Konjunkturbericht Frühsommer 2025 der IHK Südthüringen für das Oberzentrum Südthüringen
Mit Bürokratie bekommt man jeden Standort klein
Bundespolitische Themen beherrschen im Oberzentrum Südthüringen die wirtschaftspolitische Diskussion. Die Beurteilung der harten Wirtschaftsdaten fällt ähnlich zurückhaltend aus, wie an den anderen Südthüringer Standorten. Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession und eine Erholung ist bisher nicht absehbar. Diese Ergebnisse liefert die Konjunkturumfrage Frühsommer 2025, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen für das Oberzentrum Südthüringen ausgewertet hat.
Der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen erreicht 78,5 von 200 möglichen Punkten. Seit Beginn des Jahres stieg der Indikator um zehn Punkte. Vor einem Jahr wurde allerdings ein ähnlicher Wert erreicht. Eine Aufwärtsentwicklung ist vor diesem Hintergrund nicht erkennbar. Ein Konjunkturklimaindikator mit weniger als 100 Punkten signalisiert eine Rezession. Das Thüringer Bruttoinlandsprodukt ist im letzten Jahr um 1,3 Prozent gesunken.
Die aktuelle Geschäftslage bewerten 29 Prozent der Unternehmen als gut, ebenfalls 29 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend und 42 Prozent als schlecht. Ausschlaggebend für diese Beurteilung ist vor allem die Umsatzentwicklung. In urbanen Regionen finden sich viele Handels- und Dienstleistungsbetriebe. Von diesen berichten 18 Prozent, dass die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Für weitere 46 Prozent blieben sie unverändert. Weniger günstig fallen die Angaben zum Auftragseingang aus, den Unternehmen mit hauptsächlich gewerblichen Kunden ermitteln. Er stieg für 10 Prozent und blieb für 49 Prozent zurück. Diese Entwicklung geht auf die Substanz. Daher hat sich lediglich für 5 Prozent die Ertragslage verbessert, 54 Prozent melden eine Verschlechterung.
In den kommenden Monaten erwarten lediglich 14 Prozent der Unternehmen eine Wende zum Besseren. Jeweils 43 Prozent rechnen mit dem Fortdauern des aktuellen Zustands oder einer Verschlechterung.
Daher werden auch nur sehr zurückhaltend Investitionen für die nächsten Monate geplant. 18 Prozent gehen von steigenden, 29 Prozent von stabilen Ausgaben aus. 54 Prozent planen keine oder weniger Investitionen. Das Hauptmotiv ist die Ersatzbeschaffung. Jedes dritte Unternehmen will außerdem in kostensenkende Maßnahmen investieren. Auf dem Arbeitsmarkt rechnen vier Prozent mit Neueinstellungen, 31 Prozent erwarten hingegen einen sinkenden Personalbestand. Hier wirke konjunkturelle und demografische Effekte zusammen.
Drei von vier Unternehmen bewerten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Standortrisiko. Freitextantworten zeigen, dass es sich hierbei vor allem um Kritik an der überbordenden Bürokratie handelt. Weitere wichtige Standortrisiken liegen in den Arbeitskosten mit einem Anteil von 65 Prozent. Dieser Anteil fällt wegen der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns und des Anstiegs der Krankenversicherungsbeiträge so hoch aus. Der dritte Druckpunkt ist die Binnennachfrage mit 63 Prozent. Dies ist das Symptom der Rezession.
„Das Oberzentrum will die dynamische Entwicklung der Wirtschaft fördern. Hierfür wurden regionale Befindlichkeiten abgebaut und kreative Maßnahmen erdacht. Mit hohem Engagement wurde ein gemeinsamer Wirtschaftsservice aufgelegt. Die IHK Südthüringen begrüßt diese Aktivitäten. Dessen ungeachtet müssen alle Beteiligten mit dem Ärger der Unternehmen über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen umgehen. Dieser Ärger ist sehr berechtigt. Vor zwei Jahren hatten die Wirtschaftsverbände 442 Regelungen aufgelistet, die den Unternehmen das Leben schwer machen. Nur wenige wurden bislang beseitigt. Nur mit entschlossenem Handeln auch in Berlin und Brüssel, können die Aktivitäten des Oberzentrums Wirkung entfalten. Alle politischen Ebenen müssen ihre Hausaufgaben machen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zur Information:
Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 31. März bis 1. Mai 2025 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen.
Suhl, 7. Juli 2025
+49 3681 362-406