Wirtschaft im Landkreis Hildburghausen verharrt in der Rezession - Konjunkturbericht Herbst 2025 der IHK Südthüringen
Die Wirtschaft im Landkreis Hildburghausen steckt weiter fest. Trotz verbesserter steuerlicher Anreize bleibt der erhoffte Investitionsschub aus. Die Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung. Zu unsicher sind die wirtschaftlichen Perspektiven und zu groß die Belastungen durch Kosten, Bürokratie und fehlende Nachfrage. Dies zeigt der aktuelle Konjunkturbericht Herbst 2025 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen für den Landkreis Hildburghausen.
Seit zwei Jahren beurteilt mehr als die Hälfte der Unternehmen im Landkreis Hildburghausen ihre Geschäftslage als schlecht. Auch im Herbst 2025 hat sich daran kaum etwas geändert: 13 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Situation als gut, 30 Prozent als befriedigend und 57 Prozent als schlecht. Für die kommenden Monate rechnen lediglich fünf Prozent mit einer Verbesserung, während fast die Hälfte (49 Prozent) eine weitere Verschlechterung erwartet.
Der Konjunkturklimaindikator liegt aktuell bei 55,4 von 200 Punkten und damit einen Punkt weniger als im Frühsommer 2025. Damit befindet sich die regionale Wirtschaft weiter deutlich unter der Marke von 100 Punkten, die eine stabile Entwicklung kennzeichnen würde. Diese Schwelle wird bereits seit Anfang 2019 nicht mehr erreicht. Ein klarer Indikator für eine anhaltende Rezession.
Die Ursachen für die langanhaltende Schwäche sind vielfältig. Besonders hohe Standortkosten belasten die Unternehmen: 74 Prozent sehen in den Energiepreisen, 53 Prozent in den Rohstoffkosten ein Risiko für ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Zudem wirken wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zunehmend als Kostenfaktor. 61 Prozent der Betriebe empfinden Bürokratie als Hemmnis für effizientes Wirtschaften. Werden steigende Kosten an die Kunden weitergegeben, trifft dies auf eine ohnehin schwache Inlandsnachfrage, die 65 Prozent der Unternehmen als Risiko einschätzen. Hinzu kommen anhaltende Fachkräfteengpässe, die für jedes zweite Unternehmen eine zusätzliche Belastung darstellen.
„Steigende Kosten bei gleichzeitig schwacher Nachfrage sind harte Marktsignale. In einer solchen Situation investieren Unternehmen nur, wenn sie sich positiv entwickelnde und verlässliche Rahmenbedingungen erwarten können. Da hilft ein Investitionsbooster zum jetzigen Zeitpunkt in der Fläche wenig“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Seit Juli 2025 können Unternehmen im Anschaffungsjahr 30 Prozent der Investitionskosten steuerlich geltend machen, bei Elektrofahrzeugen sogar 75 Prozent. Dennoch planen im Landkreis Hildburghausen nur 36 Prozent der Betriebe innerhalb der nächsten zwölf Monate Investitionen. Ein neuer Tiefstand. Viele Unternehmen sehen derzeit keine wirtschaftliche Perspektive, die Investitionen rechtfertigen würde.
Auch der Arbeitsmarkt spiegelt diese Zurückhaltung wider: Nur fünf Prozent der Betriebe erwarten steigende Beschäftigtenzahlen, während 36 Prozent mit einem Rückgang rechnen. Neben dem Nachfragemangel tragen auch altersbedingte Abgänge zum Beschäftigungsrückgang bei.
Zur Information:
Die Ergebnisse beruhen auf der Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 8. September bis 5. Oktober 2025 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören rund 4.100 Unternehmen aus dem Landkreis Hildburghausen. Die regionale Wirtschaftsstruktur setzt sich zusammen aus 1.800 Dienstleistern mit 7.100 Beschäftigten, rund 900 Handelsunternehmen und einer starken industriellen Basis.
Die Ergebnisse des Konjunkturberichts finden Sie detailliert hier: www.suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 4. November 2025
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