Kostenkonferenz Ilm-Kreis: Kommunalpolitik muss wirtschaftlich verantwortungsvoll handeln
IHK Südthüringen mahnt verlässliche Finanzierung an
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen unterstreicht die Bedeutung des wirtschaftsfreundlichen kommunalen Handelns für die Unternehmen im Ilm-Kreis. Vor diesem Hintergrund fand am 20. November 2025 im Landratsamt Ilm-Kreis eine Kostenkonferenz statt, an der ehrenamtlich engagierte Unternehmer, die Landrätin Petra Enders, die Erste Beigeordnete der Stadt Arnstadt Diana Machalett sowie Ilmenaus Oberbürgermeister Dr. Daniel Schultheis teilnahmen.
Die Konferenz knüpfte an die IHK-Standortanalyse des Vorjahres an. Sie zeigte, dass steigende Standortkosten zunehmend zu Wettbewerbsnachteilen führen. Zwar liegen kommunale Steuern, Gebühren und zweckgebundene Abgaben im Ilm-Kreis überwiegend unter dem Bundesdurchschnitt. Dennoch wurde angeregt, mindestens die Gewerbesteuerhebesätze in Arnstadt und Ilmenau zu senken, um wieder klar unter dem Bundesmittel zu liegen. Positiv hervorgehoben wurde die bisher verhältnismäßig zurückhaltende Schuldenaufnahme der Gemeinden.
Gleichzeitig wurde nochmals verdeutlicht, dass die größten Belastungen für die regionale Wirtschaft hauptsächlich von anderer Stelle kommen. Die Energiekosten haben sich seit der Vor-Pandemie-Zeit mehr als verdoppelt. Die Arbeitskosten steigen mit erheblicher Dynamik: Die monatlichen Medianentgelte im Ilm-Kreis erhöhten sich in den vergangenen zehn Jahren um 1.141 Euro und damit stärker als im bundesweiten Vergleich. Für viele Unternehmen, die auf preisliche Wettbewerbsfähigkeit angewiesen sind, stellt dies eine zunehmende Herausforderung dar.
„Die Unternehmen in der Region sind auf günstige Standortbedingungen angewiesen, um im überregionalen Wettbewerb auch über den Preis punkten zu können. Insbesondere in den letzten vier Jahren haben sich unsere Kosten drastisch erhöht, die früheren Standortvorteile werden immer kleiner. Daher ist zu begrüßen, dass sich zumindest die Kommunalpolitik bislang verantwortungsvoll verhalten hat. Wir erwarten, dass dieser besonnene Kurs im Ilm-Kreis fortgesetzt wird“, erklärt Steffen Bock, Vorsitzender des Regionalausschusses Ilm-Kreis der IHK Südthüringen und Geschäftsführer der Bock Handelsunternehmen GmbH.
Die kommunalen Vertreter verwiesen auf strukturelle Defizite im Finanzierungssystem der Gemeinden. Viele bundes- und landespolitische Vorgaben seien unzureichend finanziert und führten zu steigenden Pflichtaufgaben. Sie belasten kommunalen Haushalte erheblich. Bereits jetzt fließe mehr als die Hälfte des Kreishaushalts in Sozialausgaben. Weitere Steigerungen sind absehbar. Die aktuell diskutierte Abschaffung des Pflegegrads I würde für den Landkreis zusätzliche Kosten bedeuten, da das Sozialamt höhere Zuschüsse für Pflegeheimplätze übernehmen müsste. Auch die Ausgaben für die Eingliederungshilfe steigen rasant. Eine Erhöhung der Kreisumlage gilt bereits jetzt als wahrscheinlich. Für die Städte und Gemeinden bedeutet dies, dass sie steigende Belastungen oft nur mit Steuererhöhungen ausgleichen können.
„Wir müssen uns auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass derjenige, der Aufgaben bestellt, deren Erfüllung auch bezahlt. Das Land Thüringen ist daher in besonderer Weise gefordert, eine verlässliche finanzielle Mindestausstattung seiner Kommunen sicherzustellen. Zugleich gilt es, die stetig wachsende Staatsquote im Blick zu behalten. Städte, Gemeinden und Landkreise müssen ihren Beitrag leisten und ihre Strukturen effizienter gestalten. Tariflohnsteigerungen und eine zunehmend umfangreiche Verwaltung binden erhebliche Mittel, die besser in die Stärkung der regionalen Wertschöpfung fließen sollten. Auch das ist wiederum zuträglich zur Steigerung der Standortattraktivität“, resümiert Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Suhl, 27. November 2025
+49 3681 362-664
+49 3681 362-210