Thüringer IHKs legen 13-Punkte-Plan vor
Reformstau und geopolitische Lage erfordern entschlossenes Handeln
Suhl, 07.04.2026 - Die drei Präsidenten der Thüringer Industrie- und Handelskammern legen einen umfassenden 13-Punkte-Plan zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts vor. Mit diesem Forderungskatalog richten die drei Thüringer Industrie- und Handelskammern klare Erwartungen an die politisch Verantwortlichen, jetzt tiefgreifende Reformen auf den Weg zu bringen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Thüringens und Deutschlands nachhaltig zu stärken und auf die schwerwiegenden wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen mit wirksamen und schnell umzusetzenden Maßnahmen zu reagieren.
Die wirtschaftliche Lage ist von tiefgreifenden geopolitischen Spannungen und einer anhaltend fragilen Weltwirtschaft geprägt. Globale Unsicherheiten, gestörte Lieferketten und zunehmender Protektionismus verschärfen den Wettbewerbsdruck auf die exportorientierte Thüringer Wirtschaft erheblich. Gleichzeitig befindet sich Deutschland seit Jahren in einem Reformstau. Hinzu kommt eine ausufernde Regulierungsdichte durch Vorgaben aus Europa und dem Bund, die die Unternehmen zusätzlich belastet.
„Die internationalen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Umso gravierender wirkt sich aus, dass notwendige Reformen in Deutschland über Jahre hinweg verschleppt wurden. Der Reformstau ist zu einem massiven Standortnachteil geworden“, erklären die Präsidenten der Thüringer Industrie- und Handelskammern Torsten Herrmann, Peter Zaiß und Dr. Ralf-Uwe Bauer.
Vor diesem Hintergrund fordert die Thüringer Wirtschaft, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zur zentralen Leitlinie politischen Handelns zu machen. Politische Entscheidungen müssen sich konsequent daran messen lassen, ob sie Unternehmen entlasten, Innovation ermöglichen, Investitionen fördern und damit die Wertschöpfung im Land sichern und heben sowie Arbeitsplätze erhalten. Dazu gehört insbesondere der Abbau regulatorischer Überfrachtung sowie der Verzicht auf zusätzliche nationale oder landesrechtliche Verschärfungen über bestehende EU-Vorgaben hinaus.
Energie- und Arbeitskosten sind zentrale Belastungsfaktoren
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wird insbesondere durch hohe Energie- und Arbeitskosten beeinträchtigt. Eine spürbare Entlastung bei den Energiekosten, unter anderem durch die Reduktion staatlich beeinflusster Preisbestandteile und eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau, ist aus Sicht der Thüringer Wirtschaft dringend erforderlich. Hohe Systemkosten und eine stark regulierte Ausgestaltung der Energiewende treiben die Preise zusätzlich. Es braucht daher eine Ausweitung des Energieangebots und eine verlässliche Gesamtstrategie.
Gleichzeitig bedarf es einer Stabilisierung der Arbeitskosten. Weitere Belastungen durch steigende Löhne und Sozialabgaben schwächen die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich. Die Landesregierung muss sich nach Auffassung der Thüringer Kammern auf Bundesebene dafür einsetzen, das aktuelle Niveau des gesetzlichen Mindestlohns für die nächsten fünf Jahre festzuschreiben. Statt weiterer Belastungen sind steuerliche Entlastungen und strukturelle Reformen im Bereich der Sozialabgaben erforderlich.
Reformstau konsequent auflösen
Ein zentraler Kritikpunkt der Thüringer IHKs ist der über Jahre gewachsene Reformstau in Deutschland. Dieser zeigt sich insbesondere in überbordender Bürokratie, langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie einer unzureichend digitalisierten Verwaltung.
Die Thüringer Wirtschaft fordert eine deutliche Beschleunigung des Bürokratieabbaus sowie eine grundlegende Modernisierung staatlicher Strukturen. Gesetzgebungsverfahren müssen effizienter gestaltet und konsequent auf Entlastung ausgerichtet werden. Gleichzeitig ist die Digitalisierung der Verwaltung als strukturelle Reform zu begreifen, die weit über Einzelmaßnahmen hinausgeht und flächendeckend umgesetzt werden muss. Das Zweite Thüringer Entlastungsgesetz muss mit messbarer Wirkung für die Wirtschaft und klarem Fokus auf Entlastung noch in diesem Jahr beschlossen werden.
Auch eine Funktional- und Verwaltungsreform ist aus Sicht der Thüringer Wirtschaft überfällig. Staatliche Strukturen müssen effizienter organisiert und stärker an die demografische Entwicklung angepasst werden.
Wachstum muss das Leitmotiv sein
Neben strukturellen Reformen fordern die drei IHKs außerdem konkrete Verbesserungen der Thüringer Standortbedingungen. Dazu zählen unter anderem der Abbau landesrechtlicher Sonderwege, eine stärkere wirtschaftsnahe Ausrichtung der Weiterbildung sowie Maßnahmen zur Steigerung der Wertschöpfung.
Ein schlankes und realitätsnahes Ladenöffnungsgesetz, die Reform kommunaler Abgaben sowie bessere Rahmenbedingungen für Auszubildende mit Migrationshintergrund sind weitere zentrale Bausteine des 13-Punkte-Plans.
Zudem muss der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen deutlich gestärkt werden, um Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Innovationen zu überführen und die Innovationskraft des Standorts nachhaltig zu sichern.
Klare Erwartungen an die Politik
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen und des bestehenden Reformstaus richtet die Thüringer Wirtschaft klare Erwartungen an die Politik.
„Deutschland kann sich strukturelle Verzögerungen nicht länger leisten. In einer wettbewerbsintensiven und geopolitisch angespannten Welt braucht es jetzt entschlossene und weitreichende Reformen. Die Zeit der Klientelbedienung muss vorbei sein, wenn künftiges Erwirtschaften und Wohlstandsgewinne im Land noch eine Rolle spielen sollen. Thüringen muss vorangehen, die Richtung im Bund setzen und zugleich selbst konsequent Reformen anstoßen und umsetzen“, betonen die Präsidenten der Kammern.
Die Thüringer Wirtschaft erwartet, dass die vorgelegten Maßnahmen im weiteren Verlauf des Paktes für Wachstum und Arbeitsplätze konsequent aufgegriffen und zügig umgesetzt werden.
Zur Information:
Im Anhang finden sie den 13-Punkte-Plan der Thüringer Wirtschaft.
Suhl, 07.04.2026
13-Punkte-Plan zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts
+49 3681 362-664