Konjunkturbericht Frühsommer 2026 für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Neue Abschwungsdynamik
Die Hoffnung der Politik auf eine wirtschaftliche Belebung durch staatliche Investitionsprogramme haben sich nicht erfüllt. Stattdessen sorgen steigende Energie- und Rohstoffpreise, hohe Arbeitskosten sowie zunehmende geopolitische Verwerfungen und Unsicherheiten für erhebliche Belastungen in der regionalen Wirtschaft. Wie sich diese Entwicklung auf die Unternehmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen auswirkt, zeigt der Konjunkturbericht Frühsommer 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator erreicht 65 von 200 möglichen Punkten. Das sind sieben Punkte weniger als zu Beginn dieses Jahres und 13 Punkte weniger als vor einem Jahr. Der Konjunkturklimaindikator errechnet sich als geometrisches Mittel aus den Lageeinschätzungen und den Erwartungen der Unternehmen.
Derzeit bewerten nur 16 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 43 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 41 Prozent als schlecht. Dies ist die schlechteste Lagebeurteilung seit vier Jahren und insbesondere auch auf die Verteuerung von Kraft- und Rohstoffen infolge des Nahost-Krieges mit Start Ende Februar 2026 zurückzuführen. Die gestiegenen Einkaufspreise für Vorleistungen führen dazu, dass sich bei 56 Prozent der Unternehmen die Ertragslage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. Auch wenn die meisten Betriebe weiterhin Gewinne erzielen oder kostendeckend arbeiten, sorgt diese Entwicklung für zusätzliche Hemmnisse, Belastungen und neue Sorgen.
Entsprechend rechnen lediglich neun Prozent der Unternehmen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften, während 52 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Wie bereits in den vergangenen vier Jahren planen nur zwei von drei Unternehmen Investitionen. Neben Ersatzbeschaffungen wollen 25 Prozent kostensenkende Maßnahmen umsetzen und 13 Prozent neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln.
Auf dem Arbeitsmarkt wirken Konjunktur und Demografie zusammen. Nur noch acht Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Mitarbeiterzahlen, während 25 Prozent von einem Rückgang des Personalbestands ausgehen.
Das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen 69 Prozent der Unternehmen in den Energiepreisen. Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die von 65 Prozent der Unternehmen, die Arbeitskosten, die von 64 Prozent der Unternehmen sowie die Inlandsnachfrage mit 54 Prozent genannt werden. Viele Betriebe äußern dabei deutliche Kritik an der Bundesregierung, insbesondere am Abgabensystem, an der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns, an bürokratischen Belastungen sowie am Umgang mit den geopolitischen Entwicklungen.
„Geopolitische Konstellationen unterliegen stärker als bisher dem Einfluss der Großmächte. Deutschland hat seine Rolle in dieser neuen Ordnung noch nicht gefunden. Zu lange wird an der politischen Vorstellung festgehalten, zugleich globale Moralinstanz und wirtschaftlicher Wohlstandsbringer durch Klimaschutz zu sein, ohne die Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise oder industrielle Wertschöpfung ausreichend zu berücksichtigen. Unser Wohlstand basiert darauf, dass die heimischen Betriebe mit ihren Produkten weltweit erfolgreich sind. Damit dies auch künftig gelingt, muss die Bundespolitik auf Preisschocks aus dem Ausland reagieren, alle wettbewerbsbelastenden Abgaben senken und sich auf europäischer Ebene für Regeln einsetzen, die die EU tatsächlich zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort und starken Wettbewerber machen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zur Information
Basis der Angaben sind eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt wurde, sowie Daten des Statistischen Bundesamtes. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch rund 8.600 Unternehmen aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Den größten Branchenanteil stellen die 3.900 Dienstleistungsunternehmen mit 17.100 Beschäftigten, gefolgt von 2.000 Handelsunternehmen mit 5.400 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Schmalkalden-Meiningen rund 900 Unternehmen mit 11.800 Beschäftigten.
Der gesamte Konjunkturbericht Frühsommer 2026 ist zu finden unter: suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 09.06.2026
+49 3681 362-664