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf zu eröffnen. Denn die Qualität des Bildungssystems entscheidet maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Thüringen.

Anja Boller
Abteilungsleiterin Aus- und Weiterbildung

Telefon +49 3681 362-151

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