Fest im Griff der Rezession
Konjunkturbericht Frühsommer 2025 für den Landkreis Hildburghausen
Im Landkreis Hildburghausen weisen alle Indikatoren nach unten. Das Bruttoinlandprodukt (BIP), die Bevölkerung und die Beschäftigten gehen bereits seit Jahren zurück. Der Konjunkturklimaindikator der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen scheint eine Art Boden erreicht zu haben. Weiterhin fällt die Stimmung der Unternehmen jedoch mehrheitlich schlecht aus. Natürlich gibt es auch einige sehr erfolgreiche Unternehmen. Für eine Trendwende reichen die wenigen guten Beispiele jedoch nicht aus.
Seit 2021 geht im Landkreis Hildburghausen das BIP zurück. Der Rückgang hatte sich in den Umfragen der IHK Südthüringen bereits 2019 angekündigt, als der Konjunkturklimaindikator erstmals unter die 100-Punkte-Marke rutschte. Die IHK-Indikator kann maximal 200 Punkte erreichen. Ein Indikator von mehr als 100 Punkten steht für Aufschwung und von weniger als 100 Punkten für Abschwung. Aktuell werden 56,3 Punkte erreicht. Seit inzwischen zwei Jahren schwankt der Indikator um diesen Wert.
„Es gibt durchaus Erfolgsgeschichten aus der Wirtschaft im Landkreis Hildburghausen, wie beispielsweise Harry`s. So stand ein großer Industriebetrieb im Zentrum der Berichterstattung um die USA-Reise des Thüringer Ministerpräsidenten. Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik trug mindestens ein Bauunternehmen im letzten Jahr zum höchsten Umsatz des Bauhauptgewerbes seit der Wiedervereinigung bei. Tatsächlich behindern jedoch die multiplen Krisen mit ihren Preissteigerungen und Umsatzrückgängen die meisten Unternehmen. Erschwerend kommen die Alterung und der Rückgang der Bevölkerung sowie die sehr geringen Erfolge bei der Gewinnung von ausländischen Arbeitskräften hinzu“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Derzeit bewerten 17 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, 25 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend und 58 Prozent als schlecht. Innerhalb des letzten Jahres hat sich die Ertragslage für mehr als jedes zweite Unternehmen verschlechtert. 15 Prozent der Unternehmen erzielen noch Gewinne, doch 37 Prozent machen Verlust.
In den kommenden Monaten rechnen fünf Prozent der Unternehmen mit besseren, 43 Prozent mit gleichbleibenden und 52 Prozent mit sich weiter verschlechternden Geschäften. In dieser Situation planen lediglich 55 Prozent der Unternehmen Investitionen, die hauptsächlich der Ersatzbeschaffung dienen. Auch die Beschäftigungserwartungen bleiben düster. Lediglich drei Prozent gehen von einer wachsenden Belegschaft aus. 21 Prozent erwarten einen Personalrückgang. Dieser wird nicht nur konjunkturell, sondern auch demografisch vorangetrieben.
Als wesentliche Risiken stufen die Unternehmen die heimische Nachfrage und die Preissteigerungen ein. Die Weitergabe von Preissteigerungen an die Kunden hat im Fall normaler Güter immer negative Mengenreaktionen zur Folge. Das ist einer der Gründe, weshalb die Inlandsnachfrage für 70 Prozent der Unternehmen ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Die Entwicklung der Energiepreise wird von 75 Prozent genannt und die Entwicklung der Arbeitskosten von 53 Prozent. Als größtes Risiko werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen benannt. Sie vereinen die Bürokratie und den Ärger der Unternehmer über Eingriffe des Staates in den Markt, welche die Produktion verteuern.
Die angespannte Wirtschaftslage spiegelt sich in den Finanzen der Unternehmen. Lediglich 36 Prozent der Unternehmen betrachten ihre Finanzlage als unproblematisch. 42 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang, 34 Prozent von Liquiditätsengpässen und 24 Prozent von zunehmenden Forderungsausfällen. Im Rahmen der Fremdfinanzierung weisen 42 Prozent auf die von den Banken geforderten zusätzlichen Dokumentationspflichten und 28 Prozent auf die Höhe der Zinsen hin.
Zur Information:
Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 31. März bis 1. Mai 2025 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 4.000 Unternehmen aus dem Landkreis Hildburghausen. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.700 Dienstleister mit 7.200 Beschäftigten, gefolgt von 950 Handelsunternehmen mit 1.800 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Hildburghausen 350 Unternehmen mit 6.200 Beschäftigten.
Suhl, 3. Juli 2025
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