Auf der Suche nach Lichtblicken
IHK-Unternehmergespräch im Landkreis Sonneberg
Unternehmer aus dem Landkreis Sonneberg trafen sich mit Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. In geschützter Atmosphäre der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen Niederlassung Sonneberg, wurden unter anderem hohe Energiepreise, Steuerlast, fehlende Strukturreformen und mangelnde Serviceorientierung der Verwaltung kritisch angesprochen. Ziel war es, Perspektiven für einen starken Wirtschaftsstandort zu entwickeln.
In einer bewusst geschützten Gesprächsatmosphäre trafen sich Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Landkreis Sonneberg mit der Thüringer Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. Als vormalige Unternehmerin genießt die Ministerin einen großen Vertrauensvorschuss innerhalb der Südthüringer Unternehmerschaft. Rund zweieinhalb Stunden lang wurden offen Sorgen, Erwartungen und Zukunftsaussichten diskutiert. Ebenfalls anwesend war die Thüringer Justizministerin Beate Meißner.
Bei der von Markus Bogoczek, IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender Sonneberg, respektvoll moderierten Diskussionsrunde nutzten die Unternehmer die Gelegenheit, ihre Anliegen offen und direkt zu formulieren. Kritische Stimmen waren deutlich zu hören, insbesondere zu den seit Jahren anhaltend hohen Strompreisen und den aus Sicht vieler Betriebe unzureichenden Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung. Zwar wird die Einsicht begrüßt, stärker in den Standort investieren zu müssen, doch fehlt vielfach das Vertrauen, dass zugesagte Mittel auch tatsächlich sinnvoll und effektiv für die Verbesserung der Standortbedingungen eingesetzt werden.
Kritik äußerten die Teilnehmer zudem an der stetig wachsenden Bezuschussung der Sozialkassen, während umfassende Strukturreformen und der politische Wille zu einer tiefgreifenden Erneuerung vermisst werden. Ebenso wurde betont, dass das Leistungsprinzip zunehmend ausgehöhlt wird durch eine hohe Steuer- und Abgabenlast, die Leistungsträger und Unternehmer gleichermaßen belastet sowie durch einen immer weiter steigenden Mindestlohn. Gerade im Landkreis Sonneberg sind die Auswirkungen der Steigerung aufgrund der hohen Zahl an Beschäftigten im Niedriglohnbereich direkt negativ spürbar. Viele fordern daher eine echte Steuerreform, damit sich Arbeit, Eigeninitiative und Unternehmerrisiko wieder lohnen.
Als bessere und vor allem bürokratiearme Alternative zu kleinteiligen Förderprogrammen wurden Sonderabschreibungen ins Spiel gebracht. Diese könnten Investitionen gezielt anstoßen und den Verwaltungsaufwand für Unternehmen deutlich reduzieren. Zwar hat der Bund entsprechende Regelungen angekündigt, doch sehen die Unternehmer diese als viel zu unambitioniert, da die vorgesehenen Volumina zu gering ausfallen, um spürbare Wachstumsimpulse zu setzen.
Auf der Suche nach Lichtblicken wurde auch deutlich: Es braucht ein neues Mindset – von der Politik über die Verwaltung bis hin zu den Arbeitnehmern. Besonders in der Umstrukturierung der Verwaltung hin zu einer echten Serviceorientierung sehen die Unternehmer großes Potenzial. „Wir brauchen mehr Mut und Entschlossenheit, um den Standort nachhaltig zu stärken“, so der Tenor vieler Stimmen. Das Gespräch endete mit dem gemeinsamen Verständnis, dass nur im Dialog zwischen Politik und Wirtschaft tragfähige Lösungen entstehen können.
Suhl, 14. August 2025
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