Konjunkturbericht Frühsommer 2026 der IHK Südthüringen

Straße von Hormus verschärft die Situation

Die wirtschaftliche Lage in Südthüringen hat sich im Frühsommer 2026 weiter eingetrübt. Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen belastet nun Zusatz der Krieg im Nahen Osten. Die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen zeigen, dass sich die Rezession weiter verfestigt.

Noch im Dezember 2025 war für Deutschland ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von einem Prozent prognostiziert worden. Infolge der geopolitischen Entwicklungen wurde diese Erwartung inzwischen halbiert. Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen deutet jedoch darauf hin, dass selbst diese Prognose zu optimistisch sein könnte.

Der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen erreicht aktuell 63,5 von 200 möglichen Punkten. Damit liegt er sieben Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn 2026 und neun Punkte unter dem Vorjahresniveau. Werte unterhalb von 100 Punkten gelten als Zeichen einer rezessiven Entwicklung.

Derzeit bewerten 16 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 40 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 44 Prozent als schlecht. Für die kommenden Monate rechnen lediglich sieben Prozent mit einer Verbesserung der Geschäfte. 42 Prozent erwarten keine Veränderung, während 51 Prozent von einer weiteren Verschlechterung ausgehen.

„Noch im Februar deutete sich eine leichte Verbesserung der Lage an. Die Kosten für Energie waren geringfügig rückläufig, wenngleich auf hohem Niveau. Die Auftragslage verbesserte sich und die Produktion nahm zu. Der Krieg im Nahen Osten führt zur dritten Energiekrise dieses Jahrzehnts und bringt etliche Unternehmen zusätzlich in Bedrängnis. Das Agieren der Bundesregierung war bislang zudem nicht geprägt von strukturellen Entlastungen. Beispielsweise kann die Reduktion der Energiesteuer auf das EU-Mindestmaß sowie mindestens eine Aussetzung der CO₂-Bepreisung kurzfristig zur Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern beitragen. Dadurch lassen sich zum einen sofort die Energiepreise senken und zum anderen die Standortbedingungen zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wesentlich verbessern. Insgesamt braucht es seitens der EU und der Bundesregierung eine ambitionierte Kurskorrektur. Selbst das deutsche Ziel, bereits bis 2045 klimaneutral zu werden und damit fünf Jahre früher als die Europäische Union, wird inzwischen auch seitens der EU-Kommission kritisch bewertet. Die Bundesregierung belastet die deutsche Wirtschaft dadurch zusätzlich. Viele Unternehmen stellen inzwischen die Wirtschaftsfreundlichkeit der Bundesregierung infrage“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Die Kombination aus steigenden Preisen für Vorleistungen und Energie sowie einer stagnierenden Binnennachfrage hemmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Lediglich 61 Prozent der Betriebe planen in den kommenden Monaten Investitionen. Davon entfallen 20 Prozent auf kostensenkende Maßnahmen, zwölf Prozent auf Forschung und Entwicklung sowie neun Prozent auf Erweiterungsinvestitionen. Seit 2019 geht die Investitionsneigung der Südthüringer Unternehmen kontinuierlich zurück.

Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung. Zwar sinken sowohl Beschäftigung als auch Arbeitslosigkeit, gleichzeitig verschärfen sich jedoch in einzelnen Branchen erneut die Fachkräfteengpässe. Sieben Prozent der Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit wachsenden Belegschaften, während 27 Prozent davon ausgehen, ihre Mitarbeiterzahl bis Jahresende zu reduzieren.

Besonders kritisch entwickelt sich die Finanzlage vieler Betriebe. Nur noch 47 Prozent bewerten ihre finanzielle Situation als unproblematisch. Vor vier Monaten lag dieser Anteil noch zehn Prozentpunkte höher, vor einem Jahr sogar 13 Prozentpunkte. Aktuell berichten 35 Prozent der Unternehmen von einem Rückgang des Eigenkapitals, 25 Prozent von Liquiditätsengpässen und 16 Prozent von zunehmenden Forderungsausfällen. Im Gast- und Verkehrsgewerbe befürchtet jeweils ein Fünftel der Unternehmen den finanziellen Zusammenbruch.

Seit Beginn des Nahost-Krieges sind die Großhandelspreise für Erdgas in Deutschland um 45 Prozent gestiegen. Entsprechend sehen 68 Prozent der Unternehmen die Energiepreise als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Es folgen die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit jeweils 61 Prozent, die Arbeitskosten mit 58 Prozent sowie die Rohstoffpreise mit 57 Prozent.

