Freiwilligkeit und Anreize fördern längere Erwerbstätigkeit - Arbeitsmarktumfrage 2025 der IHK Südthüringen

Die Bundesregierung sieht in einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit ein geeignetes Instrument, um Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken. In ihrer aktuellen Arbeitsmarktumfrage 2025 hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen untersucht, mit welchen Maßnahmen ältere Beschäftigte länger im Betrieb gehalten werden können. Das Ergebnis ist eindeutig: Anreize und Freiwilligkeit sind der Schlüssel. Eine gesetzliche Anhebung des Renteneintrittsalters stößt hingegen auf wenig Zustimmung.

Zwei Drittel der befragten Unternehmen sprechen sich dafür aus, dass Beschäftigte, die über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten, steuerlich begünstigt werden sollten. Zudem fordern sie, dass für diese Arbeitnehmer keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung mehr anfallen. Auf diese Weise würde eine Weiterbeschäftigung auch für die Arbeitgeber wirtschaftlich attraktiver. 41 Prozent der Unternehmen befürworten darüber hinaus neue Formen befristeter Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer.

Wenig Zustimmung finden dagegen gesetzliche Eingriffe in das Rentensystem: 29 Prozent sprechen sich für die Rücknahme der Rente nach 45 Versicherungsjahren aus, und elf Prozent befürworten eine Erhöhung des Renteneintrittsalters.

„Die Folgen des demografischen Wandels werden immer deutlicher spürbar. Eine neue IAB-Studie erwartet für nächstes Jahr in Thüringen einen Beschäftigungsrückgang von bis zu 16.000 Personen. In erster Linie spielen dabei die Verrentungen eine gewichtige Rolle, ohne dass den Unternehmen Nachbesetzungen aufgrund des Fachkräftemangels möglich sind. Eine längere Lebensarbeitszeit gehört daher in jede Fachkräftestrategie. Hierbei wünschen sich die Unternehmen keinen Zwang. Sie wollen motivierte Mitarbeiter. Daher sind finanzielle Anreize über das Steuer- und Sozialversicherungssystem genau der richtige Weg“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Bereits jetzt verzeichnet jeder dritte Betrieb in Südthüringen langfristig unbesetzbare Stellen. Eine Hochrechnung der IHK Südthüringen zeigt, dass es derzeit rund 5.100 offene Stellen in der Region gibt. Etwa 2.000 davon sind nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Überdurchschnittlich betroffen sind Industrie und Baugewerbe.

64 Prozent der Betriebe mit offenen Stellen suchen Fachkräfte mit abgeschlossener dualer Ausbildung und idealerweise zusätzlichem Weiterbildungsabschluss. 31 Prozent halten Stellen für Ungelernte bereit, während nur vier Prozent nach Akademikern suchen.

Die Folgen der Fachkräfteknappheit sind vielfältig: Bleiben Stellen frei, erhöhen sich die Suchkosten nach neuen Mitarbeitern. 70 Prozent der Unternehmen nennen steigende Arbeitskosten als gravierendste Auswirkung. 61 Prozent berichten von einer höheren Belastung der verbleibenden Belegschaft, da die vorhandene Arbeit auf weniger Personen verteilt werden muss. 41 Prozent sehen sich gezwungen, ihre Angebotsbreite zu reduzieren, während 28 Prozent mit einem Rückgang ihrer Investitionen und 27 Prozent mit einem Verlust an Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit rechnen.

 

Zur Information:

Die Arbeitsmarktumfrage 2025 wurde als Annex zur Konjunkturumfrage Herbst 2025 zwischen dem 8. September und 5. Oktober 2025 durchgeführt.

Die Visualisierung der Arbeitsmarktumfrage 2025 finden Sie auch hier: www.suhl.ihk.de/konjunktur-und-statistik.

Im Text wird auf folgende Studie verwiesen:
Heining, Jörg; Jahn, Daniel; Sujata, Uwe; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje (2025): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2/2025, Aktuelle Daten und Indikatoren, Nürnberg.

Suhl, 5. November 2025

Dominik Konrad
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