IHK Südthüringen fordert dauerhafte Zukunft für Verbrenner

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen begrüßt den berichteten deutsch-französischen Vorstoß zur weiteren Lockerung der europäischen CO₂-Flottengrenzwerte. Zugleich fordert sie eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Regulierung. Das faktische Verbrennerverbot muss aus Sicht der Kammer vollständig aufgehoben und der Markthochlauf synthetischer Kraftstoffe ermöglicht werden. Neue kostentreibende Auflagen erschweren die notwendige wirtschaftliche Erholung der Unternehmen. 

„Dass Deutschland und Frankreich dem Verbrennungsmotor mehr Spielraum eröffnen wollen, ist überfällig. Eine Lockerung allein schafft aber noch keine prosperierende Zukunft. Wer heute in Entwicklung und Produktionsanlagen investiert, braucht Klarheit weit über 2035 hinaus. Unsere Unternehmen brauchen keine Technologievorgaben, sondern Entscheidungsfreiheit“, erklärt Torsten Herrmann, Präsident der IHK Südthüringen.

Die IHK verweist auf den wachsenden Wettbewerbsdruck aus China. Dort treffen erhebliche Produktionskapazitäten und Know-how bei Elektroautos und Batterien auf einen harten Preiswettbewerb. Überkapazitäten verstärken den Druck chinesischer Hersteller auf internationale Absatzmärkte. Für Europa wird es deshalb umso wichtiger, seine industriellen Kompetenzen umfassend zu nutzen.

„Wir können uns im Wettbewerb mit China nicht leisten, eigene Stärken durch politische Vorgaben stillzulegen. Deutschland verfügt über jahrzehntelange Erfahrung bei effizientesten Verbrennungsmotoren und erhebliche Kompetenz bei synthetischen Kraftstoffen. Daraus können neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen, wenn man sie nicht politisch abwürgt. Gerade für unsere Zulieferunternehmen in Südthüringen muss es sich weiterhin lohnen, diese Technologien voranzubringen“, betont Torsten Herrmann.

E-Fuels eröffnen nach Einschätzung der IHK zugleich eine globale Klimaschutzperspektive. Synthetische Kraftstoffe können in bestehenden Fahrzeugen eingesetzt und über vorhandene Tankstellen vertrieben werden. Bei einer Herstellung mit klimaneutraler Energie können sie die Treibhausgasemissionen deutlich senken.

„Klimaschutz muss auch die Fahrzeuge erreichen, die weltweit längst auf den Straßen unterwegs sind. Vielerorts können die Menschen weder kurzfristig ein neues Auto kaufen noch auf ein flächendeckendes Ladenetz zurückgreifen. In Deutschland treibt der Ausbau den Strompreis. E-Fuels bieten die Chance, vorhandene Verbrenner klimafreundlicher weiterzubetreiben und den Kostendruck an der Tankstelle bei den Fossilen erheblich zu lindern. Dieses Potenzial dürfen wir nicht durch regulatorische Hürden ausbremsen“, unterstreicht Torsten Herrmann.

Für den industriellen Hochlauf fordert die IHK verlässliche und erfüllbare Regeln zur Anerkennung und wirtschaftliche Produktionsbedingungen. Internationale Partnerschaften können die Herstellung an Standorten mit reichlich klimafreundlicher Energie ermöglichen. Deutsche Unternehmen können dafür Verfahren und Anlagen liefern. Ausreichende und bezahlbare Kraftstoffmengen sind entscheidend, damit diese Technologie im Markt bestehen kann.

Kritisch bewertet die IHK die vorgesehenen Kompensationsmöglichkeiten über CO₂-armen europäischen Stahl und andere Materialien, wenn zusätzliche Spielräume für Verbrenner an solche Bedingungen geknüpft werden. „Eine Entlastung verliert ihren Wert, wenn Unternehmen dafür an anderer Stelle höhere Kosten und neue Nachweispflichten aufgebürdet bekommen. Alles, was Produktion verteuert, muss unterbleiben und bestehende Restriktionen zurückgenommen werden. Unsere Betriebe müssen wirtschaftlich gesunden und wieder Kraft für Investitionen gewinnen“, fordert Torsten Herrmann.

Auch eng gefasste europäische Herkunftsvorgaben sind angesichts internationaler Lieferketten kritisch zu prüfen. Die IHK Südthüringen lehnt eine politisch gesteuerte Bevorzugung einzelner Antriebe durch Kaufprämien ebenso ab wie zusätzliche Benachteiligungen von Fahrzeugen mit fossilen Kraftstoffen. Diese würden auf absehbare Zeit weiterhin benötigt.

„Die politischen Entscheider müssen dafür sorgen, dass Unternehmen hier wettbewerbsfähig produzieren können. Das beginnt bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen und reicht bis zum konsequenten Abbau belastender Vorschriften. Nur wirtschaftlich starke Unternehmen können dauerhaft in Innovationen und Klimaschutz investieren“, erklärt Herrmann abschließend.

 

Suhl, 07.10.2026

Dominik Konrad
Dominik Konrad
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