Kreisvergleich 2025
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen hat ein neues Kartenwerk aufgelegt, welches den Standort Südthüringen im Vergleich mit den 400 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten sichtbar macht. Bereits vor sechs Jahren wurde eine erste Version des Kartenwerks aufgelegt. Grundlage sind verschiedene wirtschaftliche Indikatoren, die einen Einblick in die Stärken, Schwächen und vor allem Entwicklungspotenziale der Region bieten.
Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse gehört zu den Staatszielen der Bundesrepublik Deutschland. Unser Kartenwerk zeigt: Unterschiede bestehen weiterhin. Sie folgen Himmelsrichtungen oder beispielsweise Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum. Doch solche Differenzen sind kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen. Sie ergeben sich ebenso aus wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklungspfaden oder naturräumlichen Gegebenheiten. Die deutsche Einheit hat unterschiedliche Regionen zusammengeführt, die sich unter verschiedenen Rahmenbedingungen entwickelt haben und ihre Unterschiede aufweisen.
Darin liegt heute auch die Chance, voneinander zu lernen und regionale Stärken gezielt auszubauen.
Südthüringen präsentiert sich heute als Industrieregion mit gesundem Arbeitsmarkt und überdurchschnittlichem BIP-Wachstum. Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr wird erfüllt. Das ermöglicht eine der höchsten Beschäftigungsquoten von Männern und Frauen im Bundesgebiet. Die Teilzeitquote liegt vergleichsweise niedrig, die Fachkräftebasis ist stark und zieht zusätzlich Zuwanderung aus dem Ausland an. Selbst Menschen ohne Berufsabschluss finden hier gute Beschäftigungschancen. Die Arbeitslosigkeit ist geringer als im Bundesdurchschnitt, die Einkommen steigen überdurchschnittlich. Eine geringe Gewerbesteuerbelastung, grundsätzlich solide Finanzen und niedrige Baulandpreise erleichtern Unternehmensansiedlungen und lassen den Traum vom Eigenheim für viele Realität werden.
Natürlich bleibt der Konvergenzprozess eine Daueraufgabe. Südthüringen hat in puncto Wirtschaftskraft pro Einwohner bereits erste Regionen in den alten Bundesländern überholt, liegt insgesamt aber noch unter dem Bundesdurchschnitt. Auch die Produktivität hängt mit der regionalen Wirtschaftsstruktur zusammen und weist weiteres Entwicklungspotenzial auf. Besonders im Ausbau schneller digitaler Netze liegt beispielsweise noch Nachholbedarf. Gerade hier entscheidet sich, wie zukunftsfähig der Standort in der nächsten Dekade sein wird.
Um diese positive Entwicklung künftig sicherzustellen, ist eine Verschleppung von Investitionen und Reformen brandgefährlich. Es braucht tiefgreifende strukturelle Reformen und ein Mindset-Wechsel auf Landes- und Bundesebene und ebenso durch die EU-Kommission. Die standortpolitischen Herausforderungen sind enorm: geopolitische Veränderungen, globale Wettbewerbsverschiebungen und demografischer Wandel verlangen entschlossenes Handeln. Nur durch verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Regulierung und eine klare industrie- und innovationsfreundliche Politik kann der Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Vergleich bestehen und Regionen wie Südthüringen nachhaltig stärken.
Insgesamt zeigt sich: Südthüringen ist nicht nur auf einem guten Weg. Die Region ist längst ein Beispiel dafür, wie Zusammenwachsen gelingt. Entscheidend wird sein, die vorhandenen Stärken auszubauen: durch Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur, durch die Sicherung und Qualifizierung von Fachkräften, eine konsequente Nutzung der bestehenden Standortvorteile sowie ein stetiges Anpassen der Geschäftsmodelle. Dann kann Südthüringen nicht nur aufholen, sondern selbst Impulsgeber für andere Regionen werden.
Im Rahmen ihrer Untersuchung hat die IHK Südthüringen 58 verschiedene wirtschaftliche Indikatoren für die 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte verglichen. Zur Veranschaulichung erfolgt die Darstellung in Form von Deutschlandkarten, auf denen die Landkreise je nach Ausprägung des Indikators unterschiedlich eingefärbt sind. Das Kartenwerk lädt ein zur Detailarbeit. Jeder Indikator sollte für sich genommen betrachtet werden. Häufig ergibt sich gerade für die eigene Region die Erkenntnis, wie weit die Angleichung bereits fortgeschritten ist oder zu welchen Regionen Gleichwertigkeit erzielt wurde.
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