Konjunkturbericht Frühsommer 2026 für den Landkreis Hildburghausen

Substanzverlust setzt sich fort

Die wirtschaftliche Schwäche im Landkreis Hildburghausen hält weiter an. Seit 2018 schrumpft die regionale Wirtschaft mit nur kurzen Unterbrechungen. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigen, dass eine Trendwende derzeit nicht in Sicht ist.

In der aktuellen Umfrage erreicht der Konjunkturklimaindikator 52,4 von 200 möglichen Punkten. Das sind drei Punkte weniger als zu Beginn dieses Jahres und vier Punkte weniger als vor einem Jahr. Werte unter 100 Punkten deuten in der Regel auf eine Rezession hin. Je niedriger der Indikator ausfällt, desto schwieriger gestalten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Aktuell leidet die deutsche Wirtschaft infolge des Kriegs im Nahen Osten unter hohen Energie- und Kraftstoffpreisen sowie steigenden Rohstoffkosten. Bereits zuvor war die wirtschaftliche Lage angespannt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte 2023 und 2024, seither stagniert die Wirtschaft. Viele Unternehmen im Landkreis Hildburghausen sind direkt oder indirekt von Aufträgen aus anderen Regionen Deutschlands abhängig. Gerät die Produktion andernorts ins Stocken, wird dies vor Ort schnell zur wirtschaftlich großen Krise.

Entsprechend bewerten derzeit lediglich 13 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, während 57 Prozent sie als schlecht einschätzen. Für 60 Prozent der Unternehmen hat sich die Ertragslage innerhalb der vergangenen zwölf Monate verschlechtert. Nur noch 16 Prozent erzielen Gewinne. Die Mehrheit arbeitet kostendeckend, vielfach nahe an der Verlustzone. Dies erhöht den finanziellen Druck erheblich, denn für eine Fortführung der Unternehmen müssen die Finanzierungsbedingungen stabil bleiben. Lediglich 39 Prozent bewerten ihre Finanzlage noch als unproblematisch.

„Nach Berechnungen der IHK Südthüringen ging bereits 2018 das BIP preisbereinigt um 1,7 Prozent zurück, 2019 waren es minus 1,6 Prozent. 2020 gab es eine kurze Erholung, doch 2021 und 2022 sank das BIP jährlich um vier Prozent. 2023 gab es erneut eine leichte Erholung. Die Daten für die letzten beiden Jahre liegen noch nicht vor, aber unser Konjunkturklimaindikator verschlechtert sich seither stetig. Wir gehen von anhaltendem Substanzverlust aus. Die Politik muss die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wieder in den Mittelpunkt stellen, was einen zweigeteilten Kraftakt bedeutet. Zum einen müssen die hausgemachten Probleme zügig behoben werden, zum anderen aber auch die der Europäischen Union. Immer weitere Vorgaben zulasten der heimischen Wirtschaft sowie strukturelle Standorthemmnisse wirken wie Treibsand. Daher ist ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel unabdingbar“, betont Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

In den kommenden Monaten rechnen lediglich fünf Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, während 57 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten. Die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen 80 Prozent der Unternehmen in den Energiepreisen. 68 Prozent nennen Bürokratie und die Gestaltung der Wirtschaftspolitik, 66 Prozent die Rohstoffpreise, 63 Prozent die Inlandsnachfrage und 51 Prozent die Arbeitskosten. Die schwache Auftragsentwicklung, hohe Standortkosten und die fehlende Bereitschaft der Politik zu einem Strategiewechsel bieten aus Sicht vieler Unternehmen keine Grundlage für den Erhalt wirtschaftlicher Substanz. Entsprechend wollen 52 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr auf Investitionen verzichten.

Natürlich gibt es auch Unternehmen, die im aktuellen Umfeld erfolgreich wirtschaften, Erweiterungsinvestitionen vornehmen und aktiv Personal gewinnen. Diese positiven Beispiele überdecken jedoch nicht die insgesamt schlechte Stimmung. Sie zeigt sich zunehmend auch in sinkenden Kommunalsteuern, geringeren kommunalen Leistungen und einer damit verbundenen abnehmenden Lebens- und Standortqualität.

 

Zur Information:

Basis der Angaben ist eine repräsentative Umfrage der IHK Südthüringen, die vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch rund 4.100 Unternehmen aus dem Landkreis Hildburghausen. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.800 Dienstleister mit 7.200 Beschäftigten, gefolgt von 900 Handelsunternehmen mit 1.800 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Hildburghausen 350 Unternehmen mit 5.900 Beschäftigten.

Der gesamte Konjunkturbericht Frühsommer 2026 ist zu finden unter: https://www.suhl.ihk.de/konjunktur.

 

Suhl, 02.06.2026

Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

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