Ländertag Fachkräftesicherung 2025
IHK Südthüringen und IHK für Oberfranken Bayreuth setzen gemeinsame Impulse für die Fachkräftesicherung
Unter dem Leitmotiv „Gemeinsame Lösungsfindung für eine langfristige Fachkräftesicherung“ fand am 18. November 2025 im Haus der Wirtschaft in Suhl der Ländertag Fachkräftesicherung 2025 statt. Gastgeber waren die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen sowie die IHK für Oberfranken Bayreuth. Vertreter aus Unternehmen, Verwaltung und Bildungseinrichtungen sowie IHK-Experten aus mehreren Bundesländern nahmen an der Veranstaltung teil.
Am Vormittag kamen die Fachkräfteausschüsse beider Kammern in einer öffentlichen Sitzung zusammen. Diskutiert wurden zentrale Zukunftsthemen der regionalen Wirtschaft, darunter:
/ die Reduktion von Fehlzeiten, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen,
/ Rahmenbedingungen für Weiterbildungsförderung und Zertifizierungsprozesse,
/ Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung im Kontext von Transformation, Arbeitskräftemobilität und wachsenden Qualifikationsanforderungen.
Praxisberichte aus Unternehmen verschiedener Branchen bildeten die Grundlage einer intensiven Podiumsdiskussion mit rund 50 anwesenden Unternehmern. Auf dieser Basis formulierten die Ausschüsse gemeinsame Kernforderungen.
Im Fokus standen insbesondere besorgniserregende Entwicklungen bei Fehlzeiten von Mitarbeitern: Laut AOK-Report 2025 erreichte die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle 2024 mit 228 Fällen je 100 Versicherte einen neuen Höchststand. Versicherte der Techniker Krankenkasse fehlten 2024 im Schnitt 19,1 Krankheitstage, wodurch Arbeitgeber laut Institut der deutschen Wirtschaft mit rund 82 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung belastet wurden. Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit lag 2024 bei 10,5 Tagen. In Europa belegt Deutschland damit Platz zwei hinsichtlich der Fehlzeitenquote mit rund sechs Prozent der Gesamtarbeitszeit.
Vor diesem Hintergrund fordert die Wirtschaft unter anderem eine Anpassung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab dem ersten Tag auf 80 Prozent, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Sozialversicherungsabgaben von 100 Prozent. Die Unternehmer sind sich ihrer sozialen Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern sowie der Sozialversicherung bewusst. Jedoch sind ökonomische Hebel aus Sicht der Wirtschaft, in Anbetracht der Gesamtsituation, notwendig.
Das Hauptamt der IHK Südthüringen wird auf Grundlage der Diskussionen und Ergebnisse des Ländertags 2025 ein umfassendes Forderungspapier erarbeiten und diese gemeinsam mit der IHK für Oberfranken Bayreuth sowie anderen IHKs an die jeweilige Landespolitik und die Bundespolitik herantragen.
Die Unternehmer der beteiligten Industrie- und Handelskammern senden ein klares Signal: Wirtschaft und Institutionen müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um den vorhandenen und künftig erheblich anwachsenden Fachkräftemangel mit fundierten Analysen und praxiserprobten Lösungsansätzen nachhaltig zu bewältigen.
„Teure Symbolpolitik verschärft die Probleme. Der Ländertag hingegen zeigt, wie wertvoll der länderübergreifende Austausch ist. Gemeinsam entwickeln wir praxisnahe Lösungen und senden abermals klare Impulse an die Politik. Diese Expertise sollten sich Politiker zu eigen machen. Die Erfahrungen der Betriebe müssen deutlich stärker in Gesetzgebungs- und Förderprozesse einfließen. Es ist höchste Zeit, dass wirksame Maßnahmen aus der Praxis Umsetzung finden. Nur so steigern wir dauerhaft die Wertschöpfung durch gesundes Wachstum und damit den Wohlstandzugewinn“, betont Dr. Ralf Pieterwas.
Zur Information
Neben Unternehmensvertretern aus Südthüringen und Oberfranken nahmen auch Fachreferenten weiterer IHKs, unter anderem aus Dresden, Coburg, Nürnberg und Gera, teil. Das Besondere am Ländertag ist die enge Verzahnung aus öffentlicher Ausschusssitzung, fachlichen Impulsen, Dialoggruppen und länderübergreifendem Austausch zwischen Ehrenamt und Hauptamt beider Kammern. Das Format setzt wichtige inhaltliche Impulse und stärkte den gemeinsamen Blick auf die Herausforderungen.nächsten Jahr präsentiert werden soll.
Suhl, 25. November 2025
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