Staatlich verordnete Inflation - Umfrage der IHK Südthüringen zur Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns

Noch wirken die Preissteigerungen der Jahre 2022 und 2023 nach und bremsen die heimische Nachfrage. Dennoch setzt die Politik neue Belastungen für die Wirtschaft obenauf: Zum 1. Januar 2026 steigt der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde. Nur ein Jahr später folgt die nächste Anhebung auf 14,60 Euro. Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt: Jedes zweite Unternehmen sieht sich dadurch gezwungen, die Preise zu erhöhen. Damit droht ein weiterer Inflationsschub.

Zwei von drei Südthüringer Unternehmen sind von der Mindestlohnerhöhung betroffen. Besonders hart trifft es das Verkehrsgewerbe (77 Prozent), das Gastgewerbe (75 Prozent) und die Industrie (74 Prozent). Rund ein Drittel der Betriebe muss die Einstiegsgehälter direkt anheben. Weitere 57 Prozent sind indirekt betroffen, da sie zur Wahrung interner Lohnabstände auch höhere Lohngruppen anpassen müssen.

Die Folgen sind absehbar: 51 Prozent der Betriebe planen Preissteigerungen, auch jene, die eigentlich gar nicht unmittelbar betroffen wären. Vor allem im Gast- und Verkehrsgewerbe drohen Leistungseinschränkungen und Personalabbau. Damit schwächt die politische Entscheidung nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Unternehmen, sondern gefährdet auch Arbeitsplätze im Inland und die Stabilität der heimischen Nachfrage.

„Die beschlossenen Mindestlohnerhöhungen kommen zur Unzeit und senden fatale Signale an den Arbeitsmarkt. Ungelernte und Beschäftigte mit geringer Produktivität erhalten Lohnerhöhungen ohne Mehrleistung. Das schwächt die Attraktivität der dualen Ausbildung und schwächt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Branchen weiter. Tatsächlich wäre es sinnvoller, den gesetzlichen Mindestlohn in Zeiten eines funktionierenden Arbeitsmarktes nicht zu regulieren. So funktioniert Marktwirtschaft. Die Unternehmen erhöhen die Löhne ohnehin aus eigenem Antrieb, weil der Fachkräftemangel sie dazu zwingt“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Die IHK Südthüringen kritisiert scharf, dass die Politik offenbar nicht verstanden hat, in welcher Lage sich die Wirtschaft befindet. Nach Jahren der Unsicherheit, hoher Energiekosten und sinkender Kaufkraft treffen staatlich verordnete Lohnerhöhungen die Betriebe in einer Phase, in der sie Stabilität und international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen bräuchten. Die Folgen werden nicht nur an der Ladenkasse, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbar werden.

Unternehmen im überregionalen Wettbewerb verlieren zunehmend ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber ausländischen Anbietern mit niedrigeren Löhnen. Betriebe, die den regionalen Markt bedienen, sind darauf angewiesen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen als unverzichtbar gelten. Andernfalls werden Preiserhöhungen von den Kunden nicht akzeptiert. Besonders schwierig gestaltet sich die Lage für Unternehmen mit langfristigen Verträgen ohne Preisgleitklauseln.

„Die Politik betreibt Steuerpolitik auf Kosten der Betriebe. Wer den gesetzlichen Mindestlohn derart stark anhebt, während die Wirtschaft um Stabilität ringt, verschärft strukturelle Probleme und treibt die Inflation künstlich weiter an“, betont Dr. Pieterwas.

 

Zur Information:

Die Umfrage wurde als Annex zur Konjunkturumfrage Herbst 2025 durchgeführt. Erhebungszeitraum war der 8. September bis 5. Oktober 2025.

Suhl, 30. Oktober 2025

Dominik Konrad
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