Hightech Agenda Deutschland: Nach Erkenntnis braucht es jetzt Verlässlichkeit, Heimatmarkt und Umsetzung
Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen artikuliert der Beschluss der Hightech Agenda für Deutschland richtige Notwendigkeiten. Jetzt ist es an der Politik, die Voraussetzungen zu schaffen, damit aus Strategie echte Zukunftsfähigkeit wird.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen begrüßt die vom Bundeskabinett beschlossene Hightech Agenda Deutschland als klares Bekenntnis zur technologischen Erneuerung des Standorts. Mit dem Fokus auf sechs Schlüsseltechnologien, darunter Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Biotechnologie, klimaneutrale Energie und Fusionstechnologie, setzt die Bundesregierung aus Sicht der Südthüringer Wirtschaft zentrale Impulse. Nun komme es auf eine zügige und verlässliche Umsetzung an.
„Die Hightech Agenda ist ein richtiger und notwendiger Schritt. Sie adressiert zentrale Technologien, die darüber entscheiden, ob Deutschland in der kommenden Dekade wirtschaftlich souverän und wettbewerbsfähig bleibt. Jetzt muss allerdings auch hier aus dem richtigen politischen Signal eine konsequente Umsetzungsstrategie folgen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Besonders das Bekenntnis zur Fusionstechnologie stößt auf positive Resonanz. Die Südthüringer Wirtschaft sieht hier ein enormes Potenzial für nachhaltig gewährleistete und kostengünstige Energieversorgung, industrielle Anwendung und internationale Technologieführerschaft.
„Aufgabe der Bundespolitik ist, alle CO2-armen Möglichkeiten zur Energieversorgung gleichrangig zu behandeln und Technologieoffenheit zu gewährleisten. Dass sich die Bundesregierung klar zur Fusion bekennt, ist erfreulich und lange überfällig. Die Technologie ist keine ferne Vision mehr. Sie ist ein entscheidender Baustein für klimaneutrale Wertschöpfung. Wenn wir jetzt konsequent investieren und den Heimatmarkt aufbauen, hat Deutschland die Chance, hier weltweit eine führende Rolle einzunehmen“, erklärt Torsten Herrmann, Präsident der IHK Südthüringen.
Zugleich warnt Herrmann davor, bei der Umsetzung erneut in kleinteilige Verfahren oder kurzfristigen Aktionismus zu verfallen: „Technologischer Fortschritt braucht verlässliche politische Leitplanken. Unternehmen investieren nur dort, wo langfristige Planungssicherheit in Förderpolitik, Genehmigungsverfahren und Marktgestaltung herrscht.“
Aus Sicht der Südthüringer Wirtschaft ist es entscheidend, dass nicht nur Forschung gefördert, sondern auch die industrielle Verwertung in Deutschland aktiv unterstützt wird. Nur so können Investitionen, Know-how und Wertschöpfung im Land gehalten und in neue Beschäftigung überführt werden.
„Forschung allein reicht nicht. Wir brauchen auch ein klares Bekenntnis zur industriellen Anwendung. Dafür ist der Heimatmarkt zentral. Technologien, die in Deutschland entwickelt werden, müssen auch hier zur Anwendung kommen und skalieren können“, betont Torsten Herrmann.
Neben den ökonomischen Fragen stellt sich auch die Herausforderung, technologische Transformation gesellschaftlich zu vermitteln. „Technologiepolitik muss verlässlich, aber auch vermittelbar sein. Die Politik ist gefordert, die gesellschaftliche Debatte aktiv zu gestalten und Konsens zu ermöglichen. Nur so entsteht Akzeptanz für die notwendigen, tiefgreifenden Veränderungen, die vor uns liegen“, hebt Dr. Pieterwas hervor.
Suhl, 31. Juli 2025
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