Sonnebergs Wirtschaft weiter mit strukturellen Problemen

Konjunkturbericht Herbst 2026 für den Landkreis Sonneberg

 

Die wirtschaftliche Stimmung im Landkreis Sonneberg hat sich verbessert, eine Trendwende ist jedoch weiterhin nicht erkennbar. Der langjährige Rückgang von Wirtschaftsleistung und Beschäftigung belastet den Industriestandort. Zugleich bleiben die Geschäftserwartungen überwiegend verhalten. Sorgen bereiten den Unternehmen insbesondere die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Das zeigt die Konjunkturumfrage Herbst 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen.

Die wirtschaftliche Krise im Landkreis Sonneberg reicht bis in das Jahr 2018 zurück. Seither ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jedem Jahr gesunken. Seit 2020 geht außerdem die Beschäftigung zurück. Bislang gingen 17 Prozent oder 3.694 Arbeitsplätze verloren, während die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum lediglich um 11.4 Prozent oder 393 Personen zunahm. Sowohl der Rückgang der Wirtschaftsleistung als auch der Beschäftigungsverlust fallen im Landkreis Sonneberg stärker aus als in den übrigen Regionen des Kammerbezirks.

Der Konjunkturklimaindikator erreicht im Herbst 66,4 von 200 möglichen Punkten. Das sind elf Punkte mehr als im Frühsommer 2026 und zwei Punkte mehr als vor einem Jahr. Die Verbesserung reicht jedoch nicht aus, um von einer wirtschaftlichen Wende zu sprechen. Solange der Indikator unter der 100-Punkte-Marke bleibt, überwiegen die Krisensymptome. Berechnet wird er als geometrischer Mittelwert aus der Lagebeurteilung und den Geschäftserwartungen der Unternehmen.

Derzeit bewerten lediglich 13 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Für 48 Prozent ist sie saisonüblich beziehungsweise befriedigend, für 39 Prozent schlecht. In den kommenden Monaten rechnen sechs Prozent mit besseren Geschäften. Jeweils 47 Prozent erwarten eine unveränderte oder eine schlechtere Entwicklung. Damit fehlt bislang die Zuversicht, die einen Aufschwung tragen könnte.

„Die stark industriell geprägte Wirtschaft im Landkreis Sonneberg befindet sich, wie die deutsche Industrie, in einer strukturellen Krise. Viele Betriebe sind als Automobilzulieferer eng mit der Entwicklung deutscher Fahrzeughersteller verbunden. Die deutschen Automobilhersteller produzierten 2025 weltweit rund 3,2 Millionen Pkw weniger als 2017. Unternehmen passen deshalb ihre Geschäftsmodelle an und müssen neue Absatzmöglichkeiten erschließen. Das verlangt erhebliche unternehmerische Anstrengungen und finanzielle Spielräume, die in der anhaltenden Krise zunehmend fehlen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen. 

Die positive Entwicklung bei Herstellern von Medizinprodukten und Spielwaren sowie in der Elektroindustrie kann die Rückgänge bislang nicht ausgleichen. 

„Umso wichtiger sind Bedingungen, unter denen sich private Investitionen wieder rechnen. Standortkosten müssen durch politische Entscheidungen gesenkt und den Unternehmen mehr Freiheit für eigene Lösungen gelassen werden. Dazu gehören auch technologieoffene Rahmenbedingungen für die Automobilwirtschaft. Die Existenz verschiedener Antriebsarten sorgt dann wiederum bei Kunden für Wahlfreiheit in ihrem Lebensalltag“, betont Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung nennen 63 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. In den Freitextantworten wird wiederholt auf die Bürokratiebelastung verwiesen. Weitere wesentliche Risiken sind die Inlandsnachfrage mit 61 Prozent und die Energiepreise mit 54 Prozent.

Die schwache Ertragsentwicklung begrenzt die Möglichkeiten der Unternehmen, in ihre Zukunft zu investieren. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Ertragslage lediglich für sechs Prozent verbessert, während sie sich für 49 Prozent verschlechtert hat. Für die kommenden Monate planen nur 57 Prozent Investitionen. Im Vordergrund stehen Ersatzbeschaffungen.

Auch am Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Belebung ab. 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem weiteren Beschäftigungsrückgang. Die übrigen 79 Prozent erwarten stabile Mitarbeiterzahlen.

 

Zur Information:

Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 7. September bis 4. Oktober 2026 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.000 Mitgliedsunternehmen gehören rund 3.600 Unternehmen aus dem Landkreis Sonneberg. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 1.600 Dienstleister mit 6.600 Beschäftigten, gefolgt von 900 Handelsunternehmen mit 1.800 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Landkreis Sonneberg 450 Unternehmen mit 7.300 Beschäftigten.

 

Den Konjunkturbericht finden Sie unter www.suhl.ihk.de/konjunktur.

 

Suhl, 22.10.2026

Dominik Konrad
Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

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