Landesregierung will Rotstift am Azubi-Ticket ansetzen

Südthüringer Kammern fordern Beibehaltung des jetzigen Leistungsumfangs

Seit Oktober 2018 steht das Azubi-Ticket Thüringen den Auszubildenden im Freistaat als einfacher und attraktiver Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zur Verfügung. Das Ticket gewährleistet jungen Menschen eine Grundversorgung an Mobilität, speziell wenn diese (noch) kein eigenes Kraftfahrzeug besitzen. Und es ist ein Erfolgsmodell: Bis Ende Dezember 2021 ist die Nutzerzahl auf ca. 11.700 gestiegen. Doch die Landesregierung plant eine Kürzung des Leistungsumfangs, was angesichts des großen Bedarfs der Wirtschaft an Fachkräften nicht hinnehmbar ist, da Azubis ihre Unternehmenswahl auch an derartigen Standortfaktoren festmachen.

In einem gemeinsamen Schreiben fordern daher die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen und die Handwerkskammer Südthüringen (HWK) die Thüringer Landesregierung zur Beibehaltung des jetzigen Leistungsumfangs des Azubi-Tickets und dessen Überführung in ein unbefristetes Ticketangebot auf.

Erst kürzlich hatte die Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskij, das Azubiticket in einem Medienbericht als wichtigen strategischen Baustein für junge Menschen bezeichnet, um mobil zu sein.

„Daraus lässt sich allerdings noch nicht ableiten, dass Kürzungen des Leistungsumfangs vom Tisch wären. Fachkräfte und Absolventen der dualen Berufsausbildung sind auf dem Arbeitsmarkt zu einem knappen und kostbaren Gut geworden. Die Zahlen neu eingetragener Ausbildungsverhältnisse sinken seit Jahren beständig: Wurden im Jahr 2007 zum Stichtag 31. Dezember im Kammerbezirk Südthüringen (IHK und HWK) noch 3.316 Neuverträge eingetragen, waren es im Jahr 2021 nur noch 1.506 – ein Rückgang um mehr als 54 Prozent! Diesen Trend gilt es, durch attraktive Rahmenbedingungen umzukehren. Und das Azubi-Ticket gehört hier dazu“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Pieterwas.

Geplante Begrenzung des Leistungsumfangs ist kontraproduktiv

Vor diesem Hintergrund erscheint es absolut kontraproduktiv, dass die Landesregierung die Nutzung des Tickets künftig auf Fahrten zwischen dem Wohnort eines Azubis, seinem Ausbildungsunternehmen und der Berufsschule begrenzen will, wenngleich hierbei der Eigenanteil des Azubis von derzeit 60 auf 30 Euro halbiert werden soll. Über welchen zeitlichen Horizont das Ticket weitergeführt werden soll, bleibt indes ungewiss.

Nur mit einer stabilen und soliden Fachkräftebasis sowie dem dringend benötigten Nachwuchs ist es den Unternehmen möglich, ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern und die Wertschöpfung in Thüringen zu halten und zu steigern. Dies gilt umso mehr angesichts des in den kommenden Jahren zunehmenden Ausscheidens älterer Erwerbstätiger geburtenstarker Jahrgänge aus dem aktiven Berufsleben. Insbesondere für Auszubildende mit Migrationshintergrund, die beispielsweise im Vietnam-Projekt von den Südthüringer Kammern erfolgreich gewonnen werden, hat das Azubi-Ticket eine fundamentale Bedeutung bei der Integration am neuen Lebensmittelpunkt. Für diesen Personenkreis ist es nicht allein ein Mittel, um Wege zurückzulegen, sondern vielmehr ein Instrument gelebter Integration, sich mit der neuen Heimat vertraut zu machen, soziale und kulturelle Verbindungen aufzubauen und zu festigen – auch abseits der Wege zu Berufsschule und Arbeit.

In einem gemeinsamen Schreiben haben sich die Hauptgeschäftsführer bzw. die Hauptgeschäftsführerin von IHK Südthüringen und HWK Südthüringen, Dr. Ralf Pieterwas und Manuela Glühmann, an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und die zuständige Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskij, gewandt, um eine Fortführung und Verstetigung des jetzigen Ticketangebots einzufordern. Selbst auferlegte haushaltsbezogene Zwänge dürfen aus Sicht der Wirtschaft nicht als Rechtfertigung für Einsparungen an nachweislich erfolgreichen und für die Unternehmen wichtigen Projekten herhalten.

„Das wäre Sparen an der falschen Stelle. Der dualen Ausbildung dürfen nicht unnötig Steine in den Weg gelegt werden, gerade im ländlichen Raum“, betont Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen. Es gehe alleine schon jetzt um den Berufseinstieg von thüringenweit mehreren tausend künftigen Fachkräften. Diese seien oft noch minderjährig und auf Mobilität angewiesen, nicht nur zwischen Wohnung und Arbeit. Die HWK-Hauptgeschäftsführerin fordert daher: „Wir brauchen das Azubi-Ticket als dauerhaftes, bezahlbares Angebot. Das erfolgreiche 9-Euro-Ticket zeigt, was möglich ist. Die Fachkräfte von morgen sollten es uns wert sein!

Suhl, 29. Juli 2022

Thomas Leser
Thomas Leser
Referent Regionalplanung, Handel & Verkehr

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