Saisonbericht Tourismus der IHK Südthüringen

Verhaltene Erwartungen ans Sommergeschäft bei Wirten und Dienstleistern

Berufung und Leidenschaft sind die Antriebskräfte der Touristiker in Südthüringen. Auch wenn sich das Wetter nun von seiner Sonnenseite zeigt, erwarten die wenigsten Unternehmen die langersehnte Trendwende. Nach der Pandemie hat sich das Reiseverhalten geändert. So bleiben die Betriebe unter ihren Möglichkeiten mit denkbar geringen Verdiensten für die Leistungsträger. Diese Ergebnisse zeigen die Saisonumfrage Tourismus der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen und aktuelle Daten der amtlichen Statistik.

Die Erwartungen an die Sommersaison fallen dieses Jahr bescheiden aus. Bestenfalls ein Zehntel der touristischen Leistungsträger rechnet in nächster Zeit mit besseren Geschäften als in der verregneten Wintersaison. Der IHK-Konjunkturklimaindikator erreicht in der Beherbergung 65 von 200 möglichen Punkten. Das sind 25 Punkte weniger als vor einem Jahr. In der Gastronomie sind es mit 64 Punkten noch einmal sechs Punkte weniger. Der Indikator der Reisemittler hat sich innerhalb eines Jahres halbiert und erreicht nur noch 54 Punkte. Werte unter 100 Punkten zeigen eine Krise an.

»Deutschland erlebt in diesen Tagen erneut ein sportliches Sommermärchen. Die Fußball-Europameisterschaft bietet jedoch zumindest für den heimischen Tourismus keinen Auftrieb. Umsatz- und Gästezahlen zeigen vielmehr, dass es hier in der Region nicht gelingt, zumindest an das Niveau vor der Pandemie anzuknüpfen. Die Kosten steigen, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen vermitteln vor allem Unsicherheit und die Gäste sind erheblich preissensibler als früher. Die Folge ist eine Zurückhaltung bei den Investitionen, die die Branche weiter ins Hintertreffen befördern könnte«, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Blick in die Gastronomie

Wer eine Gaststätte betreibt, benötigt häufig noch ein zweites Einkommen, um über die Runden zu kommen. Auf durchschnittlich 16.000 Euro beliefen sich 2022 Unternehmerlohn und Gewinn für die Südthüringer Gastronomen. Im letzten Jahr erhöhten viele Betriebe die Preise, um auf gestiegene Kosten für Lebensmittel und Energie zu reagieren. Die Umsatzsteigerungen blieben jedoch unter der Inflationsrate.

Entsprechend angespannt ist die Stimmung der Wirte. 16 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als gut, 45 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend und 39 Prozent als schlecht. Für jeden zweiten Betrieb ist die Finanzlage angespannt. Für 40 Prozent der Unternehmen gab es einen Eigenkapitalrückgang und 28 Prozent melden Liquiditätsengpässe.

Bis zum Herbst rechnen lediglich zwei Prozent mit besseren Geschäften, weitere 49 Prozent erwarten, dass das aktuelle Niveau gehalten werden kann. Lediglich vier von zehn Betrieben planen Investitionen, die in erster Linie der Instandhaltung dienen. Die Beschäftigtenzahl dürfte rückläufig sein, denn nur vier Prozent der Betriebe rechnen mit Neueinstellungen, 28 Prozent hingegen mit personellen Abgängen. Als wesentliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung stufen 84 Prozent die weiterhin hohen Energiepreise ein. Weitere Risiken bilden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit einem Anteil von 69 Prozent und die Arbeitskosten mit 49 Prozent.

Blick in die Beherbergungsbetriebe

Auf durchschnittlich 32.000 Euro beliefen sich 2022 Unternehmerlohn und Gewinn für die Südthüringer Beherbergungsbetriebe. Im letzten Jahr sind die Gäste- und Übernachtungszahlen gestiegen. Allerdings wird das vorpandemische Niveau von 2019 noch immer in vier der fünf Südthüringer Kreise nicht erreicht. Die hiesigen Gastgeber fallen gegenüber anderen Regionen in Thüringen und vielen Regionen in den alten Bundesländern zurück.

Verheerend verliefen vor allem die ersten Monate dieses Jahres, weil die Wintersportregion weitgehend ohne Schnee auskommen musste. Zwei von drei Betrieben melden Umsatzrückgänge gegenüber dem Vorjahr. Die Geschäftslage wird daher noch schlechter als in der Gastronomie beurteilt. Für 13 Prozent der Unternehmen ist die Lage gut, für 37 Prozent saisonüblich bzw. befriedigend und für 50 Prozent schlecht. Jedes zweite Unternehmen bewertet die Finanzlage als problematisch. Für 42 Prozent ergab sich ein Eigenkapitalrückgang und für 28 Prozent Liquiditätsengpässe.

Die meisten Gästeankünfte weist die Region traditionell im zweiten und dritten Quartal auf. Immerhin zehn Prozent der Beherbergungsbetriebe rechnen damit, dass sich auf diese Weise Geschäfte wieder verbessern und 47 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Geschäften. Wie in der Gastronomie besteht auch im Beherbergungsbereich Investitionszurückhaltung. Im Personalbereich rechnen drei von vier Betrieben mit stabilen Mitarbeiterzahlen, die anderen erwarten einen Rückgang. Wesentliche Geschäftsrisiken bilden die Energiepreise mit einem Anteil von 82 Prozent, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 62 Prozent, die Lebensmittel- und Rohstoffpreise mit 60 Prozent und die Inlandsnachfrage mit 58 Prozent.

Blick auf die Reisemittler

Rund 38.000 Euro an Unternehmerlohn und Gewinn lassen sich in Südthüringen durchschnittlich mit einem Reisebüro erzielen. Zur Branche gehören außerdem weitere touristische Dienstleister. Während die Beherbergungsbetriebe eine auswärtige Kundschaft bedienen, zeigen die Reisemittler den Südthüringern die Welt.

Angesichts der erheblichen Preissteigerungen in den letzten Monaten machen viele Verbraucher derzeit Abstriche bei Neuanschaffungen. Daher berichtet jeder zweite Reisemittler von gesunkenen Umsätzen. Die Geschäftslage bewerten 14 Prozent als gut, 33 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend und 53 Prozent als schlecht.

Der Ausblick auf die kommenden Monate fällt verhalten aus. Sieben Prozent erwarten, dass sich die Geschäfte wieder verbessern, doch 60 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Jedes zweite Unternehmen plant Investitionen. Im Zentrum steht die Instandhaltung. Im Personalbereich erwarten 70 Prozent unveränderte Mitarbeiterzahlen und 30 Prozent einen Rückgang durch Ruhestand oder berufliche Neuorientierung. Das Hauptrisiko der Branche bilden mit einem Anteil von 64 Prozent Fachkräfteengpässe. Außerdem werden die Arbeitskosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen von jeweils 57 Prozent genannt.

Zur Information:

Die Konjunkturumfrage zur Tourismuswirtschaft wird von der IHK Südthüringen zweimal im Jahr organisiert. Die aktuelle Erhebung betrifft den Zeitraum November 2023 bis April 2024. Es wurden 711 Unternehmen befragt. Die Rücklaufquote beträgt 15,9 Prozent.

Suhl, 26.06.2024

Dr. Jan Pieter Schulz
Dr. Jan Pieter, Schulz
Referent Volkswirtschaft

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