Konjunkturrisiko Mindestlohn
Konjunkturbericht Frühsommer 2025 für den Landkreis Sonneberg
Im Landkreis Sonneberg bilden die Arbeitskosten das Konjunkturrisiko Nummer eins. Der Landkreis ist keine Hochlohnregion. Vielmehr werden in den Betrieben weitaus mehr Beschäftigte auf Helferpositionen eingesetzt als in den meisten anderen Regionen. Mindestlohnerhöhungen und steigende Lohnnebenkosten setzen daher den Geschäften vieler Arbeitgeber zu. Gerade in einer Rezession bestehen nur geringe Spielräume. Dies zeigt die Konjunkturumfrage Frühsommer 2025 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator scheint die Talsohle erreicht zu haben. In der aktuellen Umfrage erreicht er 67,0 von 200 möglichen Punkten. Das sind sechs Punkte mehr als zu Beginn des Jahres und 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr. Erreicht der Indikator mehr als 100 Punkte, befindet sich die Wirtschaft im Aufschwung. Sind es weniger als 100 Punkte, befindet sie sich im Abschwung. Im Landkreis Sonneberg wird die 100-Punkte-Marke seit sechs Jahren unterschritten.
Aktuell macht nur jedes zehnte Unternehmen gute Geschäfte. Für jeweils 45 Prozent ist die Geschäftslage schlecht. Dies resultiert aus der viel zu geringen heimischen Nachfrage. In Unternehmen, die vor allem Endverbraucher im Blick haben, berichten 61 Prozent von einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Jedes zweite Unternehmen mit Gewerbekunden musste einen Auftragsrückgang verkraften. In den letzten zwölf Monaten hat sich daher für jedes zweite Unternehmen die Ertragslage verschlechtert.
„Für den Rückgang der Nachfrage sind zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen wird in einer Konjunkturschwäche weniger nachgefragt als im Aufschwung. Zum anderen tauschen preissensible Kunden die Lieferanten, wenn sie zu teuer werden. Seit dem Krieg in der Ukraine gingen die Energiepreise zeitweise durch die Decke. In dieser schwierigen Situation wurden zu Beginn des Jahres der Mindestlohn und die Krankenversicherungsbeiträge erhöht. Für viele Unternehmen bedeutet das steigende Arbeitskosten, die bei Überwälzung auf die Kunden erneute Nachfrageeinbußen nach sich ziehen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Daten der Arbeitsagentur zeigen, dass die Wirtschaft im Landkreis Sonneberg strukturell auf viele Helfertätigkeiten angewiesen ist. Mit einem Helfer-Anteil von 23 Prozent der Vollzeitbeschäftigten belegt der Landkreis in Ostdeutschland den ersten Platz und erreicht deutschlandweit den sechsten Platz unter 400 Landkreisen und kreisfreien Städten.
Die Arbeitskosten stellen daher für 66 Prozent der Unternehmen das Hauptkonjunkturrisiko dar. Auf den Plätzen folgen mit 64 Prozent die Inlandsnachfrage, mit 62 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und mit 54 Prozent die Energiepreise.
Zu hohe Kosten und fehlende Nachfrage drücken die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate. Lediglich sechs Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte. 57 Prozent rechnen mit unveränderten Geschäften und 37 Prozent mit einer Verschlechterung. Vor diesem Hintergrund steht Investitionszurückhaltung auf der Tagesordnung. Jeder zweite Betrieb plant in diesem Jahr Investitionen, darunter sechs Prozent mit steigendem Gradienten. Im Personalbereich ist die gleiche Zurückhaltung spürbar. Nur vier Prozent gehen von steigenden Mitarbeiterzahlen aus, 25 Prozent erwarten hingegen einen Personalrückgang. Hierbei hilft auch die Demografie, die mit zunehmenden Renteneintritten die Personalpolitik der Unternehmen unterstützt.
Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 31. März bis 1. Mai 2025 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch ca. 3.800 Unternehmen aus dem Landkreis Sonneberg. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.600 Dienstleister mit 6.800 Beschäftigten, gefolgt von 1.000 Handelsunternehmen mit 2.000 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Sonneberg 450 Unternehmen mit 7.900 Beschäftigten.
Suhl, 3. Juli 2025
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