Konjunkturbericht Frühsommer 2026 für den Landkreis Sonneberg
Sorgen um einstigen Musterlandkreis
Der Landkreis Sonneberg galt lange als wirtschaftliches Vorbild in Ostdeutschland. Nach Jahren des Rückgangs bleibt eine Trendwende weiterhin aus. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigen eine anhaltend schwierige Lage für die Unternehmen.
2017 war das letzte hervorragende Jahr im Landkreis Sonneberg. Infolge eines dynamischen Wirtschaftswachstums wurde damals die niedrigste Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern erreicht. Medien in ganz Europa berichteten über das Beschäftigungswunder. Seit 2018 schrumpft jedoch die Wirtschaft.
Ausgangspunkt der Krise war eine europäische Abgasregelung, die einige Kfz-Hersteller verspätet umgesetzt hatten. Zeitweise wurde deren Absatz gestoppt, was auch die Zulieferindustrie erheblich traf. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Landkreis Sonneberg 2017 preisbereinigt um 4,6 Prozent gewachsen war, ging es 2018 um 4,2 Prozent zurück. Seitdem schrumpfte das BIP in jedem Jahr, am stärksten 2022 mit minus 5,3 Prozent. Hintergrund war damals das Ende der Gaseinfuhr aus Russland, was insbesondere energieintensiv produzierende Unternehmen stark belastete.
Die wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch im IHK-Konjunkturklimaindikator wider. Bevor amtliche Statistiken veröffentlicht werden, liefert dieser Indikator bereits ein aktuelles Bild der wirtschaftlichen Lage. Er errechnet sich aus den Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen. Werte unter 100 Punkten gelten als Zeichen einer Wirtschaftskrise. Letztmals wurde dieser Wert im Herbst 2019 erreicht. Seit Herbst 2023 liegt der Indikator dauerhaft unter 80 Punkten. Aktuell erreicht er 55,6 von 200 möglichen Punkten und damit zwei Punkte weniger als zu Jahresbeginn und elf Punkte weniger als vor einem Jahr.
Derzeit bewerten lediglich 14 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, während 58 Prozent sie als schlecht einschätzen. Für 60 Prozent hat sich die Ertragslage innerhalb der vergangenen zwölf Monate verschlechtert. Nur noch 27 Prozent der Unternehmen erzielen Gewinne. Die Mehrheit arbeitet kostendeckend, vielfach nahe an der Verlustzone. Unter diesen Bedingungen wird die laufende Finanzierung zunehmend zur Herausforderung. Lediglich 47 Prozent bewerten ihre Finanzlage noch als unproblematisch.
Für die kommenden Monate rechnen nur vier Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, während 48 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten. Der Krieg im Nahen Osten sorgt erneut für steigende Energiepreise. Entsprechend nennen 80 Prozent der Unternehmen die Energiepreise als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Weitere Risiken sehen 73 Prozent in der Inlandsnachfrage, 71 Prozent in den Rohstoffpreisen sowie jeweils 58 Prozent in der Bürokratie, der Gestaltung der Wirtschaftspolitik und den Arbeitskosten.
Die schwache Auftragsentwicklung, hohe Standortkosten und die fehlende Bereitschaft der Politik zu einem Strategiewechsel bremsen zudem die Investitionsbereitschaft. Lediglich 55 Prozent der Unternehmen planen Investitionen.
„Hoffnung macht uns, dass es 14 Prozent der Betriebe so gut geht, dass sie ihre Kapazitäten ausbauen müssen. Sorgen bereitet uns hingegen, dass 45 Prozent in diesem Jahr gar nicht mehr investieren werden. Wird mehr abgeschrieben als investiert, reduzieren sich die Produktionsmöglichkeiten. Wenn der Landkreis Sonneberg an seine alten Erfolge anknüpfen will, müssen politische Entscheider aller Ebenen einen robusten Kurswechsel vornehmen, die Abgabenlast verringern und die Standortattraktivität aus Sicht der Unternehmer in den Mittelpunkt rücken. Es muss jetzt darum gehen, dass der Einkauf von Energie und Rohstoffen sowie der Arbeitsstunden wieder zu wettbewerbsfähigen Konditionen erfolgen kann, damit der Absatz steigt und sich Investieren wieder lohnt“, betont Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch rund 3.700 Unternehmen aus dem Landkreis Sonneberg. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.700 Dienstleister mit 6.500 Beschäftigten, gefolgt von 900 Handelsunternehmen mit 1.900 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Sonneberg 450 Unternehmen mit 7.600 Beschäftigten.
Der gesamte Konjunkturbericht Frühsommer 2026 ist zu finden unter: https://www.suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 01.06.2026
+49 3681 362-664