Saisonbericht Tourismus Winter 24/25 der IHK Südthüringen

Chancen erkennen, Potenziale heben

Trotz aktueller Herausforderungen bietet der Tourismus in Südthüringen großes Potenzial. Die Saisonumfrage Tourismus Winter 2024/2025 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt, dass die Betriebe bereit sind zu investieren und gleichzeitig auf Stabilität im Personal setzen. Gezielte Unterstützung und Standortvermarktung können die Nachfrage nachhaltig stärken. Es gilt die Chancen zu nutzen und die Region als Reiseziel zu profilieren.

Der Tourismus in Südthüringen steht vor Herausforderungen. Gleichzeitig bietet die aktuelle Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen wichtige Erkenntnisse und Ansatzpunkte für künftige Verbesserungen. Auch wenn die Nachfrage aktuell verhalten ist, sehen viele Betriebe die Möglichkeit, durch gezielte Maßnahmen und Investitionen wieder mehr Gäste zu gewinnen.

Südthüringen: Potenzialregion mit Entwicklungsmöglichkeiten

Der Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen weist laut amtlicher Statistik und Umfrage derzeit eine geringere touristische Nachfrage auf. Faktoren wie steigende Kosten und der hohe bürokratische Aufwand beeinflussen die wirtschaftliche Lage. Doch gerade diese Erkenntnisse zeigen, wo konkrete Verbesserungen möglich sind, beispielsweise durch Entlastungen bei Energiepreisen, gezielte Standortwerbung und attraktivere Rahmenbedingungen für Betriebe.

„Die Zahlen zeigen ein realistisches Bild, das wir als Ansporn nehmen müssen. Viele Gastgeber sehen in der aktuellen Sommersaison zwar noch Zurückhaltung. Nur wenige erwarten bessere Geschäfte. Aber mit gezielten Maßnahmen wie der geplanten Mehrwertsteuersenkung Anfang 2026 bestehen gute Chancen auf Besserung. Weitere Maßnahmen in diese Richtung sind gerne gesehen. Das zentrale Thema bleibt die Steigerung der Nachfrage“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Beherbergungsbetriebe: Perspektiven für nachhaltige Entwicklung

Besonders in den größeren Beherbergungsbetrieben zeigt sich, dass noch viel Raum für Wachstum besteht. Selbst im traditionell starken dritten Quartal liegt die Bettenauslastung, Campingplätze einbezogen, selten über einem Drittel. Ohne Camping wurden in den letzten zehn Jahren die 40-Prozent-Marke nicht überschritten. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Ganzjahresauslastung stabil über einem Drittel, bei Betrieben ohne Camping über 40 Prozent. 

Diese Werte zeigen, dass viele Urlauber Deutschland bereisen - und dass Südthüringen durch gezielte Vermarktung und Angebote stärker als Reiseziel positioniert werden kann. Während im IHK-Bezirk Erfurt die Bettenzahlen steigen, haben sie in Südthüringen in den letzten zehn Jahren um sechs Prozent abgenommen. Deutschlandweit stieg das Angebot an Schlafgelegenheiten um zwölf Prozent. Ein Zeichen, dass Wachstum auch in Südthüringen möglich ist. 

Beherbergung: Betriebe investieren in die Zukunft

Der Konjunkturklimaindikator für die Beherbergung liegt derzeit bei 63,2 von 200 möglichen Punkten. Zwei Punkte weniger als im Vorjahr. Zehn Prozent der Betriebe machen derzeit gute Geschäfte. Das führt in der Breite zu wirtschaftlich beschränkten Mitteln, sodass 44 Prozent der Betriebe im letzten Jahr einen Eigenkapitalrückgang verkraften mussten. Trotz der herausfordernden Lage blicken viele Betriebe nach vorn: 42 Prozent planen Investitionen, davon zwölf Prozent mit steigendem Volumen. 85 Prozent gehen von stabilen Mitarbeiterzahlen aus. Ein Zeichen für Kontinuität in der Belegschaft.

