Saisonbericht Tourismus für den Winter 2025/2026
Erfolgreiche Beispiele machen Mut
Während der deutsche Tourismus 2025 neue Rekordwerte erreichte, entwickelte sich die Branche in Südthüringen differenziert. Die aktuelle Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt wirtschaftliche Herausforderungen, macht aber zugleich deutlich, dass erfolgreiche Beispiele das große Potenzial der Region belegen. Wo konsequent in Qualität, Service und attraktive Angebote investiert wird, können Betriebe und Destinationen überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Darin liegt eine wichtige Chance für die weitere touristische Entwicklung Südthüringens.
2025 war ein neues Rekordjahr für den deutschen Tourismus. Noch nie zuvor wurden in deutschen Beherbergungsbetrieben so viele Gäste empfangen und so viele Übernachtungen realisiert. Von dieser Entwicklung konnten die Regionen unterschiedlich profitieren. Kurstädte des Thüringer Walds konnten die geographischen Vorzüge insgesamt gut ausspielen. Ebenfalls die Erholungs- und Sportorte in Thüringens Süden.
Auch Oberhof überschritt 2025 mit 516.762 Übernachtungen die Marke von einer halben Million Übernachtungen und legte gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent zu. Die positive Entwicklung zeigt, dass touristisches Wachstum auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen möglich ist durch unternehmerischen Mut sowie konsequente politische Unterstützung. Erfolgreiche Beispiele geben wichtige Impulse für die gesamte Region.
Im Reisegebiet Thüringer Wald wurde alles in allem ein Rückgang um 0,8 Prozent verzeichnet. Im Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen belief sich dieser auf 3,1 Prozent. Die Umfrage macht dabei zugleich deutlich, dass zahlreiche Unternehmen mit hoher Qualität, engagierten Mitarbeitern und attraktiven Angeboten erfolgreich am Markt bestehen und wachsen.
Rund 42 Prozent der Übernachtungen im Reisegebiet Thüringer Wald entfielen 2025 auf die Südthüringer Orte des Reisegebiets. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag in Südthüringen bei 27,4 Prozent gegenüber 32,2 Prozent im gesamten Reisegebiet. Gute Auslastungen an einzelnen Feiertagen und Ferienwochenenden zeigen die Attraktivität der Region. Gleichzeitig bleibt die Auslastung über das Gesamtjahr betrachtet eine wichtige wirtschaftliche Herausforderung für viele Betriebe.
Daher erreicht der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen für Beherbergungsbetriebe aktuell 60,9 von 200 Punkten. Vor einem halben Jahr wurden elf Punkte mehr erreicht, vor einem Jahr zwei Punkte mehr. Der Indikator errechnet sich aus den Einschätzungen der Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden Monate.
Auch die Gastronomie und die Reisemittler berichten von schwierigen Rahmenbedingungen. Der Konjunkturklimaindikator der Gastronomie liegt aktuell bei 57,5 Punkten. Steigende Kosten, eine zurückhaltende Nachfrage sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit prägen das Geschäftsumfeld vieler Unternehmen. Bei den Reisemittlern wirken sich zusätzlich steigende Kosten für Mobilität und Reisen aus. Dazu zählen unter anderem höhere Preise für Diesel und Kerosin, die das Buchungsverhalten beeinflussen.
„Die Entwicklung zeigt zwei Seiten: Insgesamt bleiben die Ergebnisse im Tourismus hinter den Möglichkeiten Südthüringens zurück. Gleichzeitig beweisen erfolgreiche Standorte und zahlreiche engagierte Unternehmer, dass Wachstum möglich und Thüringens Süden absolut gefragt ist. Unsere Erfahrungen aus den Betrieben zeigen, dass hohe Servicequalität, attraktive und moderne Angebote, die Qualität der Unterkunft sowie Freundlichkeit und Professionalität der Mitarbeiter echte Erfolgsfaktoren sind. Hier haben wir in Südthüringen viele Champions, die zeigen, was möglich ist. Dort, wo konsequent in diese Faktoren investiert wird und Gäste spürbar im Mittelpunkt stehen, entwickeln sich die Zahlen häufig besser als im Durchschnitt. Jene Beispiele sollten uns ermutigen, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und Anreiz geben, diesem zu folgen. Dafür braucht es das Engagement der Unternehmen ebenso wie die Unterstützung von Politik, Kommunen und Partnern vor Ort. Auch unsere Erwartungen an die neue Landestourismuskonzeption sind entsprechend hoch“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Mit Blick auf die bevorstehende Sommersaison und die Ferienmonate setzt die Branche auf zusätzliche Gäste und eine Belebung der Nachfrage. Die abwechslungsreiche Natur, vielfältige Freizeitangebote sowie attraktive Veranstaltungen bieten gute Voraussetzungen, um weitere Besucher für Südthüringen zu begeistern. Die IHK Südthüringen unterstützt Unternehmen weiterhin mit Beratungsangeboten zu Investitionen, Produktentwicklung, Digitalisierung und betrieblicher Weiterentwicklung. Die erfolgreichen Beispiele innerhalb der Region zeigen, dass Qualität, Serviceorientierung und professionelle Angebote von den Gästen wahrgenommen und honoriert werden und damit wichtige Voraussetzungen für nachhaltigen touristischen Erfolg schaffen.
