Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung notwendig
Jetzt braucht es Vernunft und Realitätssinn
Die erneute Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) um ein Jahr ist aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen ein richtiger und notwendiger Schritt. Die Entscheidung verdeutlicht, dass die bisherige Ausgestaltung der Verordnung in ihrer Komplexität und Bürokratie weder praktikabel noch fair umsetzbar gewesen wäre.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind aus Sicht der IHK Südthüringen wichtige Ziele, doch sie dürfen nicht in einem luftleeren Raum verfolgt werden. „Gut gemeint ist bei der EU-Kommission regelmäßig schlecht gemacht. Es braucht Regelungen, die ökologischen Anspruch und ökonomische Realität miteinander in Einklang bringen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Die EU-Entwaldungsverordnung in ihrer derzeitigen Form droht, zahlreiche kleine und mittelständische Betriebe zu überfordern und ihnen im globalen Wettbewerb schwere Nachteile zu verschaffen. Unternehmen, die durch immer neue Regelungen und politische Hängepartien ihre Prozesse stetig aufwendig bis unlösbar anpassen müssen, sehen sich mit rechtlicher Unsicherheit, zusätzlichen Kosten und Frust konfrontiert. Allein die Pflicht, für jeden Import von Kakao, Palmöl oder Holz umfangreiche Dokumentationen, Satellitenbilder und Zertifikate bereitzustellen, kann je nach Unternehmensgröße schnell zwischen 50.000 und 200.000 Euro pro Jahr an Verwaltungs- und Beratungsaufwand verursachen. Gleichzeitig verdeutlicht der kommunizierte IT-Fehlschlag der Kommission, dass Brüssel entweder selbst nicht in der Lage ist, die eigenen Vorgaben technisch umzusetzen, oder dass die Welt wenig Bereitschaft zeigt, sich europäischen Moralpredigten im Handel zu beugen.
„Europa muss anerkennen: Wir können nicht allein den Moralapostel und ‚Umweltretter der Welt‘ spielen. Entscheidend ist, dass die EU-Politik mit Augenmaß agiert. Und zwar im Interesse der eigenen Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Lässt die Kommission weiterhin die Wirtschaft im Sinne des Umweltschutzes planwirtschaftlich außer Acht, wird uns das jede Menge Jobs und Wohlstand kosten“, betont Dr. Ralf Pieterwas.
Die IHK Südthüringen fordert daher eine grundlegende Überarbeitung der Verordnung. Insbesondere braucht es mindestens eine politisch organisierte Null-Risiko-Kategorien für Länder ohne Entwaldungsprobleme, praktikable Verfahren für Unternehmen und die Entlastung von Kleinbetrieben und Landwirten. Sollte dies nicht gelingen, wäre es ehrlicher, die Entwaldungsverordnung endgültig in die Akten zu legen und sich auf andere, praktikable und international abgestimmte Lösungen zu konzentrieren.
„Ein weiteres Aufschieben allein macht die Verordnung nicht besser. Entweder gelingt ein realitätsnaher Neuentwurf oder man beendet das bürokratische Experiment konsequent“, fordert Dr. Ralf Pieterwas.
Suhl, 24. September 2025
+49 3681 362-203
+49 3681 362-664