Konjunkturbericht Frühsommer 2026 für das Oberzentrum Südthüringen
Kommunale Ebene kann wichtige Impulse setzen
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stellen im Frühsommer 2026 das Hauptrisiko für die Unternehmen im Oberzentrum Südthüringen dar. Nachdem das Versprechen eines „Herbstes der Reformen“ im vergangenen Jahr nicht eingelöst wurde, verschärfen die Mindestlohnerhöhung sowie die Folgen des Nahost-Krieges die Situation. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt die negative Entwicklung im Oberzentrum Südthüringen auf.
„Die Belastungen für mittelständische Betriebe nehmen weiter zu und politische Entlastungen bleiben bislang aus“, berichtet ein Hotelier aus Oberhof. Ein Einzelhändler aus Schleusingen kritisiert insbesondere die mangelnde Planbarkeit und die aus seiner Sicht fehlende Praxisnähe wirtschaftspolitischer Entscheidungen. Auch ein Hersteller von Metallerzeugnissen aus Zella-Mehlis sieht derzeit zu wenig Mut zu grundlegenden Reformen. Ein weiterer Unternehmer aus Oberhof verweist auf die enorme Verunsicherung in vielen Betrieben durch die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen.
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stellen für 69 Prozent der Unternehmen inzwischen das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Direkt dahinter folgen die Arbeitskosten mit 68 Prozent, die Inlandsnachfrage mit 56 Prozent sowie die Energiepreise mit 55 Prozent.
„Tatsächlich drehen sich die wirtschaftspolitischen Maßnahmen bislang um bessere Abschreibungskonditionen für Investitionen, eine reduzierte Mehrwertsteuer im Gastgewerbe, das Versprechen kreditfinanzierter Infrastrukturausgaben sowie einen bis zum 30. Juni befristeten Tankrabatt. Grundlegende wirtschaftsfreundliche Reformen hat die Bundesregierung bislang nicht auf den Weg gebracht. Daher ist die Frage berechtigt, wann die Bundesregierung beginnt, die Standortbedingungen für Unternehmer wieder spürbar zu verbessern“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Entwicklungen im Oberzentrum Südthüringen, dass auf regionaler und kommunaler Ebene wichtige Zukunftsimpulse gesetzt werden. Beispielsweise die seitens des Freistaats Thüringen unterstützte Entscheidung, im Gewerbegebiet Suhl-Nord das Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe anzusiedeln. Mit dem Förderbescheid für das Projekt entsteht ein bedeutender Baustein zur Stärkung des Oberzentrums. „Das Kompetenzzentrum eröffnet Perspektiven für Unternehmen entlang der Holz- und Bauwertschöpfungsketten. Wenn gleichzeitig der Zugang anderer Industriesparten im Gewerbegebiet gegeben ist, werden in der Breite Jobs und Einnahmen geschaffen“, betont Dr. Ralf Pieterwas.
Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhält die kommunale Ebene eine hervorgehobene Bedeutung. Städte, Gemeinden und Landkreise können viele Belastungen, die aus übergeordneten politischen Entscheidungen resultieren, zwar nicht beseitigen, aber durch pragmatische und lösungsorientierte Entscheidungen abfedern. Eine unternehmensfreundliche Kultur des Verwaltungsvollzugs kann wesentlich dazu beitragen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Investitionsentscheidungen zu befördern und damit betriebliche Entwicklungen konstruktiv zu begleiten. Gerade vor Ort bestehen Möglichkeiten, gemeinsam mit Unternehmen konkrete Verbesserungen zu erreichen und darüber die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu stärken.
„Während auf Bundesebene dringend weitere wirtschaftspolitische Reformen erforderlich sind, sehen wir zugleich, dass kommunale Akteure und Partner vor Ort Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit den Unternehmen an Lösungen arbeiten können. Hier gilt es, verstärkt Vertrauen zu schaffen und neue Entwicklungsperspektiven zu eröffnen“, hebt Dr. Ralf Pieterwas hervor.
Angesichts der insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen ist der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen dennoch deutlich gefallen. Mit 62,2 von 200 möglichen Punkten liegt er 18 Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn und 16 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während sich für Suhl 80 Punkte ergeben, erreicht Oberhof 59 Punkte, Zella-Mehlis 48 Punkte und Schleusingen lediglich 40 Punkte. Der Konjunkturklimaindikator errechnet sich als geometrisches Mittel aus den Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen.
Derzeit bewerten 16 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 39 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend und 45 Prozent als schlecht. Infolge gravierender Kostensteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Löhnen hat sich die Ertragslage bei 55 Prozent der Unternehmen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Auch für die kommenden Monate ist keine Trendwende erkennbar. Zwar rechnen zehn Prozent mit besseren Geschäften, jedoch erwarten 56 Prozent eine weitere Verschlechterung.
Vor diesem Hintergrund fallen die Investitionsplanungen für die kommenden zwölf Monate zurückhaltend aus. Lediglich 61 Prozent der Unternehmen planen Investitionen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre war dieser Anteil nie geringer. Die Betriebe konzentrieren sich dabei überwiegend auf Ersatzinvestitionen zur Sicherung des bestehenden Kapitalstocks. 22 Prozent planen zusätzlich kostensenkende Maßnahmen. Investitionen in neue Produkte oder zusätzliche Kapazitäten, die für neue wirtschaftliche Dynamik sorgen könnten, bleiben hingegen weitgehend aus.
Auch dem Arbeitsmarkt fehlt derzeit der Schwung. Hier wirken demografische und konjunkturelle Faktoren gleichermaßen. Während sieben Prozent der Unternehmen mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen, gehen 24 Prozent davon aus, zum Jahresende weniger Beschäftigte als heute zu haben.
Zur Information
Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt wurde.
Der gesamte Konjunkturbericht Frühsommer 2026 ist zu finden unter: suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 17.06.2026
+49 3681 362-664