Unternehmer durch Preisverhandlungen gefordert

Umfrage der IHK Südthüringen zum Umgang mit Preissteigerungen

Jeder Einkauf belastet inzwischen stärker als früher das Portemonnaie. Dies gilt auch für die Unternehmen. Seit mehr als 18 Monaten sind sie infolge gestörter Lieferketten und steigender Ausgaben für Energie mit stetig wachsenden Einkaufspreisen konfrontiert. Als Interessenvertretung der hiesigen Wirtschaft wollte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen im Rahmen einer Umfrage wissen, in welchen Bereichen die Unternehmen von Preissteigerungen betroffen sind und wie sie damit umgehen. Das Ergebnis zeigt, wie sich die Inflation inzwischen verfestigt.

Nahezu jedes Unternehmen berichtet von steigenden Kosten. 86 Prozent zahlen mehr für Energie in Form von Strom und Kraftstoffen, 80 Prozent berichten von zusätzlichen Ausgaben für bezogene Waren wie Rohstoffe oder Vorprodukte. Damit nicht genug erreichen die Preiserhöhungen bereits die nächste Stufe. So berichtet jedes zweite Unternehmen, dass auch die Einkaufspreise für Dienstleistungen anderer Betriebe gestiegen sind. Unternehmen unterscheiden sich von Endverbrauchern in der Weise, dass sie versuchen können und müssen, Kostensteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben. 79 Prozent der Südthüringer Unternehmen haben bereits ihrerseits die Preise erhöht, weitere 15 Prozent beabsichtigen dies in nächster Zeit.

„Das Management der heimischen Wirtschaft ist in Vollzeit damit beschäftigt, die gestiegenen Preise auf die Kunden zu überwälzen und stellt sich tagtäglich den durchaus schwierigen Verhandlungen mit den Kunden. Jede nicht gelungene Weitergabe gestiegener Preise schmälert die Liquidität der Unternehmen bis hin zur Existenzgefährdung. Zudem verschlechtert eine negative Veränderung der Liquiditätssituation das Rating der Unternehmen und damit ihre Position zur Finanzierung von Investitionsvorhaben. Deshalb lautet der Appell an die Politik, auf jede Art von kostensteigernden Mehrbelastungen für Unternehmen zu verzichten und stattdessen die preistreibende geopolitische Konstellation des Kriegs in der Ukraine mit Diplomatie zu entschärfen. Ich bin davon überzeugt, dass bereits ein Signal der Politik zur Gesprächsbereitschaft mit Russland die Preisspirale verlangsamen, wenn nicht sogar aufhalten würde“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Preistreiber Mindestlohn

Nicht nur die Einkaufspreise für Dienstleistungen steigen. 62 Prozent der Unternehmen insbesondere aus der Industrie, dem Gast- und Verkehrsgewerbe, berichten auch von gestiegenen Arbeitskosten. Dieser Anstieg beruht auf weit verbreiteten Fachkräfteengpässen und dem zunehmenden Wettbewerb um geeignetes Fachpersonal. Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns im Herbst und Versuche der Arbeitnehmerseite, Kaufkrafteinbußen durch Lohnerhöhungen zu kompensieren, werden jedoch weitere Kostensteigerungen hervorrufen und die Inflation weiter anheizen.
Die aktuelle Inflation unterscheidet sich von früheren allgemeinen Preissteigerungen, weil sie auf Kostensteigerungen im Bereich der Produktion von Gütern und Dienstleistungen beruht. Häufiger kommt es zu Inflation, weil im Boom die Nachfrage das Angebot übersteigt. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche. Es kommt zu einem allgemeinen Preisanstieg, die Kaufkraft des Geldes geht zurück.

Zinspolitik bremst Aufschwung

Inflation lässt sich nicht durch wirtschaftspolitische Maßnahmen beschränken. Wirksam ist lediglich die Geldpolitik, die jetzt in Europa eine Abkehr vom Niedrigzinskurs erkennen lässt. Inflationsbekämpfung ist jedoch schmerzhaft, weil sie ausschließlich über die Erhöhung der Zinsen funktioniert. Ihre Folge sind steigende Kosten für Kredite. Höher verzinste Verbraucherkredite bremsen den privaten Konsum, höhere Zinsen für Kredite an Unternehmen senken die Investitionsbereitschaft. Erfolgreiche Inflationsbekämpfung geht daher mit einer Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität einher.

Hinweis: Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Unternehmensbefragung, welche die Thüringer IHKs im April 2022 durchgeführt haben.

Suhl, 21. Juni 2022

Dr. Ralf Pieterwas
Dr. Ralf Pieterwas
Hauptgeschäftsführer

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