Industrie in Schwierigkeiten

Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2026 der IHK Südthüringen für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Noch im Herbst 2025 bestand die Hoffnung, dass der Wirtschaft im Landkreis Schmalkalden-Meiningen eine Trendwende gelingen wird. Inzwischen überwiegt jedoch eine gewisse Ernüchterung. Ein kurzfristiger Aufschwung zeichnet sich nicht ab. Insbesondere die Industrie als prägende Branche des Landkreises steht vor erheblichen Herausforderungen. Neben den allgemeinen Marktbedingungen üben vor allem steigende Kosten zusätzlichen Druck aus. Dies geht aus den Ergebnissen der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen hervor.

Selbst eine hohe Auslastung der Produktionskapazitäten bietet in der Industrie derzeit keine Gewähr für steigende Erträge. Bei einem Drittel der vollständig ausgelasteten Betriebe hat sich die Ertragslage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert; Verbesserungen wurden nicht verzeichnet. Belastend wirken insbesondere gestiegene Arbeitskosten infolge der Mindestlohnerhöhung zu Jahresbeginn sowie weiterhin hohe Energiekosten.

Seit 2018 haben sich die Energiepreise für Unternehmen in Deutschland verdoppelt. Nach der Kostenstrukturanalyse der amtlichen Statistik wenden deutsche Industriebetriebe 18 Prozent für Personalkosten auf. Der Personalkostenanteil liegt jedoch in der Metallindustrie im Landkreis Schmalkalden-Meiningen bei 27 Prozent; in kleineren Unternehmen kann er bis zu 31 Prozent betragen. Gleichzeitig sind die Kapazitäten vieler Industriebetriebe im Landkreis nur unterdurchschnittlich ausgelastet, während die fixen und variablen Kosten weiterhin zu tragen sind.

„Sowohl im Energiebereich als auch auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen staatliche Rahmenbedingungen maßgeblich die Preisbildung. Im Energiesektor wirken unter anderem Abgaben und regulatorische Vorgaben preiserhöhend. Auf dem Arbeitsmarkt führen gesetzliche Mindeststandards zu regelmäßigen Anpassungen. Zudem wirken sich strukturelle Faktoren im Sozialversicherungssystem auf die Lohnnebenkosten aus. Aus Sicht der Unternehmen ist eine Begrenzung staatlicher Belastung dringend geboten. Dazu zählen beispielsweise eine sofortige Reduzierung der Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß und eine steuerfinanzierte Übernahme versicherungsfremder Leistungen in den gesetzlichen Sozialversicherungen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Auch für die Gesamtwirtschaft im Landkreis zeigen sich verhaltene Ergebnisse. Derzeit bewerten 25 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut; sie stammen überwiegend aus Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungssektor. Für 39 Prozent ist die Lage saisonüblich beziehungsweise befriedigend, 36 Prozent beurteilen sie als schlecht. In den kommenden Monaten rechnen acht Prozent mit besseren Geschäften, 43 Prozent erwarten keine Veränderung und 49 Prozent eine weitere Verschlechterung. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 72,1 von 200 möglichen Punkten. Im Herbst 2025 lag er neun Punkte höher, vor einem Jahr allerdings sieben Punkte niedriger.

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation planen nur noch 64 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr Investitionen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ersatzbeschaffungen. Auf dem Arbeitsmarkt wirken konjunkturelle Entwicklung und demografische Faktoren zusammen. Neun Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Aufbau von Personal, während 35 Prozent davon ausgehen, dass sie zum Jahresende weniger Beschäftigte haben werden als derzeit.

Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung nennen 65 Prozent der Unternehmen die Inlandsnachfrage. Aufgrund der angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland fehlen vielfach Aufträge. Preissteigerungen infolge höherer Kosten wirken zusätzlich dämpfend auf die Nachfrage. Weitere Risiken sehen die Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (61 Prozent), in den Arbeitskosten (60 Prozent) sowie in den Energiepreisen (59 Prozent).

 

 

Zur Information

Basis der Angaben sind eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 16. Dezember 2025 bis 18. Januar 2026 durchgeführt wurde, sowie Daten des Statistischen Bundesamts. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 8.600 Unternehmen aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.900 Dienstleister mit 17.100 Beschäftigten, gefolgt von 2.000 Handelsunternehmen mit 5.400 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Schmalkalden-Meiningen 900 Unternehmen mit 11.800 Beschäftigten.

Suhl, 19. Februar 2026

Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

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