Erholungssignale aus der heimischen Wirtschaft
Konjunkturbericht Herbst 2026
Trotz schwacher Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr 2026 haben sich die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Herbst 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen verbessert. Noch ist zwar keine allgemeine Trendwende erkennbar, doch in einigen Industriezweigen geht es erkennbar aufwärts. Dies betrifft vor allem die Elektroindustrie und Teile der metallverarbeitenden Industrie. Auch in anderen Branchen hat sich die Stimmung aufgehellt.
Der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen erreicht 75,1 von 200 möglichen Punkten. Dies sind zwölf Punkte mehr als in der Vorumfrage und drei Punkte mehr als vor einem Jahr. Es handelt sich um den höchsten Wert seit drei Jahren. Die Krisensymptome überwiegen jedoch, solange der Indikator die 100-Punkte-Marke unterschreitet. So bewerten derzeit zwar 21 Prozent der Unternehmen die Lage als gut und 43 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend, aber 36 Prozent betrachten sie als schlecht. In den kommenden Monaten rechnen neun Prozent mit besseren und 48 Prozent mit unveränderten Geschäften, doch 43 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
„Die Geschäftserwartungen passen noch nicht zu einem Aufschwung. Normalerweise verbessern sie sich vor der Geschäftslage. Aktuell erholt sich vor allem die Lage, während die Erwartungen erhebliche wirtschaftliche Risiken widerspiegeln. Auch umfangreiche schuldenfinanzierte Staatsausgaben können kurzfristig Wachstum anstoßen, garantieren aber keine selbsttragende Erholung und belasten künftige Haushalte erheblich. Entscheidend sind bessere Wettbewerbsbedingungen und mehr private Investitionen. Wie tragfähig die ersten Erholungssignale sind, bleibt deshalb offen. Wenn zwei von drei Unternehmen die Energiepreise als Konjunkturrisiko betrachten, ist der politische Auftrag klar: Ein auf drei Monate befristeter Tankrabatt reicht nicht aus. Die vom Kanzler angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß muss zügig und dauerhaft umgesetzt werden. Wenn endlich Wirkung erzielt werden soll, müssen spürbare Entlastungen bei den Netzentgelten und der CO2-Bepreisung hinzukommen. Auch muss sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die zusätzliche Umsatzsteuerbelastung staatlicher Energiepreisbestandteile zu beseitigen. International wettbewerbsfähige Energiekosten schaffen Investitionsspielräume und sind Voraussetzung für Wachstum quer durch die Branchen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Ein weiteres Risiko besteht für 60 Prozent der Unternehmen in der zu geringen Inlandsnachfrage. 58 Prozent nennen außerdem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 51 Prozent die Rohstoffpreise. Damit sich die ersten Erholungssignale verstetigen, braucht es Verlässlichkeit und spürbare Entlastungen von Bürokratie, Steuern und Abgaben.
Vor diesem Hintergrund besteht nur eine verhaltene Investitionsneigung. In den kommenden Monaten planen 63 Prozent der Unternehmen Investitionen und lediglich zehn Prozent wollen die dafür vorgesehenen Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr steigern. Im Vordergrund stehen Ersatzinvestitionen. 19 Prozent wollen kostensenkende Maßnahmen einführen und 13 Prozent planen Ausgaben für neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren.
Im Personalbereich rechnen 72 Prozent der Unternehmen mit stabilen Mitarbeiterzahlen. Fünf Prozent erwarten einen Zuwachs und 23 Prozent einen Rückgang. Hierbei wirken sich auch demografische Effekte aus. Im Juli 2026 waren in Thüringen 11.000 Personen weniger sozialversicherungspflichtig beschäftigt als ein Jahr zuvor. Altersbedingte Abgänge aus dem Erwerbsleben können durch Neueintritte in den Arbeitsmarkt nicht vollständig kompensiert werden. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert.
Blick in die Branchen:
Der Konjunkturklimaindikator für die Industrie erreicht 86,2 Punkte. Dies sind 16 Punkte mehr als vor einem Jahr. Getragen wird dieser Anstieg vor allem von der Metall- und Elektroindustrie. Im Metallbereich besserte sich die Stimmung in erster Linie für die Hersteller von Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteilen, gewalzten Ringen und pulvermetallurgischen Erzeugnissen sowie für Waffenhersteller. In der Branche als Ganzes produzieren inzwischen 24 Prozent der Unternehmen in Vollauslastung, jedes zweite Unternehmen erreicht einen Auslastungsgrad von mindestens 80 Prozent. Die Investitionsneigung fällt mit 76 Prozent um drei Prozentpunkte höher aus als vor einem Jahr. Neben Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen planen 19 Prozent Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung sowie 16 Prozent Erweiterungsinvestitionen.
