IHK Südthüringen fordert Aussetzen und Einfrieren der Mindestlohnerhöhung
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen fordert die Bundesregierung auf, die zum 1. Januar 2027 vorgesehene Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auszusetzen und das aktuelle Niveau für die nächsten fünf Jahre festzuschreiben. Weitere Anpassungen müssen sich daran orientieren, ob die Unternehmen sie durch eine höhere Produktivität erwirtschaften können, ohne Beschäftigung zu gefährden. Die Anhebung auf 14,60 Euro je Stunde zuzüglich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung erhöht die Arbeitskosten erneut. Aus Sicht der IHK brauchen Unternehmen angesichts ihrer angespannten wirtschaftlichen Lage mehr Spielraum, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.
Die vorgesehene Erhöhung um rund fünf Prozent trifft Unternehmen unabhängig davon, ob ihre Produktivität und Ertragslage entsprechend gewachsen sind. Ihre Wirkung reicht zudem über die unmittelbar betroffenen Beschäftigten hinaus. Wenn die unterste Lohngruppe aufrückt, entsteht auch in höheren Lohngruppen Anpassungsdruck. Schließlich müssen sich Qualifikation, Erfahrung und Verantwortung weiterhin im Entgelt widerspiegeln. Damit kann die Anhebung des Mindestlohns die Personalkosten weit über die unmittelbar betroffenen Lohngruppen hinaus erhöhen.
„Löhne müssen erwirtschaftet werden. Diese wirtschaftliche Grundbedingung lässt sich durch staatliche Vorgaben nicht außer Kraft setzen. Wer die Lohnuntergrenze weiter anhebt, ohne die Leistungsfähigkeit der Unternehmen hinreichend zu berücksichtigen, setzt gerade jene Beschäftigungsmöglichkeiten aufs Spiel, die er schützen will. Die Bundesregierung muss den Betrieben wieder mehr Raum für wirtschaftliche Erholung geben. Dazu gehört, auf die nächste Mindestlohnerhöhung zu verzichten und das Niveau für die nächsten fünf Jahre beizubehalten. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit muss wieder den Maßstab setzen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zu einer marktwirtschaftlichen Lohnordnung gehört nach Auffassung der Südthüringer Wirtschaft, dass Unterschiede in Qualifikation und Leistung ebenso berücksichtigt werden wie die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betriebe. Ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn kann unterschiedliche regionale und branchenspezifische Bedingungen nur unzureichend abbilden. Umso wichtiger ist es, den Spielraum für frei ausgehandelte Löhne zu erhalten, die den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betriebs ebenso Rechnung tragen wie der individuellen Leistung.
„Unternehmen haben ein eigenes Interesse daran, gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Der Wettbewerb um Arbeitskräfte schafft dafür wirksame Anreize. Betriebe in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage brauchen dagegen die Möglichkeit, sich zu konsolidieren. Steigende Lohnkosten bei zugleich hohen und steigenden Sozialabgaben entziehen ihnen Mittel, die für Investitionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen fehlen. Wer höhere Einkommen dauerhaft ermöglichen will, muss bessere Voraussetzungen für Produktivität und Wachstum schaffen“, bekräftigt Dr. Ralf Pieterwas.
Die IHK Südthüringen sieht zugleich die Bundesregierung in der Pflicht, dem Anstieg der Arbeitskosten durch strukturelle Reformen entgegenzuwirken. Staatliche Leistungsversprechen müssen sich an dem orientieren, was Beschäftigte und Unternehmen dauerhaft erwirtschaften können. Notwendige Reformen dürfen nicht durch immer höhere Beiträge, Steuern und Abgaben ersetzt werden. Andernfalls wird die wirtschaftliche Grundlage immer weiter geschwächt, auf die der Sozialstaat selbst angewiesen ist.
In Südthüringen reichen die Auswirkungen von Mindestlohnerhöhungen weit in die Unternehmenslandschaft hinein. Nach einer Umfrage der IHK Südthüringen aus dem Herbst 2025 müssen zwei von drei Unternehmen bei einer Anhebung ihre Löhne erhöhen. Jedes zweite Unternehmen kündigte damals Preissteigerungen an. Vereinzelt berichteten Betriebe zudem von Personalabbau und Einschränkungen ihres Angebots.
„Höhere Lohnuntergrenzen schaffen noch keinen zusätzlichen Wohlstand. Wenn Unternehmen darauf mit höheren Preisen, einem kleineren Angebot oder weniger Beschäftigung reagieren müssen, verschärft das politische Versprechen die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme“, betont Dr. Ralf Pieterwas.
Suhl, 04.11.2026
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