Konjunkturbericht Frühsommer 2026 der IHK Südthüringen für den Ilm-Kreis
Krisensorgen nehmen wieder zu
Die Wirtschaft im Ilm-Kreis blickt wieder deutlich pessimistischer auf die kommenden Monate. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage vieler Unternehmen zuletzt verbessert, neue geopolitische Spannungen und steigende Preise belasten jedoch die Erwartungen erheblich. Der Konjunkturklimaindikator der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen ist im Frühsommer 2026 auf 69,4 Punkte gefallen.
Die wirtschaftliche Erholung war bereits so weit fortgeschritten, dass Hoffnungen auf einen nachhaltigen Aufschwung aufkamen. Dann eskalierten die Spannungen zwischen den USA, Iran und Israel zu einem offenen Krieg. Die Folgen verschärfen die ohnehin bestehenden Belastungen für die Unternehmen. Zwar hatten sich die Geschäfte zuletzt wieder verbessert, inzwischen treten jedoch erneut Preisschocks an die Stelle positiver Entwicklungen. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 der IHK Südthüringen zeichnen damit ein Bild mit Licht und Schatten für die Wirtschaft im Ilm-Kreis.
Der Konjunkturklimaindikator ist auf 69,4 von 200 möglichen Punkten gefallen. Sowohl zu Jahresbeginn 2026 als auch vor einem Jahr lag der Wert jeweils 13 Punkte höher. Der Indikator errechnet sich als geometrischer Mittelwert aus den Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen. Während sich die aktuelle Geschäftslage zuletzt verbessert hatte, haben sich die Erwartungen deutlich eingetrübt.
Aktuell bewerten 24 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, weitere 45 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend. Für 31 Prozent ist die Lage schlecht. Besonders Unternehmen aus den Städten Arnstadt und Ilmenau melden gute Geschäftslagen. Die Auftragslage hat sich für 19 Prozent verbessert und ist für weitere 56 Prozent ebenso gut wie vor einem Jahr. Die Ertragslage hat sich für 10 Prozent verbessert, allerdings auch für 40 Prozent erneut verschlechtert. Dennoch befindet sich jeder dritte Betrieb in der Gewinnzone, weitere 43 Prozent arbeiten kostendeckend.
Für die kommenden Monate rechnen jedoch lediglich fünf Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, während 53 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Besonders deutlich spiegeln Aussagen aus der Unternehmerschaft die aktuellen Sorgen wider: „Preisschock durch Kriege im Iran und in der Ukraine, ausufernde EU-Bürokratie, katastrophale Performance der Bundesregierung bei Reformen und strategischen Entscheidungen“, schreibt ein metallverarbeitender Betrieb aus Ilmenau. Die „Berechenbarkeit politischer Entscheidungen ist dahin“, erklärt ein weiterer metallverarbeitender Betrieb aus Ilmenau.
Eine politisch ausgelöste Krise kann bei einem zügigen Verlauf zwar zu einer Wachstumsdelle führen, muss jedoch nicht zwangsläufig dauerhafte Folgen nach sich ziehen. Mit Blick auf die Investitionserwartungen für die kommenden zwölf Monate zeigen sich die Unternehmen weiterhin vergleichsweise zuversichtlich. 71 Prozent planen Investitionen. Neben Ersatzbeschaffungen stehen für 22 Prozent kostensenkende Maßnahmen, für 20 Prozent Ausgaben zur Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen sowie für 13 Prozent Erweiterungsinvestitionen im Fokus. Zurückhaltender fallen dagegen die Beschäftigungserwartungen aus. Acht Prozent rechnen mit steigenden Mitarbeiterzahlen, 27 Prozent hingegen mit einem Rückgang.
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung nennen jeweils 58 Prozent der Unternehmen die Arbeitskosten, die Energiepreise, die Inlandsnachfrage sowie die Rohstoffpreise. 53 Prozent sehen darüber hinaus die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Belastung an.
„Geopolitische Konstellationen unterliegen stärker als bisher dem Einfluss der Großmächte. Deutschland hat seine Rolle in dieser neuen Ordnung noch nicht gefunden. Zu lange wird an der politischen Vorstellung festgehalten, zugleich globale Moralinstanz und wirtschaftlicher Wohlstandsbringer durch Klimaschutz zu sein, ohne die Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise oder industrielle Wertschöpfung ausreichend zu berücksichtigen. Unser Wohlstand basiert darauf, dass die heimischen Betriebe mit ihren Produkten weltweit erfolgreich sind. Damit dies auch künftig gelingt, muss die Bundespolitik auf Preisschocks aus dem Ausland reagieren, alle wettbewerbsbelastenden Abgaben senken und sich auf europäischer Ebene für Regeln einsetzen, die die EU tatsächlich zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort und starken Wettbewerber machen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die vom 13. April bis 10. Mai 2026 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 25.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch rund 6.600 Unternehmen aus dem Ilm-Kreis. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.200 Dienstleister mit 15.700 Beschäftigten, gefolgt von 1.400 Handelsunternehmen mit 3.900 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Ilm-Kreis 650 Unternehmen mit 14.600 Beschäftigten.
Der gesamte Konjunkturbericht Frühsommer 2026 ist zu finden unter: suhl.ihk.de/konjunktur.
Suhl, 29.05.2026
+49 3681 362-664