Im Südthüringer Baugewerbe sind bislang weder der „Bauturbo“ noch die Infrastrukturausgaben aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen angekommen. Entscheidend ist, dass angekündigte Investitionen tatsächlich umgesetzt und durch einfachere Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Bislang trifft eine schwache öffentliche Nachfrage auf zurückhaltende gewerbliche Investoren und knappe Budgets in vielen privaten Haushalten. Als Folge erreicht der Konjunkturklimaindikator der Branche 42,6 Punkte, 16 Punkte weniger als vor einem Jahr. Die Auftragslage ist für 45 Prozent der Unternehmen zu klein. Die Ertragslage der Branche verschlechtert sich. In den kommenden Monaten bleibt daher die Investitionsneigung verhalten. Im Personalbereich rechnen 42 Prozent mit einem Beschäftigungsrückgang, auch wegen hoher Fachkräfteengpässe.
Hohe Energiekosten schränken die finanziellen Spielräume vieler privater Haushalte ein und belasten damit auch Handel und Gastgewerbe. Besser laufen Geschäfte mit anderen Unternehmen. Im Großhandel erreicht der Konjunkturklimaindikator 84,0 Punkte, ein Anstieg um 22 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Im Einzelhandel werden 54,1 Punkte erreicht, was einen Zuwachs um 2 Punkte bedeutet. Während sich der Großhandel mit B2B-Geschäft erholt, bleibt der B2C-Bereich in der Krise. Insgesamt berichten 76 Prozent der Händler von einer gesunkenen Ausgabefreudigkeit der Kunden. In den kommenden Monaten planen lediglich 55 Prozent neue Investitionen. Im Personalbereich erwarten drei Prozent steigende Mitarbeiterzahlen, 68 Prozent keine Veränderung und 29 Prozent einen Rückgang. Auch in dieser Branche nehmen die Fachkräfteengpässe wieder zu.
Im Gastgewerbe fällt der Konjunkturklimaindikator. Im Beherbergungssegment werden 69,7 Punkte erreicht, 22 Punkte weniger als vor einem Jahr. In der Gastronomie ergeben sich 34,0 Punkte, 19 Punkte weniger als vor einem Jahr. Für die Branche insgesamt konnten jeweils 26 Prozent der Unternehmen steigende oder stabile Umsätze verbuchen, für 48 Prozent ergab sich ein Umsatzrückgang. Die Ertragslage verschlechterte sich für 57 Prozent. In den kommenden Monaten wird sich die Investitionszurückhaltung der letzten drei Jahre fortsetzen. 48 Prozent planen Investitionen, hauptsächlich in Ersatz. Im Personalbereich gehen 74 Prozent von stabilen Mitarbeiterzahlen aus, 26 Prozent erwarten einen Rückgang.
Der Konjunkturklimaindikator im Verkehrsgewerbe sinkt im Vergleich zum Vorjahr um sieben Punkte auf 58,8 Punkte. 89 Prozent der Unternehmen erreichen einen Auslastungsgrad von mindestens 70 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit drei Jahren. Wegen der hohen Betriebskosten hat sich jedoch für die meisten Betriebe die Ertragslage verschlechtert. In den kommenden Monaten planen 33 Prozent Investitionen. Im Personalbereich sind keine Veränderungen zu erwarten.
Für Dienstleister in der Informationstechnologie steigt deutschlandweit der Umsatz. Der Südthüringer Konjunkturklimaindikator des Wirtschaftszweigs erreicht 105,6 Punkte, 28 Punkte mehr als vor einem Jahr. Aufwärts ging es auch bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern um 16 Punkte auf 90,6 Punkte. Zu diesem Bereich gehören u.a. Zeitarbeit, Sicherheitsdienste, Garten- und Landschaftsbau sowie Reisebüros. Dagegen fiel der Indikator der Ingenieure und Architekten um 18 Punkte auf 96,1 Punkte. Für die Branche insgesamt nahmen innerhalb des letzten Jahres die Aufträge für 10 Prozent der Unternehmen zu, für 61 Prozent blieben sie unverändert und für 29 Prozent gingen sie zurück. In den kommenden Monaten planen 60 Prozent Investitionen. Im Personalbereich rechnen 80 Prozent mit stabilen oder wachsenden Mitarbeiterzahlen und 20 Prozent mit einem Rückgang.
Zur Information
Die Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen wurde im Zeitraum vom 7. September bis 4. Oktober 2026 durchgeführt. Befragt wurden 869 Unternehmen aller Branchen in Südthüringen. Die Rücklaufquote lag bei 34,3 Prozent.
Suhl, 14.10.2026
+49 3681 362-664