In der Kostenfalle
Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2026 der IHK Südthüringen für den Landkreis Sonneberg
Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen im Landkreis Sonneberg ist angespannt. In den Jahren nach der Wende bot der Landkreis attraktive Standortbedingungen für Investoren. Einige dieser Vorteile haben sich infolge politischer Entscheidungen in den vergangenen Jahren relativiert. Zahlreiche Gewerbetreibende zeigen sich frustriert, da die Auftragslage unzureichend ist und die Erträge spürbar zurückgehen. Eine kurzfristige Entlastung ist nicht absehbar. Dies verdeutlicht die Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen.
Die Wirtschaft im Landkreis Sonneberg blickt auf deutlich bessere Zeiten zurück. Im Sommer 2017 erreichte der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen mit 135 von 200 möglichen Punkten seinen historischen Höchststand. Seitdem hat sich die Stimmung kontinuierlich eingetrübt. Zu Beginn des Jahres 2026 liegt der Indikator bei 57,6 Punkten und damit sieben Punkte unter dem Wert vom Herbst 2025 sowie vier Punkte unter dem Niveau des Vorjahres. Lediglich im Sommer 2022 wurde ein noch niedrigerer Wert festgestellt. Ein Indikatorstand unter 100 Punkten signalisiert eine wirtschaftlich schwierige Situation.
Der Konjunkturklimaindikator ergibt sich als geometrischer Mittelwert aus der aktuellen Einschätzung der Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate. Derzeit beurteilen zehn Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, 38 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 52 Prozent als schlecht. Für die nächsten Monate erwarten sieben Prozent eine Verbesserung der Geschäfte, 44 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus, während 49 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung rechnen.
Die gedrückte Stimmung lässt sich vor allem anhand der wahrgenommenen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung erklären. Als größtes Risiko nennen 67 Prozent der Unternehmen die Arbeitskosten. Es folgen die Inlandsnachfrage mit 64 Prozent sowie die Energiepreise mit 60 Prozent der Nennungen.
„Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 wurden bestehende Lohnvorteile von Standorten politisch nivelliert. Von der Erhöhung zu Beginn dieses Jahres profitierten 18 Prozent der Vollzeitbeschäftigten direkt und viele weitere indirekt. 61 Prozent der Unternehmen müssen diese Lohnsteigerungen tragen. Da sie im Wettbewerb mit anderen Standorten mit vergleichbarer Kostenstruktur stehen, führt jede kostenbedingte Preiserhöhung zu einer Verringerung der Nachfrage. Verzichten die Unternehmen auf Preiserhöhungen, sinkt die Rentabilität bis hin zum Verlust. Aus dieser staatlich induzierten Kostenfalle kommen die Unternehmen nur mit einer enormen und vor allem kostenintensiven Kraftanstrengung heraus. Wenn weitere Standortfaktoren im Land dann zusätzlich nicht passen, wird es eng.“, erläutert Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Die Nachfrage nach Produkten aus dem Landkreis Sonneberg ist rückläufig. Im vergangenen Jahr mussten 55 Prozent der Unternehmen mit gewerblichen Kunden Auftragsrückgänge hinnehmen, während 47 Prozent der Unternehmen mit privaten Haushaltskunden Umsatzverluste verzeichneten. Entsprechend hat sich die Ertragslage bei jedem zweiten Unternehmen verschlechtert. Aktuell erwirtschaften 29 Prozent der Betriebe Gewinne, weitere 33 Prozent arbeiten kostendeckend, und 38 Prozent verzeichnen Verluste.
Für die kommenden Monate planen 67 Prozent der Unternehmen Investitionen, darunter 19 Prozent mit steigendem Investitionsvolumen. Diese Maßnahmen dienen nahezu ausschließlich der Modernisierung und dem Ersatz bestehender Anlagen. Im Personalbereich rechnen sieben Prozent der Unternehmen mit steigenden Mitarbeiterzahlen, während 23 Prozent einen Abbau der Belegschaft erwarten. Dabei wirkt sich bislang vor allem die demografische Entwicklung aus. Die Arbeitslosenquote im Januar 2026 lag auf dem gleichen Niveau wie im Januar 2025.
Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 16. Dezember 2025 bis 18. Januar 2026 durchgeführt wurde, und Daten der amtlichen Statistik. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 3.700 Unternehmen aus dem Landkreis Sonneberg. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.700 Dienstleister mit 6.500 Beschäftigten, gefolgt von 900 Handelsunternehmen mit 1.900 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Sonneberg 450 Unternehmen mit 7.600 Beschäftigten.
Suhl, 17. Februar 2026
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