Thüringer Wirtschaft treibt die Digitalisierung voran
Politik muss Hausaufgaben machen
Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten treiben die Thüringer Unternehmen ihre digitale Transformation konsequent voran. Die Ergebnisse der Digitalisierungsumfrage 2026 der Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHKs) zeigen, dass die Unternehmen die strategische Bedeutung digitaler Technologien klar erkannt haben und gezielt einsetzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung nur mit verbesserten politischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen vollständig ausgeschöpft werden können. Insbesondere ein beschleunigter Netzausbau, rechtssichere und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) sowie eine Stärkung der digitalen Souveränität sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Thüringen.
Die wichtigsten Ergebnisse zur Digitalisierung in Thüringen
/ Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit behalten Unternehmen bei der Digitalisierung den Anschluss.
Der Stand der Digitalisierung in Thüringen ist aus Sicht der Unternehmen auch mit den angespannten Marktlagen gut bis befriedigend. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, liegen die Hauptziele auf der Senkung der Kosten, der Qualitätsverbesserung und der Flexibilisierung der Arbeit. Die größten Herausforderungen sind die fehlende Zeit, die Komplexität sowie die notwendigen Investitionskosten der Digitalisierung.
/ Glasfaserausbau und Digitalisierung der Verwaltung immer noch nicht ausreichend.
Schnelles Internet fehlt in Thüringen weiter zu häufig. Immer noch sehen ein Drittel der Unternehmen mit Blick auf den eigenen Bedarf erhebliche Defizite bei ihrer erforderlichen Internetversorgung. Zudem steht die öffentliche Verwaltung bei der Digitalisierung
auf der Bremse, die Fortschritte kommen bislang kaum bei den Unternehmen an. Die Unternehmen geben der Verwaltung die Schulnote 4 – eine Leistung, die gerade noch die Anforderungen erfüllt, aber deutliche Mängel aufweist.
/ KI als Produktivitätsfaktor mit unterschiedlichem Fokus in der Wirtschaft angekommen.
Dreißig Prozent der Thüringer Unternehmen setzen auf KI, bzw. 25 Prozent planen es in den nächsten drei Jahren. Technologisch ist weiter die Nutzung generativer KI gefragt, gefolgt von der personalisierten Kundenansprache sowie dem Einsatz bei Produktentwicklung und -optimierung. Dabei sehen 83 Prozent der Unternehmen einen hohen bzw. moderaten Einfluss des KI-Einsatzes auf ihre Produktivität und bestätigen: „Die Nutzung der KI ist als wichtiger Baustein der Digitalisierung in Thüringen angekommen.
/ Fehlende Rechtssicherheit behindert Datennutzung und damit die Digitalisierung.
Als größte Herausforderung behindern den Einsatz von KI oder die gemeinsame Datennutzung weiter vor allem rechtliche Unsicherheiten wie Datenschutz, Unklarheiten über Nutzungsrechte etc. Auch technische Hemmnisse wie fehlende Standards, fehlende Infrastruktur und fehlende Programme bzw. Software zur Absicherung oder Auswertung der Daten stehen der Datennutzung weiter im Wege.
/ Cybersicherheit: Bedrohungslage bleibt sehr hoch, mehr Sicherheitsvorkehrungen nötig.
In der Cybersicherheit führen u. a. die weitere Professionalisierung der Angriffe, z. B. mittels KI, dazu, dass die Bedrohungslage sehr hoch bleibt. Neun Prozent der Thüringer Unternehmen waren letztes Jahr Opfer eines oder mehrerer Cyberangriffe, weitere zehn Prozent waren vermutlich betroffen. Dabei handelte es sich vorrangig um den Diebstahl digitaler Daten, die Sabotage und Störung der digitalen Prozesse sowie um die gezielte Überlastung der IT-Infrastruktur der Unternehmen. Zur Abwehr wird die ganze Breite der IT-Abwehrmaßnahmen eingesetzt und angeführt von der Aktualisierung der IT-Sicherheitsmaßnahmen, regelmäßigen Sicherheitskopien und einem gezielten Identitätsmanagement wird den Angriffen gezielt begegnet. Trotz des hohen Kostendrucks und vieler Herausforderungen müssen die Unternehmen dranbleiben und Cybersicherheitsmaßnahmen im Sinne von Resilienz weiter Priorität einräumen.
/ Digitale Souveränität als Standortrisiko - Mehr Unabhängigkeit nötig.
Bedenklich: Die Unternehmen sehen sich in nahezu allen Bereichen der Hard- und Software deutlich von Nicht-EU-Ländern abhängig. Das ergab eine erstmalige detaillierte Abfrage. Die Wirtschaft sieht deshalb dringenden politischen Handlungsbedarf. Nach Ansicht der Thüringer Unternehmen tragen vor allem die Unterstützung gemeinsamer offener Schnittstellen und Standards, eine bessere Vermittlung digitaler Kompetenzen an Schulen und anderen staatlichen Bildungseinrichtungen sowie die Förderung von Open-Source-Lösungen zur Stärkung der digitalen Souveränität bei.
+49 3681 362-203
+49 3681 362-406