Gefährlich werden die Zweitrundeneffekte

IHK-Umfrage zu den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten

Der Krieg im Nahen Osten belastet die heimische Industrie. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen unter Industriebetrieben der Region. Besonders betroffen sind die Unternehmen durch steigende Energiepreise, Unsicherheiten beim Bezug von Vorprodukten und Rohstoffen sowie höhere Kosten und unabsehbare Preisentwicklung in Transport und Logistik.

87 Prozent der befragten Unternehmen berichten von gestiegenen Energiepreisen. Lediglich Betriebe mit langfristigen Lieferverträgen, die kurzfristig nicht neu verhandelt werden müssen, spüren bislang keine zusätzlichen Belastungen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stiegen die Großhandelspreise für Erdgas von 33 Euro/MWh am 26. Februar 2026 auf aktuell 50 Euro/MWh und damit um rund 45 Prozent.

Nach Einschätzung der Unternehmen könnte das erhöhte Preisniveau über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Zusätzliche Unsicherheit entstand durch die Beschädigung mehrerer Raffinerien in Katar am 18. März 2026. Katar deckt rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Verbrauchs sowie etwa 40 Prozent des global gehandelten Heliums, welches wichtig ist als Schutzgas in industriellen Prozessen, ab. Für die Südthüringer Wirtschaft bedeutet dies eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Lage. Hohe Energiepreise belasten die Unternehmen inzwischen bereits im sechsten Jahr in Folge. Hinzu kommt, dass das deutsche Abgaben- und Umlagensystem die Preissteigerungen im internationalen Vergleich zusätzlich verstärkt. Weitere Kostensteigerungen betreffen unter anderem Rohstoffe: Nach Angaben des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) verteuerten sich NE-Metalle im ersten Quartal 2026 um 13 Prozent.

Neben den Energiepreisen melden 63 Prozent der Unternehmen Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen. 55 Prozent sehen sich mit unsicheren Fracht- und Logistikkosten konfrontiert. Zudem berichtet jeweils rund ein Fünftel der Betriebe von Einschränkungen auf wichtigen Schifffahrtswegen sowie steigenden Zahlungsrisiken.

„Energiekrisen prägen die Zwanzigerjahre dieses Jahrhunderts. Sie sind in zweifacher Hinsicht gefährlich: Einerseits gefährden sie unmittelbar die Rentabilität vieler Unternehmen, die häufig mit geringen Margen arbeiten und Kostensteigerungen nicht kurzfristig an ihre Kunden weitergeben können. Andererseits drohen zeitverzögert Zweitrundeneffekte, wenn etwa höhere Transportkosten zu weiteren Preissteigerungen führen oder die Entwicklung zusätzliche Lohnforderungen auslöst. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern, braucht es daher eine deutliche Reduktion staatlicher Preisbestandteile auf Energie sowie eine Aussetzung beziehungsweise mindestens deutliche Absenkung der CO₂-Bepreisung. Gleichzeitig sollten sich die Tarifparteien angesichts der schwachen wirtschaftlichen Lage ihrer Verantwortung bewusst sein“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

 

Zur Information

Die Umfrage wurde vom 13. April bis 10. Mai 2026 als Bestandteil der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 durchgeführt. 102 Südthüringer Industriebetriebe mit 5.147 Beschäftigten beteiligten sich an der der Umfrage.

 

Suhl, 18.05.2026

Dominik Konrad
Referent Öffentlichkeitsarbeit | Mitgliederkommunikation

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