Thüringer Wirtschaft weiter in der Krise

Konjunkturbericht Herbst 2025 der IHK Südthüringen

Der sogenannte Investitionsbooster erweist sich bislang nicht als Impulsgeber für eine konjunkturelle Belebung in Thüringen. Die Rezession der Thüringer Wirtschaft setzt sich fort. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht Herbst 2025 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen. Zwar meldete die amtliche Statistik zuletzt eine positive BIP-Wachstumsrate. Sie lässt sich nach der Analyse jedoch auf wenige Unternehmen mit außergewöhnlichen Umsatzsteigerungen zurückführen. 

Gegenwärtig bewerten 22,2 Prozent der Thüringer Unternehmen ihre Wirtschaftslage als gut, 42,4 Prozent als befriedigend und 35,4 Prozent als schlecht. In den kommenden Monaten rechnen 10,8 Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, 51,8 Prozent erwarten keine Veränderung und 37,4 eine erneute Verschlechterung. Aus diesen Werten errechnet sich der IHK-Konjunkturklimaindikator. Er erreicht 79,8 von 200 möglichen Punkten. Gegenüber dem Frühsommer 2025 ist das ein leichter Anstieg um 1,3 Punkte. Vor einem Jahr wurden 73,1 Punkte erreicht. Ein Wert unterhalb der 100-Punkte-Marke signalisiert eine unterdurchschnittliche Stimmungslage und damit fortbestehende wirtschaftliche Schwäche.

“Der Investitionsbooster ist ein gutes Instrument, aber zur falschen Zeit“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen. Die Änderung der Abschreibungsregeln, sollte einen finanziellen Anreiz für Investitionen bieten. „Da die gesamtwirtschaftliche Nachfrage derzeit jedoch schwach ist, bleiben die Unternehmen insgesamt zurückhaltend“, betont Dr. Ralf Pieterwas. 69 Prozent der Unternehmen sehen die Nachfrage sogar als größtes Konjunkturrisiko und agieren entsprechend zurückhaltend. Zwar planen 64 Prozent der Thüringer Unternehmen Investitionen. Steigende Investitionsvolumina erwarten jedoch nur 14 Prozent.

„Die Thüringer Wirtschaft wartet deshalb weiter auf dringend benötigte Reformen und Entlastungen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas. „64 Prozent der Thüringer Unternehmen sehen in der zaghaften Wirtschaftspolitik und den vielfältigen bürokratischen Belastungen erhebliche Risiken.“ Die unverändert hohen Energiekosten sind für 56 Prozent ein großes Problem. 

Der Arbeitsmarkt ist trotz der Rezession allerdings weitgehend stabil, da neben konjunkturellen Effekten auch der demografische Wandel einen starken Einfluss hat. Lediglich sechs Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten steigende Beschäftigtenzahlen, während 25 Prozent von einem Rückgang ausgehen. 

 

Blick in die Branchen

In der Thüringer Industrie hat sich innerhalb des letzten Jahres für jedes zweite Unternehmen die Ertragslage verschlechtert. 58 Prozent der Betriebe melden rückläufige Inlandsaufträge, 66 Prozent haben entweder keine oder rückläufige Auslandsaufträge. Den Auftragsbestand bewerten 59 Prozent als gering. Lediglich 34 Prozent der Unternehmen erreichen einen Auslastungsgrad von mindestens 80 Prozent.

Für die kommenden Monate zeichnen sich nur für wenige Industrieunternehmen bessere Geschäfte ab. Lediglich die Nahrungsmittelhersteller haben mit 119,2 Punkten im Konjunkturklimaindikator die Krise hinter sich gelassen. Die Werte in allen anderen Wirtschaftszweigen bleiben deutlich unterhalb der neutralen 100-Punkte-Marke und liegen für die Industriebranche bei 76 Punkten.

  • Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren: 74,8 Punkte
  • Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren: 80,7 Punkte
  • Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden: 82,0 Punkte
  • Herstellung von Metallerzeugnissen: 65,9 Punkte
  • Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen: 97,7 Punkte
  • Maschinenbau: 72,4 Punkte
  • Herstellung von sonstigen Waren (z.B. Medizintechnik und Spielzeug): 94,9 Punkte

Im Thüringer Handel verschlechterte sich die Ertragslage für 60 Prozent der Unternehmen. 15 Prozent erzielten im Vergleich zum Vorjahr Umsatzsteigerungen, 54 Prozent mussten Rückgänge hinnehmen. 70 Prozent der Betriebe berichten über eine gesunkene Ausgabebereitschaft ihrer Kunden. In den kommenden Monaten erwarten 56 Prozent eine weitere Verschlechterung der Geschäfte. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 56,8 Punkte – 63,3 Punkte im Großhandel und 52,2 Punkte im Einzelhandel.

Auch das Baugewerbe leidet, unter anderem aufgrund der späten Verabschiedung der Landes- und Bundeshaushalte sowie einer schwachen privaten Nachfrage. Für jeden zweiten Betrieb hat sich die Ertragslage verschlechtert. Neun Prozent melden eine Auftragszunahme, 52 Prozent einen Rückgang. Die Auftragsreichweite beträgt bei 29 Prozent mindestens vier Monate, bei 36 Prozent zwei bis drei Monate und bei 35 Prozent höchstens einen Monat. Der Ausblick bleibt verhalten. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 71,8 Punkte.

  • Hochbau: 71,7 Punkte
  • Tiefbau: 76,7 Punkte
  • Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe: 66,8 Punkte.

Die zurückhaltende gesamtwirtschaftliche Entwicklung belastet auch das Verkehrsgewerbe. Für 56 Prozent der Unternehmen hat sich die Ertragslage verschlechtert, für 53 Prozent ist das Beförderungsvolumen rückläufig. Eine kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht. Der Konjunkturklimaindikator liegt bei 62,0 Punkten. Etwas besser stellt sich die Lage lediglich im Personenverkehr dar.

Im Gastgewerbe profitieren die Beherbergungsbetriebe von einem wachsenden Deutschlandtourismus. In der Gastronomie ist dieser Effekt bisher kaum spürbar. Aufgrund hoher Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten hat sich auch in dieser Branche für jedes zweite Unternehmen die Ertragslage verschlechtert. In den letzten zwölf Monaten steigerten 21 Prozent der Betriebe ihren Umsatz, während er bei 34 Prozent zurückging. Die Gastronomie erwartet für die kommenden Monate überwiegend schlechtere Geschäfte. Der Konjunkturklimaindikator erreicht 84,3 Punkte – 96,6 Punkte in der Beherbergung und 73,3 Punkte in der Gastronomie.

Der Dienstleistungssektor erreicht einen Konjunkturklimaindikator von 98,1 Punkten. Der Sektor ist sehr heterogen, entsprechend unterschiedlich fällt die wirtschaftliche Lage aus:

  • Information und Kommunikation: 104,1 Punkte
  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: 104,2 Punkte
  • Grundstücks- und Wohnungswesen: 64,0 Punkte
  • Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen: 101,6 Punkte
  • Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen: 98,2 Punkte
  • Sonstige Dienstleistungen (z. B. Friseure und Kfz-Werkstätten): 47,2 Punkte

 

 

Zur Information
Der Konjunkturbericht basiert auf den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Thüringer Industrie- und Handelskammern, die zwischen dem 8. September und dem 5. Oktober 2025 durchgeführt wurden. An den Umfragen beteiligten sich 860 Thüringer Unternehmen.

 

Weitere Informationen und Zahlen zur Thüringen-Konjunktur finden Sie unter https://www.suhl.ihk.de/konjunktur.

Suhl, 27. November 2025

Dominik Konrad
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