Es gibt noch gute Nachrichten: Hohe Dynamik am Arbeitsmarkt
Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2026 der IHK Südthüringen für den Ilm-Kreis
Im Ilm-Kreis sind zahlreiche Unternehmen tätig, die den Landkreis zu einer der Wachstumsregionen des Freistaats Thüringen machen. Inzwischen verbessern sich auch in der Breite die Geschäftserwartungen. Darauf deutet die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen sowie ihre Auswertung der amtlichen Statistik für den Ilm-Kreis hin.
In den vergangenen fünf Jahren sind im Ilm-Kreis 2.700 neue Arbeitsplätze entstanden. Damit ist der Landkreis die erfolgreichste Arbeitsmarktregion Thüringens, während im gleichen Zeitraum landesweit die Zahl der besetzten Stellen um 8.700 zurückging. Es handelt sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse mit höherer Qualifikationsanforderung und entsprechender Wertschöpfung. Getragen wird diese Entwicklung insbesondere von Teilen der Industrie. In den ersten drei Quartalen stiegen die Umsätze der Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent. Auch wenn dieses Wachstum auf wenige Unternehmen konzentriert ist, verleiht es der gesamten Branche spürbaren Auftrieb.
Gleichwohl befindet sich die Gesamtwirtschaft im Ilm-Kreis insgesamt weiterhin in einer schwierigen Lage. Der Konjunkturklimaindikator der IHK erreicht zu Beginn des Jahres 2026 einen Wert von 82,0 von 200 möglichen Punkten. Damit liegt er vier Punkte unter dem Stand vom Herbst 2025, jedoch sechs Punkte über dem Wert des Vorjahres. Der Indikator ergibt sich als geometrisches Mittel aus den Lageeinschätzungen der Unternehmen und ihren Erwartungen. Auch wenn ein Wert unter 100 Punkten auf eine wirtschaftliche Krise hinweist, ist positiv zu vermerken, dass sich die Erwartungen nun bereits in der vierten Umfrage in Folge verbessert haben.
Aktuell bewerten 23 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 36 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 41 Prozent als schlecht. Für die kommenden Monate rechnen 13 Prozent mit besseren Geschäften, 56 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, während 31 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen.
„Zur kaufmännischen Kalkulation gehört stets ein gewisses Maß an Skepsis. Das gilt insbesondere in der gegenwärtigen Zeit, die durch geopolitische Umbrüche, Unsicherheiten und wenig Vertrauen in die Bundes- und Europapolitik belastet wird. Soweit es in der Verantwortung des Gesetzgebers liegt, sollte er dazu beitragen, die Geschäftslage zu verbessern. Bessere Rahmenbedingungen ließen sich schaffen, wenn der Staat nur bei echtem Marktversagen regulierend eingreift und die Unternehmen im Übrigen bei Ertrag- und Verbrauchsteuern sowie bei den Energie- und Lohnnebenkosten entlastet“, erläutert Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Entlastungen sind notwendig. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich für 45 Prozent der Unternehmen die Ertragslage verschlechtert, während lediglich 19 Prozent Verbesserungen verzeichnen konnten. Unternehmen erzielen Erträge, wenn die Verkaufserlöse die Kosten übersteigen. Gegenwärtig stehen jedoch beide Seiten unter Druck. Mit einem Anteil von 69 Prozent gilt die Inlandsnachfrage als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie geht sowohl bei nachlassender gesamtwirtschaftlicher Dynamik zurück als auch dann, wenn Produkte und Dienstleistungen aus dem Ilm-Kreis andernorts günstiger angeboten werden können. Darüber hinaus bewerten die Unternehmen Vorleistungen wie Arbeitskosten mit 66 Prozent sowie Vorprodukte wie Energie mit 44 Prozent und Rohstoffe mit 36 Prozent als Risiken. Preiserhöhungen würden in vielen Fällen den Absatz gefährden.
Für die kommenden Monate planen 71 Prozent der Unternehmen Investitionen. Dieser Anteil ist im langfristigen Vergleich eher niedrig. Neben Ersatzbeschaffungen sehen 26 Prozent der Unternehmen kostensenkende Maßnahmen vor. Immerhin 17 Prozent planen Ausgaben für Betriebserweiterungen sowie für Neuerungen in ihren Angeboten für die Kunden.
Zur Information:
Basis der Angaben sind eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 16. Dezember 2025 bis 18. Januar 2026 durchgeführt wurde, sowie Daten der amtlichen Statistik. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 6.600 Unternehmen aus dem Ilm-Kreis. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.200 Dienstleister mit 15.700 Beschäftigten, gefolgt von 1.400 Handelsunternehmen mit 3.900 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Ilm-Kreis 650 Unternehmen mit 14.600 Beschäftigten.
Suhl, 20. Februar 2026
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