Verteidigungsindustrie: Thüringen sollte Chancen ergreifen

Ablehnende Debatten um mögliche Ansiedlungen von Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, unter anderem in Sangerhausen, rücken die wirtschaftlichen Chancen entsprechender Investitionen in Thüringen verstärkt in den Blick. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen plädiert dafür, die Diskussion mit wirtschaftspolitischer Nüchternheit zu führen und Thüringen als Standort selbstbewusst ins Gespräch zu bringen.

„Wo Investitionen andernorts politisch nicht gewünscht sind, sollte Thüringen Offenheit zeigen und die Investitionen nach Thüringen holen. Die Welt wird nicht dadurch besser, dass man Investitionen aus moralischen Gründen ablehnt. Vielmehr ist es die Aufgabe der Politik, die Konflikte der Welt politisch zu lösen. Im Innenverhältnis besteht die Aufgabe darin, Investitionen zu ermöglichen und neue wirtschaftliche Perspektiven durch gute Bedingungen zum Wirtschaften zu eröffnen. Darüber können letztlich Staatsaufgaben solide finanziert werden“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Die Chancen beschränken sich aus Sicht der IHK Südthüringen dabei nicht ausschließlich auf mögliche Großansiedlungen. Zahlreiche Unternehmen in Thüringens Süden verfügen über ausgewiesene industrielle Erfahrung und technologische Kompetenz, die für anspruchsvolle Zulieferketten erforderlich sind. Viele von ihnen fertigen hoch spezialisierte Komponenten und arbeiten nach höchsten Qualitätsstandards. Dieses Wissen ist auch für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie anschlussfähig.

„Entscheidend ist, dass der heimische Mittelstand die entstehenden Chancen ergreifen und seine Fähigkeiten in Wertschöpfungsketten einbringen kann. Gerade für Betriebe, die unter dem Strukturwandel und rückläufigen Aufträgen leiden, können sich daraus mittel- und langfristig neue Geschäftsfelder ergeben. Das hilft, Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung in Südthüringen zu sichern“, stellt Dr. Ralf Pieterwas heraus.

Für den Freistaat würde sich zugleich die Möglichkeit eröffnen, von international erfolgreichen Innovationsstandorten zu lernen. Israel zeigt, wie eine ausgeprägte Gründungs- und Start-up-Kultur den Weg von einer Idee zur marktfähigen Anwendung erheblich verkürzen kann. Das gilt besonders für Dual-Use-Technologien, die sowohl zivil als auch im Sicherheitsbereich eingesetzt werden können. Die enge Verbindung von Wissenschaft und Unternehmertum sowie die Bereitschaft, neue Lösungen frühzeitig praktisch zu erproben, sollte in Thüringen Impulse setzen.

Diese Perspektive greift die IHK Südthüringen auch bei ihrem diesjährigen Jahresempfang der Wirtschaft in der kommenden Woche in Suhl auf. Mit Grisha Alroi-Arloser konnte ein ausgewiesener Kenner der israelischen Wirtschaft und der deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen als Festredner gewonnen werden. Der langjährige Geschäftsführer der Israelisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer verfügt über umfassende Einblicke in die Innovations- und Start-up-Kultur des Landes.

„Israel beweist, dass wirtschaftliche Stärke unter schwierigen Bedingungen dort entsteht, wo Erfindergeist auf unternehmerischen Mut trifft. Thüringen verfügt selbst über eine hervorragende Forschungslandschaft und einen leistungsfähigen industriellen Mittelstand. Wir müssen beides entschlossener miteinander verbinden und aus guten Ideen schneller Wertschöpfung entstehen lassen“, bekräftigt Dr. Ralf Pieterwas.

 

Suhl, 10.09.2026

Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

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