Außenwirtschaft in Thüringen unter Druck: Handelshemmnisse und Bürokratie bremsen internationale Geschäfte
Thüringer IHKs: Unternehmen im Freistaat sehen wachsende Belastungen im Auslandsgeschäft, sondieren aber weiter Chancen auf internationalen Märkten
Die internationalen Geschäfte der Thüringer Unternehmen werden spürbar schwieriger. 82 Prozent der befragten Betriebe im Freistaat sehen derzeit Herausforderungen im Auslandsgeschäft. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle DIHK-Umfrage „Going International 2026“, an der sich bundesweit 2.400 international aktive Unternehmen beteiligt haben und die von der Landesarbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHKs) gesondert für Thüringen ausgewertet wurde. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen bleiben viele Unternehmen aber international aktiv und nutzen neue sowie bestehende Potenziale im Ausland.
Als größte Belastungen nennen die Thüringer Unternehmen zusätzliche Sorgfalts- und Berichtspflichten in Lieferketten (38 Prozent), Hürden durch Ausfuhrbehörden wie BAFA-Genehmigungen, Exportkontrollen oder Zollverfahren (34 Prozent) sowie die Umsetzung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM (24 Prozent). Hinzu kommen weitere Vorgaben etwa bei Verpackungen (26 Prozent), der EU-Entwaldungsverordnung (16 Prozent) und bei Visa-Verfahren (14 Prozent).
Bei den konkreten Handelshemmnissen zeigt sich der Druck deutlich: 63 Prozent der Thüringer Unternehmen nennen höhere Zölle als Barriere, 50 Prozent verschärfte Exportkontrollregime. Gerade bei den Exportkontrollen liegt Thüringen damit über dem Bundeswert von 35 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark Zölle, Exportkontrollen und bürokratische Verfahren inzwischen auf das Auslandsgeschäft durchschlagen.
Besonders angespannt ist aus Sicht der Thüringer Unternehmen das USA-Geschäft. 54 Prozent nennen die handelspolitische Unsicherheit als Belastung. Hinzu kommen steigende Bürokratie und Kosten in Zollverfahren (51 Prozent), Wechselkursrisiken (37 Prozent) sowie zusätzliche Exportkontrollen und Zollbelastungen.
Die Thüringer Ergebnisse fügen sich damit in den bundesweiten Trend wachsender Handelshemmnisse ein und verdeutlichen zugleich, wie stark Zölle, Exportkontrollen und bürokratische Verfahren die Auslandsgeschäfte der Unternehmen belasten.
„Die Ergebnisse zeigen klar, wie stark gerade international aktive Thüringer Unternehmen unter zusätzlichen Vorgaben, langwierigen Verfahren und wachsender Unsicherheit leiden“, sind sich die Hauptgeschäftsführer der Thüringer Industrie- und Handelskammern einig. „Gleichzeitig erleben wir, dass viele Betriebe ihre internationalen Aktivitäten mit hoher Anpassungsfähigkeit weiterentwickeln. Umso wichtiger ist es, dass die Politik die Unternehmen dabei nicht zusätzlich ausbremst, sondern mit weniger Bürokratie, schnelleren Verfahren und verlässlichen Rahmenbedingungen unterstützt.“
Kritisch bewerten die Unternehmen im Freistaat zudem das diskutierte Prinzip „Buy European“. 86 Prozent erwarten Auswirkungen auf ihr Geschäft. Am häufigsten befürchten sie zusätzliche Bürokratie für Herkunftsnachweise (48 Prozent) und höhere Produktionskosten (42 Prozent). Nur 33 Prozent sehen eine bessere Wettbewerbsposition im EU-Markt.
Beim Mercosur-Abkommen zeigt sich Thüringens Wirtschaft derzeit noch zurückhaltend: 90 Prozent der Unternehmen haben bislang keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Zugleich erwarten 20 Prozent bessere Marktchancen durch den Abbau von Handelshemmnissen, weitere 20 Prozent neue Absatz- oder Beschaffungsmöglichkeiten und 17 Prozent Kostenvorteile durch Zollabbau.
„Thüringens Unternehmen sind auf offene Märkte angewiesen. Deshalb braucht es eine Handelspolitik, die Marktzugang sichert, statt neue Hürden aufzubauen. Gleichzeitig müssen hausgemachte Belastungen konsequent abgebaut werden“, so die Hauptgeschäftsführer der Thüringer Industrie- und Handelskammern.
Weitere Informationen: https://www.suhl.ihk.de/unternehmen/international/aktuelles
Suhl, 26.03.2026
Zur Information:
Die Ergebnisse basieren auf der DIHK-Umfrage „Going International 2026“, die vom 2. bis zum 13. Februar 2026 und damit noch vor Beginn des Krieges im Nahen Osten lief, und der gesonderten Auswertung für Thüringen.
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