Bessere Geschäftslage eröffnet Chancen auf Erholung
Konjunkturbericht Herbst 2026 für den Ilm-Kreis
Die Unternehmen im Ilm-Kreis beurteilen ihre wirtschaftliche Situation im Herbst 2026 besser als im Frühsommer. Unter den Südthüringer Flächenlandkreisen erreicht der Ilm-Kreis damit den höchsten Konjunkturklimaindikator. Die Verbesserung beruht vor allem auf einer günstigeren Geschäftslage. Die Erwartungen bleiben dagegen verhalten. Chancen auf eine weitere Erholung sind erkennbar, ein selbsttragender Aufschwung ist jedoch noch nicht gesichert. Dies zeigt der Konjunkturbericht Herbst 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen für den Ilm-Kreis.
Seit 2018 durchläuft die Wirtschaft im Ilm-Kreis eine anhaltende Schwächephase. Zwischenzeitliche Erholungen erwiesen sich bislang als nicht dauerhaft. Während sich die deutsche Wirtschaft in den vergangenen vier Quartalen wieder besser entwickelte, blieben erhebliche regionale Unterschiede bestehen. Im Ilm-Kreis hat sich die Geschäftslage inzwischen ebenfalls wieder verbessert.
Aktuell bewerten 26 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut. Positive Einschätzungen kommen aus unterschiedlichen Branchen, insbesondere aus der Industrie, dem Baugewerbe, dem Handel und den Dienstleistungen. Für 44 Prozent ist die Lage saisonüblich beziehungsweise befriedigend, für 30 Prozent schlecht.
Die Entwicklung von Aufträgen und Umsätzen zeigt allerdings noch kein einheitliches Bild. Im Geschäft mit Firmenkunden verzeichnen 22 Prozent der Unternehmen höhere Auftragseingänge als vor einem Jahr. Für 44 Prozent blieben sie unverändert, für 34 Prozent gingen sie zurück. In den konsumnahen Branchen melden 19 Prozent gestiegene und 56 Prozent unveränderte Umsätze. Bei 26 Prozent sind die Umsätze gesunken. Die Ertragslage verbesserte sich für zehn Prozent der Unternehmen und blieb für 61 Prozent stabil. Für 29 Prozent verschlechterte sie sich.
In den kommenden Monaten erwarten sieben Prozent bessere und 60 Prozent unveränderte Geschäfte. Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung. Damit bleibt die Einschätzung der weiteren Entwicklung deutlich hinter der verbesserten Lagebeurteilung zurück.
Der Konjunkturklimaindikator erreicht 84,6 von 200 möglichen Punkten. Das sind 15,2 Punkte mehr als in der letzten Umfrage Ende Mai, jedoch 1,6 Punkte weniger als vor einem Jahr. Berechnet wird er als geometrischer Mittelwert aus der Lagebeurteilung und den Geschäftserwartungen. Unterhalb der 100-Punkte-Marke überwiegen weiterhin die Krisensymptome.
Innerhalb des Landkreises bestehen deutliche Unterschiede. Ilmenau erreicht mit 103,3 Punkten den höchsten Wert und überschreitet damit die Schwelle von 100 Punkten, die eine positive konjunkturelle Gesamteinschätzung signalisiert. Es folgen Amt Wachsenburg mit 80 Punkten und Arnstadt mit 60,7 Punkten.
„Die bessere Geschäftslage ist ein ermutigend. Ob daraus ein dauerhafter Aufschwung entsteht, entscheidet sich jedoch dadurch, ob die Unternehmen wieder verlässlich planen und vor allem rentabel investieren können. Die Unsicherheit hinsichtlich der Nachfrageentwicklung und der künftigen Energiekosten bleibt groß. Umso wichtiger ist eine Wirtschaftspolitik, die den Betrieben eine belastbare Perspektive eröffnet. Die Wirtschaftsverbände und auch die IHK Südthüringen haben den Reformbedarf klar benannt. Jetzt müssen daraus Entscheidungen werden. Beim Bürokratieabbau reicht es nicht, einzelne Verfahren zu digitalisieren. Auch die zugrunde liegenden Pflichten müssen auf den Prüfstand. Die Politik muss bereit sein, bestehende Einzelinteressen zurückzustellen, wenn sie unternehmerische Initiative und wirtschaftliches Wachstum behindern“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Die Investitionspläne bieten einen Ansatzpunkt für eine weitere Erholung. In den kommenden Monaten wollen 78 Prozent der Unternehmen investieren. 56 Prozent planen Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen, 31 Prozent kostensenkende Maßnahmen. 24 Prozent wollen in neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren investieren. Weitere 15 Prozent planen Kapazitätserweiterungen, um die Produktion ausweiten zu können.
Bei der Beschäftigung überwiegt die Stabilität. Fünf Prozent der Unternehmen erwarten eine wachsende Belegschaft, 81 Prozent unveränderte Mitarbeiterzahlen. Mit einem Personalrückgang rechnen 14 Prozent. Dabei wirken sich zunehmend auch demografische Faktoren aus.
Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 7. September bis 4. Oktober 2026 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.000 Mitgliedsunternehmen gehören auch rund 6.400 Unternehmen aus dem Ilm-Kreis. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.200 Dienstleister mit 15.600 Beschäftigten, gefolgt von 1.400 Handelsunternehmen mit 3.900 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Ilm-Kreis 630 Unternehmen mit 14.300 Beschäftigten.
Den Konjunkturbericht finden Sie unter www.suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 21.10.2026
+49 3681 362-664