Hohe Energiepreise (76 Prozent) als Hauptrisiko, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (73 Prozent) sowie Lebensmittel- und Rohstoffpreise (59 Prozent) sowie die regelmäßigen Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns sowie die Inlandsnachfrage (51 Prozent) zählen zu den größten Herausforderungen.

Gastronomie: Stabilität und Investitionsbereitschaft

Auch in der Gastronomie zeigt sich mit einem Konjunkturklimaindikator von 64,5 Punkten (plus 0,6 Punkte gegenüber dem Vorjahr) ein stabiles Bild. Neun Prozent der Betriebe berichten von guten Geschäften, was als solides Fundament für weiteres Wachstum betrachtet werden kann. 36 Prozent der Unternehmen planen Investitionen, fünf Prozent davon mit steigenden Ausgaben.

Die Mehrheit der Betriebe erwartet stabile Beschäftigtenzahlen. Risiken wie Energiekosten (81 Prozent), wirtschaftspolitische Bedingungen (77 Prozent), Lebensmittel- und Rohstoffpreise (72 Prozent) sowie Arbeitskosten (67 Prozent) verdeutlichen, wo politische und wirtschaftliche Unterstützung ansetzen kann, um die Branche weiter zu stärken. Denn gerade die Mischung aus hohen Kosten und fehlender Nachfrage wirkt sich nicht unerheblich belastend aus. Für jeden zweiten Betrieb ergab sich ein Eigenkapitalrückgang. Jeder zehnte sieht die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. 

Reisemittler: Auf dem Weg in die Zukunft

Reisemittler – dazu zählen Reisebüros, Veranstalter und touristische Busunternehmen – befinden sich in einem strukturellen Wandel. In den letzten fünf Jahren sank die Zahl der Unternehmen um 14 Prozent, vor allem durch Marktanpassung und die zunehmende Digitalisierung von Buchungsprozessen.

Mit einem Konjunkturklimaindikator von 54,8 Punkten (plus 1 Punkt zum Vorjahr) zeigen sich erste positive Impulse. Jeder vierte Betrieb bewertet seine aktuelle Geschäftslage als gut. 60 Prozent planen Investitionen. Ein deutliches Zeichen für Zukunftsorientierung. Zwar rechnet jeder dritte Betrieb mit einem Rückgang bei den Mitarbeiterzahlen, doch Fachkräfteengpässe (56 Prozent), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (70 Prozent), Energiepreise (60 Prozent) und die Arbeitskosten (56 Prozent) verdeutlichen auch hier, wo Verbesserungen möglich sind. 

Südthüringen muss sich nicht verstecken

Die aktuelle Lage im südthüringischen Tourismus zeigt: Die Herausforderungen sind real, aber auch die Chancen. Die Branche steht nicht still. Viele Betriebe investieren, halten ihr Personal und sind bereit für neue Wege. Um das vorhandene Potenzial zu heben, braucht es jedoch gezielte Unterstützung, mehr öffentliche Sichtbarkeit und strategische Standortvermarktung.

Ein starker Tourismus ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor: Er steigert die Lebensqualität, belebt Innenstädte, stärkt Gastronomie und Einzelhandel und sorgt für kulturelle Vielfalt. Genau diese Lebendigkeit macht eine Region attraktiv. Nicht nur für Gäste, sondern auch für Fachkräfte und deren Familien. Wo Menschen gerne Urlaub machen, leben und arbeiten sie auch gerne.

Thüringens Süden kann durch eine nachhaltige Tourismusentwicklung seine Strahlkraft erhöhen. Es gilt, gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Weichen so zu stellen, dass Tourismus wieder als Motor regionaler Attraktivität und Zukunftsfähigkeit wirkt. 

 

Zur Information:

Die Konjunkturumfrage zur Tourismuswirtschaft wird von der IHK Südthüringen zweimal im Jahr organisiert. Die aktuelle Erhebung betrifft den Zeitraum November 2024 bis April 2025. Es wurden 686 Unternehmen befragt. Die Rücklaufquote beträgt 13,4 Prozent. Den Bericht ist hier zu finden auf der Homepage.

 

Suhl, 15. Juli 2025

Dr. Jan Pieter Schulz
Referent Volkswirtschaft

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