Fortschreibung der THG-Quote bis 2040 gefährdet Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung am Standort Deutschland
Die Fortschreibung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) bis zum Jahr 2040 führt nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zu zusätzlichen Belastungen für Unternehmen im Verkehrs-, Energie- und Industriesektor. Der Gesetzentwurf dazu wurde am vergangenen Mittwoch im Deutschen Bundestag in erster Lesung beraten. Die verpflichtende Anhebung der Treibhausgasminderung auf bis zu 59 Prozent, neue Unterquoten für erneuerbare Kraftstoffe sowie erweiterte Nachweis-, Zertifizierungs- und Kontrollpflichten erhöhen die Kosten und den administrativen Aufwand für Unternehmen erheblich.
Nach Angaben der Bundesregierung selbst führt bereits die Umsetzung der EU-Vorgaben bis zum Jahr 2030 zu einem zusätzlichen Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft von rund 2,7 Milliarden Euro jährlich. Davon entfallen rund 184 Millionen Euro auf nationale Verschärfungen über die EU-Mindestvorgaben hinaus, insbesondere durch zusätzliche Anforderungen bei erneuerbaren Kraftstoffen nicht biogenen Ursprungs. Mit der Fortschreibung der THG-Quote bis zum Jahr 2040 steigt der jährliche Erfüllungsaufwand nach Regierungsangaben auf insgesamt 11,8 Milliarden Euro. Diese Kosten entstehen unmittelbar in den betroffenen Unternehmen und wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus.
Diese zusätzlichen Belastungen treffen auf eine wirtschaftliche Situation, die durch hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten und schwache Investitionsdynamik geprägt ist. Die Industrie in Deutschland und in Südthüringen verliert stetig an Wettbewerbsfähigkeit. Investitionen werden verschoben oder in andere Regionen verlagert. Dies betrifft insbesondere energieintensive Industrien und mittelständische Unternehmen, die einen wesentlichen Anteil an industrieller Wertschöpfung und Beschäftigung tragen.
Politisch bedingte Kostensteigerungen wirken sich unmittelbar auf Standortentscheidungen aus. Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen im internationalen Wettbewerb. Steigende regulatorische Anforderungen und Kosten führen dazu, dass Produktion und Investitionen verstärkt in Länder mit günstigeren Rahmenbedingungen verlagert werden. Dies führt zu Arbeitsplatzverlusten und schwächt die industrielle Basis am Standort Deutschland. Vor diesem Hintergrund sind die deutlich gewählten Worte der Bundesministerin Reiche in Brüssel vollumfänglich zu unterstützen.
„Die geplanten Vorgaben der THG-Quote greifen unmittelbar in bestehende Wertschöpfungsketten ein. Die verpflichtende Nutzung bestimmter Kraftstoffe, zusätzliche regulatorische Anforderungen sowie der Wegfall bisheriger Anrechnungsmöglichkeiten verändern die wirtschaftlichen Grundlagen für Unternehmen im Kraftstoff-, Logistik- und Industriesektor grundlegend. Dies führt zu steigenden Produktions- und Transportkosten, zu Wegfall von Aufträgen und damit zu Beschäftigungsrückgang, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zusätzliche Belastungen entstehen insbesondere durch neue Zertifizierungs- und Nachweispflichten entlang der gesamten Lieferkette sowie verschärfte Anforderungen an die Anrechenbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe. Unternehmen müssen umfangreiche Nachhaltigkeitsnachweise erbringen und sich zusätzlichen Prüf- und Kontrollverfahren unterziehen. Dies führt zu zusätzlichem bürokratischem Aufwand und erhöht die regulatorischen Anforderungen für Unternehmen aller Größenordnungen.
Klimaschutz kann seine Wirkung nur im internationalen Kontext entfalten. Nationale oder europäische Sonderbelastungen führen nicht zu einer Reduktion globaler Emissionen, wenn Produktion und Wertschöpfung in andere Regionen verlagert werden. Entscheidend ist daher eine international abgestimmte Vorgehensweise, die Wettbewerbsfähigkeit, industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung berücksichtigt.
„Die Unternehmen stehen zu langfristigen Transformationszielen. Voraussetzung hierfür sind jedoch wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen, internationale Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerische Handlungsspielräume. Die Sicherung von industrieller Wertschöpfung und Beschäftigung muss bei der Ausgestaltung klimapolitischer Maßnahmen berücksichtigt werden. Wir erleben bereits eine schleichende Deindustrialisierung des Landes, deren Fortführung erheblichen Wohlstandsverlust und gesellschaftliche Spaltung bedeutet“, betont Dr. Ralf Pieterwas.
Suhl, 27. Februar 2026
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