Im neuen Jahr steigen die Preise
Arbeitsmarktumfrage 2025 der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer IHKs
Die im Jahr 2026 wirksam werdende Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns wird die Kostenbelastung der Thüringer Unternehmen spürbar erhöhen und voraussichtlich einen weiteren Preisanstieg nach sich ziehen. Eine Mehrheit der Betriebe rechnet mit höheren Löhnen, steigenden Preisen und zunehmenden Fachkräfteengpässen. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Arbeitsmarktumfrage der Thüringer Industrie- und Handelskammern.
Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns wird nach Einschätzung der Thüringer Wirtschaft einen weiteren Inflationsschub auslösen. Jedes zweite Unternehmen rechnet damit, die Preise erhöhen zu müssen, um den Anstieg der Lohnkosten zu finanzieren. Ob den betroffenen Beschäftigten dadurch tatsächlich mehr Kaufkraft verbleibt, ist offen.
Sechs von zehn Unternehmen gehen davon aus, infolge der Mindestlohnerhöhung Löhne anheben zu müssen. 29 Prozent der Betriebe beschäftigen Mitarbeiter zum Mindestlohn und sind unmittelbar von der Erhöhung betroffen. Darüber hinaus planen 53 Prozent, auch höhere Lohngruppen anzupassen, um die bestehenden Lohnabstände zu wahren. Beide Gruppen überschneiden sich, sind jedoch nicht deckungsgleich. Besonders hoch ist die Betroffenheit in Industrie und Gastgewerbe, vergleichsweise gering im Dienstleistungssektor.
Dabei wird es viele Verlierer geben. Unternehmen können die Mindestlohnerhöhung nur finanzieren, indem sie Rücklagen aufbrauchen oder Preise erhöhen. Steigende Preise führen jedoch zu einer spürbaren Nachfragedämpfung. Welcher Effekt überwiegt, hängt vom jeweiligen Markt ab. Für Aufstocker und Wohngeldempfänger bedeutet die Entwicklung faktisch eine Verschlechterung: Die staatlichen Leistungen bleiben nominell gleich, während die Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs steigen. Für den Staat wird insgesamt ein Nullsummenspiel erwartet. Steigenden Einnahmen aus Einkommen- und Umsatzsteuer sowie sinkenden Sozialausgaben im Niedriglohnsegment stehen höhere Ausgaben, beispielsweise für Investitionen, gegenüber.
Über die Mindestlohnwirkung hinaus verdeutlicht die Umfrage die zunehmenden strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt infolge des demografischen Wandels. In konjunkturell schwieriger Lage steigt die Zahl der Renteneintritte weiter an. Dadurch sinkt die Beschäftigtenzahl schneller, als die Arbeitslosigkeit zunimmt. In der Folge berichten 35 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Besonders angespannt ist die Situation im Bau- und Verkehrsgewerbe, wo bereits jedes zweite Unternehmen meldet, dass Stellen seit mehreren Monaten unbesetzt sind. Gesucht werden vor allem Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung, idealerweise ergänzt durch Weiterbildungsabschlüsse.
Arbeitskräfteknappheit wirkt sich zunehmend auf die Kosten aus. Wie in jedem Markt bedeutet Knappheit: Es wird teuer. 62 Prozent der Unternehmen erwarten weiter steigende Arbeitskosten im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Gleichzeitig rechnen 57 Prozent mit einer zunehmenden Mehrbelastung der bestehenden Belegschaften.
Ein möglicher Ansatz zur Entlastung besteht darin, erfahrene Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten. Eine generelle Anhebung des Rentenalters findet jedoch nur begrenzte Unterstützung: Lediglich 13 Prozent der Unternehmen sprechen sich dafür aus. Deutlich höhere Zustimmung erfahren Anreizmodelle. 60 Prozent der Betriebe befürworten steuerliche Begünstigungen für Beschäftigte, die über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten möchten. 58 Prozent plädieren für einen Wegfall von Sozialversicherungsbeiträgen, damit diese Beschäftigten mehr Netto vom Brutto behalten.
Der Wegfall der Zuverdienstgrenzen im Jahr 2023 war ein erster wichtiger Schritt. Die Aktivrente könnte im kommenden Jahr einen weiteren Impuls setzen, auch wenn es zu bedauern ist, dass sie erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze greifen soll. Die Politik muss wieder deutlich machen, dass sich Arbeit und Leistung in unserem Land lohnen. Wer Beschäftigung und Fleiß gezielt von Abgaben entlastet, erhöht deren Attraktivität und aktiviert zusätzliche Arbeitskräftepotenziale.
Zur Information
Die Arbeitsmarktumfrage ist ein fester Bestandteil der jährlichen Herbst-Konjunkturumfragen der drei Thüringer Industrie- und Handelskammern. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 8. September bis zum 5. Oktober 2025 durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 860 Thüringer Unternehmen.
Suhl, 15. Dezember 2025
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