Konjunkturbericht Frühsommer 2025 der IHK Südthüringen für den Ilm-Kreis
Nachfragemangel
Die Unternehmen im Ilm-Kreis könnten erheblich mehr leisten, wenn nur die Kunden daran interessiert wären. Die heimische Nachfrage stellt im Frühsommer 2025 das Hauptrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Endverbraucher wie gewerbliche Kunden sind somit stärker gefragt. Was so leicht klingt, wird jedoch durch die allgemeine Wirtschaftslage und den erheblichen Preisanstieg der letzten Jahre beschränkt. Über die wirtschaftlichen Folgen informiert der Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen.
Die Wirtschaft im Ilm-Kreis hat sich in den letzten Monaten etwas belebt. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 81,7 von 200 möglichen Punkten - sechs Punkte mehr als zu Beginn des Jahres. Vor einem Jahr wurden jedoch vier Punkte mehr erreicht. Ein Wert unter 100 Punkten signalisiert eine Rezession. Tatsächlich ist das Thüringer Bruttoinlandsprodukt im letzten Jahr um 1,3 Prozent geschrumpft, und aus diesem Tal muss sich die Wirtschaft wieder herausarbeiten.
Das spiegelt die Lagebeurteilung. Momentan bewerten 25 Prozent der Unternehmen ihre Geschäfte als gut, 41 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend und 34 Prozent als schlecht. Gründe hierfür finden sich in der Nachfrage. Lediglich für 16 Prozent der Unternehmen mit gewerblichen Kunden hat sich die Auftragslage im Vergleich zum letzten Jahr verbessert, für 47 Prozent hat sie sich verschlechtert. 13 Prozent der Betriebe mit Endverbraucher-Kunden berichten über gestiegene Umsätze, 36 Prozent hingegen über Umsatzverluste. Die Folge: Die Ertragslage hat sich für jedes zweite Unternehmen verschlechtert.
„In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal spürbar gestiegen. Unternehmen können diese Belastungen nicht vollständig selbst auffangen und sind gezwungen, die Preissteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben. Höhere Preise wirken sich immer, mit Ausnahme lebensnotwendiger Produkte, auf das Kaufverhalten aus. Kunden kaufen weniger oder weichen auf andere Produkte aus. Erst wenn die Preise wieder sinken, wird sich die Nachfrage erholen können. Hier ist die Politik gefordert. Sie sollte Druck aus dem Kessel nehmen und beispielsweise ihr Versprechen halten, durch eine Senkung staatlicher Abgaben auf Energie zur Entlastung beizutragen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Neben der heimischen Nachfrage, die 67 Prozent der Unternehmen als Risiko einstufen, nennen 58 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Alle anderen Risiken werden von weniger als der Hälfte der Betriebe benannt. Neben der Senkung von Abgaben fordern die Unternehmen den Abbau von Bürokratie und mehr Verlässlichkeit im Regieren.
Eine rasche Wende zum Besseren erwarten sie nicht. Lediglich neun Prozent gehen von besseren Geschäften in diesem Jahr aus. 35 Prozent erwarten eine neuerliche Verschlechterung, 56 Prozent keine Veränderung zum Vorjahr. Wer Optimist ist oder trotz der aktuellen Lage gute Geschäfte macht, erwartet zunehmende Mitarbeiterzahlen. Das sind neun Prozent der Unternehmen. Ihnen stehen 16 Prozent gegenüber, die aus wirtschaftlichen oder demografischen Gründen sinkende Mitarbeiterzahlen erwarten.
Investitionen in den Kapitalstock werden von 70 Prozent geplant. Überregional betrachtet ist dies ein hoher Wert, während er im Ilm-Kreis eher den unteren Rand beschreibt. Hierbei wollen 21 Prozent ihre Ausgaben in diesem Jahr steigern. Wesentliche Gründe liegen für 59 Prozent in der Ersatzbeschaffung, für 29 Prozent in der Kostensenkung und für 21 Prozent in der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.
Zur Information:
Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 31. März bis 1. Mai 2025 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 6.500 Unternehmen aus dem Ilm-Kreis. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.000 Dienstleister mit 15.800 Beschäftigten, gefolgt von 1.500 Handelsunternehmen mit 4.000 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Ilm-Kreis 650 Unternehmen mit 14.700 Beschäftigten.
Suhl, 10. Juli 2025
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