 

Blick in die Branchen

In der Industrie entwickelt sich derzeit lediglich der Maschinenbau positiv. Zahlreiche Unternehmen verfügen über eine gute Auslastung oder konnten insbesondere auf Auslandsmärkten lukrative Aufträge gewinnen. Die übrigen Industriebereiche bleiben hingegen in schwieriger Lage. Nur 36 Prozent der Unternehmen erreichen eine Kapazitätsauslastung von mindestens 80 Prozent. Der Konjunkturklimaindikator liegt bei 68 Punkten. Für die kommenden Monate planen 68 Prozent der Unternehmen Investitionen. Positiv hervorzuheben ist, dass 27 Prozent ihre Investitionstätigkeit ausweiten wollen.

Im Baugewerbe konnten weder der sogenannte Bauturbo noch die Sonderschuldenprogramme bislang positive Impulse setzen. Zu Jahresbeginn sanken die Umsätze im Südthüringer Bauhauptgewerbe um 30 Prozent. Besonders schwach entwickeln sich der Gewerbe- und Wohnungsbau. Der Konjunkturklimaindikator erreicht lediglich 65,5 Punkte. Aufgrund der schwierigen Auftragslage und der Alterung der Belegschaften dürfte sich der Beschäftigungsabbau fortsetzen. Sechs Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Mitarbeiterzahlen, 36 Prozent hingegen mit einem Rückgang. 72 Prozent planen Investitionen, nahezu ausschließlich Ersatzbeschaffungen.

Im Handel hat sich das Konsumklima infolge des Nahost-Krieges drastisch verschlechtert. Insbesondere die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung der Verbraucher haben sich deutlich eingetrübt. Mit 38,7 Punkten erreicht der Konjunkturklimaindikator einen der niedrigsten Werte seit der Wiedervereinigung. Lediglich vier Prozent der Unternehmen erwarten steigende Mitarbeiterzahlen, 24 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Nur 42 Prozent planen Investitionen, überwiegend für Ersatzbeschaffungen.

Das Verkehrsgewerbe leidet massiv unter den gestiegenen Kraftstoffpreisen. Die monatlichen Mehrkosten betragen pro Lkw rund 2.500 Euro und pro Taxi etwa 250 Euro. Da die Kostensteigerungen nur zeitverzögert an Kunden weitergegeben werden können, müssen die Unternehmen die Belastungen zunächst selbst tragen. Entsprechend sinkt der Konjunkturklimaindikator auf 16,6 Punkte – den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. 58 Prozent der Unternehmen rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen. Nur 16 Prozent planen Investitionen, die nahezu ausschließlich Ersatzbeschaffungen betreffen.

Im Südthüringer Gastgewerbe kommt die steigende Beliebtheit des Deutschlandtourismus bislang nicht an. Seit zwei Jahren gehen insbesondere in der Sommersaison sowohl Ankünfte als auch Übernachtungen zurück. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 54,4 Punkte. Im Personalbereich rechnen viele Unternehmen mit stabilen oder rückläufigen Beschäftigtenzahlen; ein Viertel der Betriebe erwartet einen Personalabbau. Die Investitionsneigung sinkt auf 44 Prozent und konzentriert sich vor allem auf Ersatzinvestitionen.

Auch der Dienstleistungssektor bleibt von der schwachen Nachfrage der Firmen- und Privatkunden betroffen. Der Konjunkturklimaindikator liegt bei 75,7 Punkten. Sechs Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Mitarbeiterzahlen, 22 Prozent mit einem Rückgang. Die Investitionsbereitschaft bleibt vergleichsweise hoch: 70 Prozent der Unternehmen planen Investitionen. Neben Ersatzbeschaffungen setzen 23 Prozent auf kostensenkende Maßnahmen, 16 Prozent auf Innovationen bei Gütern und Dienstleistungen sowie zwölf Prozent auf Erweiterungsinvestitionen.

 

Zur Information 

Die Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen wurde im Zeitraum vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt. Befragt wurden 908 Unternehmen aller Branchen in Südthüringen. Die Rücklaufquote lag bei 35,5 Prozent.

 

Zum Konjunkturbericht

 

Suhl, 26.05.2026

Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

Telefon +49 3681 362-664

 E-Mail E-Mail schreiben

Newsletter für Mitgliedsunternehmen Newsletter für das Ehrenamt Öffentlichkeitsarbeit Website Jahresempfang Public Relations MuT-Preis Presseanfrage Pressemitteilungen Medienkontakt Logo Südthüringer Wirtschaft