Blick in die Branchen
Beherbergung
Die Wintersaison und der Frühling werden traditionell stärker von Tagesgästen geprägt als die Sommermonate und der Herbst. Entsprechend fällt die saisonale Lagebeurteilung etwas verhaltener aus. Sieben Prozent der Unternehmen bewerten die zurückliegende Saison wirtschaftlich als gut, 45 Prozent als saisonüblich und 48 Prozent als schlecht. Für 60 Prozent der Betriebe gingen die Übernachtungszahlen zurück, 67 Prozent berichten von einer geringeren Bettenauslastung. 57 Prozent verzeichneten Umsatzrückgänge gegenüber dem Vorjahr.
Für die Sommermonate und den Herbst erwarten zehn Prozent der Unternehmen bessere Geschäfte, 43 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus und 47 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Betriebe und Destinationen, dass sich Angebotsqualität, Service und Gästeerlebnis erheblich positiv auf die Geschäftslage auswirken.
Die größten Risiken sehen die Unternehmen in steigenden Energiepreisen (93 Prozent), den Lebensmittel- und Rohstoffpreisen (80 Prozent), den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (63 Prozent) sowie den Arbeitskosten (50 Prozent).
Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen plant jeder zweite Beherbergungsbetrieb Investitionen. Diese konzentrieren sich überwiegend auf Ersatzbeschaffungen und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Im Personalbereich rechnen 80 Prozent mit stabilen Mitarbeiterzahlen. Lediglich 20 Prozent erwarten einen Rückgang.
Gastronomie
In der Gastronomie fallen saisonale Schwankungen weniger stark ins Gewicht. Aktuell bewerten 15 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 44 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 41 Prozent als schlecht. Ausbleibende Gäste und eine zurückhaltende Konsumneigung führten bei 55 Prozent der Betriebe zu Umsatzrückgängen.
Für die kommenden Monate rechnen drei Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, 38 Prozent erwarten eine stabile Entwicklung und 59 Prozent gehen von rückläufigen Geschäften aus. Gleichzeitig arbeiten viele Betriebe aktiv an ihrer Zukunftsfähigkeit. Höhere Einkaufspreise und steigende Kosten stellen die Unternehmen weiterhin vor Herausforderungen.
Als größte Risiken werden die Energiepreise (90 Prozent), die Lebensmittel- und Rohstoffpreise (87 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (73 Prozent) sowie die Arbeitskosten (57 Prozent) genannt.
Dennoch planen 55 Prozent der Unternehmen Investitionen. Neben Ersatzinvestitionen stehen dabei auch die Entwicklung neuer Produkte sowie Maßnahmen zur Kostensenkung im Fokus. Damit setzen viele Betriebe bewusst auf Innovationen und neue Zielgruppen zur Gewinnung zusätzlicher Wettbewerbsvorteile.
Im Personalbereich rechnen drei Prozent mit steigenden Mitarbeiterzahlen und 66 Prozent mit einer stabilen Beschäftigung. 31 Prozent gehen von einem Rückgang aus, der unter anderem durch natürliche Fluktuation, demografische Entwicklungen oder betriebliche Anpassungen verursacht wird.
Reisemittler
Reisemittler vermitteln Tourismusleistungen an Privatkunden und stehen seit Jahren vor tiefgreifenden Veränderungen im Markt. Reisebusunternehmen konkurrieren mit unterschiedlichen Mobilitätsangeboten, während Reisebüros von der Digitalisierung und Individualisierung des Reisevertriebs beeinflusst werden.
Jeder dritte Betrieb bewertet die zurückliegende Saison als durchschnittlich, die übrigen Unternehmen als schlecht. Für die kommenden Monate rechnen die Betriebe nicht mit einer wesentlichen Verbesserung der Geschäftslage. Die gegenwärtige Geschäftslage wird von keinem Betrieb als gut bewertet. Noch kritischer schaut die Branche derzeit in die Zukunft. Daraus ergibt sich ein Konjunkturklimaindikator an der Nulllinie. In zwei von drei Unternehmen werden steigende Preise erwartet. Höhere Kosten für Anreise und Unterbringung können sich auf die Nachfrage auswirken.
Als größte Risiken nennen drei Viertel der Unternehmen die Energiepreise. Jeweils rund zwei Drittel sehen außerdem die Rohstoffpreise und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Belastungsfaktoren.
Die Investitionstätigkeit fällt in der Branche traditionell geringer aus als in anderen Tourismusbereichen. Aktuell planen 16 Prozent der Unternehmen Investitionen. Im Personalbereich wird überwiegend mit stabilen Beschäftigtenzahlen gerechnet.
Zur Information:
Die Saisonumfrage Tourismus wird von der IHK Südthüringen zweimal jährlich durchgeführt. Die aktuelle Erhebung betrifft den Zeitraum Oktober 2025 bis April 2026. Es wurden 667 Unternehmen befragt.
Suhl, 26.06.2026
+49 3681 362-664