Stress durch ausbleibende Nachfrage
Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2026 der IHK Südthüringen für das Oberzentrum Südthüringen
Seit der Pandemie vor sechs Jahren steht die Wirtschaft unter anhaltendem Anpassungsdruck. Eine durchgreifende Erholung ist bislang ausgeblieben. Viele Unternehmen sehen sich mit einer schwachen Nachfrage, hohen administrativen Anforderungen sowie aus ihrer Sicht unzureichend planbaren und vor allem wirtschaftsfreundlichen politischen Rahmenbedingungen konfrontiert. Dies sind zentrale Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen für das Oberzentrum Südthüringen ausgewertet hat.
Zahlreiche Gewerbetreibende berichten von einer unzureichenden Auslastung. Im produzierenden Gewerbe verzeichneten 53 Prozent der Unternehmen weniger Aufträge als im Vorjahr. Für 40 Prozent war die Auftragsreichweite zuletzt zu gering. In Branchen wie Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungswirtschaft meldet jedes zweite Unternehmen, dass die Umsätze im Jahr 2025 unter dem Niveau des Vorjahres lagen.
Grundsätzlich besteht Potenzial für eine höhere Auslastung. In Suhl als größtem Standort des Oberzentrums waren im August 2,3 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. Dies entsprach der dritthöchsten Kurzarbeiterquote in Thüringen. Kurzarbeit geht mit Einkommenseinbußen einher und kann damit die lokale Konsumnachfrage dämpfen. Auch demografische Entwicklungen wirken sich aus: In Südthüringen steigt die Zahl der Renteneintritte. 28 Prozent der Unternehmen erwarten in diesem Jahr rückläufige Mitarbeiterzahlen, lediglich zwei Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsaufbau.
Die Nachfrageschwäche betrifft zahlreiche Standorte in Deutschland. Vor diesem Hintergrund äußern Unternehmen Erwartungen an eine wirtschaftspolitische Stabilisierung. Der Geschäftsführer eines metallverarbeitenden Unternehmens aus dem Oberzentrum formuliert: „Entscheidungen sind zu langsam. Dem Reden folgen keine Taten.“ Weitere Stimmen verweisen auf eine als hoch empfundene Bürokratielast sowie auf häufige regulatorische Änderungen. Zudem wird eine eingeschränkte Planbarkeit politischer Maßnahmen angesprochen, etwa im Hinblick auf Förderprogramme, energiepolitische Weichenstellungen oder Anpassungen des Mindestlohns.
Drei von vier Unternehmen sehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko für die weitere Entwicklung. Als weitere Risiken werden die Inlandsnachfrage (62 Prozent) und die Arbeitskosten (60 Prozent) genannt. 56 Prozent der Industriebetriebe benennen zudem eine unzureichende Auslandsnachfrage als Belastungsfaktor.
Unter diesen Rahmenbedingungen bewerten 27 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Für 36 Prozent ist sie saisonüblich beziehungsweise befriedigend, 37 Prozent stufen sie als schlecht ein. In den kommenden Monaten erwarten zwölf Prozent bessere Geschäfte, 48 Prozent rechnen mit keiner Veränderung und 40 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Konjunkturklimaindikator, der sich als geometrischer Mittelwert aus Lageeinschätzungen und Erwartungen ergibt, erreicht 80,2 von 200 möglichen Punkten. Dies entspricht einem Anstieg um 14 Punkte gegenüber dem Herbst 2025 und um 13 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Werte unter 100 Punkten signalisieren weiterhin eine rezessive Phase.
„Bei anhaltender Nachfrageschwäche ist die Investitionsbereitschaft naturgemäß verhalten. Investitionen setzen die Erwartung voraus, künftig höhere Erträge zu erzielen. Wenn sich eine Verbesserung bereits durch eine höhere Auslastung bestehender Kapazitäten erreichen ließe, tritt der Investitionsanreiz in den Hintergrund. In diesem Jahr planen nur 64 Prozent der Unternehmen Investitionen. Davon beabsichtigen lediglich drei Prozent, ihre Ausgaben auszuweiten. Der Schwerpunkt liegt auf Ersatzinvestitionen“, erläutert Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zur Information
Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 16. Dezember 2025 bis 18. Januar 2026 durchgeführt wurde.
Suhl, 18. Februar 2026
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